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Aktuelle Beiträge Demos in Rostock: Zwischen Regenbogen und Blockade
Nachrichten Polizei-Report Aktuelle Beiträge Demos in Rostock: Zwischen Regenbogen und Blockade
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18:45 23.09.2018
Es blieb friedlich in Rostock: Nach Schätzungen der Polizei nahmen 700 Menschen an der AfD-Kundgebung teil, 4000 an den Gegenprotesten (Foto). Quelle: Thomas Niebuhr
Rostock

Das Ende von Björn Höckes Rede – es ist irgendwie bezeichnend für diese, die sechste AfD-Demo binnen weniger Monate in Rostock: Der umstrittene Fraktionschef im Thüringer Landtag ist selbst für seine Anhänger kaum noch zu verstehen. Dem AfD- Kreisverband geht zum Ende der Kundgebung das Benzin aus, der Generator und so auch Höckes Mikrophon streiken.

Die Technik ist aber nicht das Einzige, das an diesem Tag nicht nach Plan verläuft bei beim Protestmarsch der Alternative für Deutschland. 4000 Rostocker stellen sich Höcke und seinen Anhängern in den Weg – im wahrsten Sinne des Wortes. Statt rund um die Innenstadt zu ziehen, muss sich die AfD mit einem kurzen Marsch auf der Bebel-Straße begnügen – begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert.

Polizei an jeder Ecke

Mittags herrscht noch geschäftiges Treiben in der Stadt. Und doch ist an diesem Sonnabend etwas anders als sonst: keine Ecke ohne Polizei. Den Neuen Markt kontrollieren Beamte aus Hessen, den Doberaner Platz Ordnungshüter aus Hamburg. Konfliktmanager stehen bereit.

In den Tagen zuvor war die Anspannung groß – und die Sorge, dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen könnte. Mit bis zu 600 gewaltbereiten Linksextremisten hatte die Polizei gerechnet – und noch am Morgen zusätzliche Wasserwerfer aus Hamburg geordert. Aus Niedersachsen und Berlin sind Reiterstaffeln angereist. Ein respekteinflößender Anblick, der offenbar Wirkung zeigt.

„Jeder, der sein Gesicht zeigt, zählt an diesem Tag“, sagt Frank Junge, Bundestagsabgeordneter der SPD und extra aus Wismar gekommen. Mit der Demo von „Rostock hilft“ beginnen mehrere Protestaktionen gegen den Aufmarsch der AfD. Bei Regen startet die Demo in der KTV.

Und schon beim Einbiegen in die Kröpeliner Straße erleben selbst die Organisatoren eine Überraschung: Mit 1000 Teilnehmern hatten sie gerechnet, fast 4000 sind gekommen. Das sagen gleich mehrere unabhängige Zählungen. Im Zug auch keine Vermummten. Offenbar hatte es im Vorfeld Absprachen gegeben, um der der AfD und auch der Polizei erst gar keine Argumente zum Einschreiten zu liefern. „Bunte Liebe statt braunem Hass“, steht auf einem Schild. „Hass mach hässlich“ ist an der Demo-Spitze lesen.

Fast alle Parteien protestieren

Nach dem Regenmarsch erreicht die Demo den Uniplatz. Den hatten sich Linke, SPD, Grüne und die Gewerkschaften als Ort ihres Protest gegen Hass und Hetze ausgesucht. Es war am Sonnabend häufig zu hören, dass es in Rostock keinen Platz gebe für Hassreden eine s Björn Höcke. Darüber spricht gerade Fabian Scheller, der Regionalgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Später sorgen „Les Bumms Boys“ mit Musik für gute Laute vor der Bühne, an der sich einige weitere Hundert Bürger versammelt haben. Zwei ältere Damen tragen ein Banner von „Bunt statt braun“: „Schön, dass der Protest aus allen Altersgruppen kommt“, freut sich Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne). Das Gros der Demonstranten ist da längst zu „Rostock nazifrei“ am Steintor weitergezogen.

Alle großen Parteien der Bürgerschaft hatte aufgerufen, sich an den Gegenkundgebungen zu beteiligen – nur die CDU nicht. Gegen Kritik aus Reihen der SPD hatte sich Patrick Tempel, Chef der CDU Stadtmitte zuvor gewehrt: Man wolle kein „Seit- an-Seit mit linken Extremisten“. Die treten an diesem Tag aber gar nicht in Erscheinung. Stattdessen Eltern mit Kindern, Senioren, Schüler und auch Studenten. Nach einem Regenschauer malt die Sonne einen Regenbogen über Rostock. Viele Demo-Teilnehmer werten das Zeichen: „Rostock ist bunt.“

2500 blockieren Vögenteich

Am Neuen Markt, wo sich die AfD treffen will, herrscht zu diesem Zeitpunkt noch gähnende Leere. Von den Polizisten mal abgesehen. Erst kurz vor Beginn der seit Wochen angemeldeten Kundgebung wird es voller: 700 Teilnehmer hat die Polizei gezählt, Björn Höcke wird später von 1000 sprechen. Der Kreisverband verteilt schwarz-rot- goldene Fahnen und von einem alten, rostigen Fahrzeug schimpft AfD-Landeschef Dennis Augustin über die „journalistische Jauchegrube“ in MV – und muss schlechte Nachrichten verkünden.

„Komm wir retten Rostock“, steht auf einem Afd–Banner, aber 4000 Rostocker wollten sich am Sonnabend von der Partei aber gar nicht retten lassen. Die AfD muss ihre Demo-Route ändern. Denn am Vögenteich gibt es eine Sitzblockade. Die Polizei lässte Wasserwerfer auffahren.

Aber: Geräumt wird nicht. Die Versammlungsbehörde erkennt den Protest als „Spontankundgebung“ an – und macht ihn damit legal. Solange sich dort niemand vermummt. In den sozialen Netzwerken im Internet wird es dafür später viel Lob geben – für die Stadtverwaltung und die Polizei. Das besonnene Vorgehen sei vorbildlich: Die Polizei in Sachsen könne sich davon „mal eine Scheibe“ abschneiden, schreibt ein Nutzer bei Twitter. Am Ende werden 2500 Menschen am Vögenteich sitzen und stehen – sich hocken gegen Höcke.

30 Minuten mit Björn Höcke

Brenzlig wird es nicht mal, als sich am Steintor die AfD-Anhänger und die Gegendemonstranten gegenüberstehen. Laut ist es. Mehr nicht. Trillerpfeifen auf der Seiten der Gegendemonstranten, Sprechchöre und Marschmusik bei der AfD.

Die Reizfigur Höcke ist beim Umzug nicht dabei: Er kommt erst zur Abschlusskundgebung in einer gepanzerten Limousine angefahren – und spricht gute 30 Minuten. Über Kanzlerin Merkel, über die Flüchtlingspolitik und „Diskriminierung der Deutschen im eigenen Land“. Die Polizei schneidet jedes Wort mit. In Thüringen prüft der Verfassungsschutz, ob die AfD offiziell beobachtet werden muss.

Höcke aber lässt sich nicht zu strafbaren Äußerungen hinreißen. Als das Mikro ausfällt, ist er kaum noch zu verstehen. Aus einem Wohnhaus am Neuen Markt spielt Jazz-Musik. Sie ist lauter als der AfD-Politiker. Kurz nach 20 Uhr braust Höcke davon. Alle Demos lösen sich auf – und die Stadtreinigung fegt auf, was vom Demo-Tag übrig geblieben ist.

Andreas Meyer & Thomas Niebuhr

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