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Aktuelle Beiträge Der Horrorcrash des Jahres 2017
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00:30 08.05.2018
Bei diesem furchtbaren Unfall nahe Wusterhusen starben im vergangenen April Vater und Sohn. FOTOS (2): TILO WALLRODT

Es ist für den stellvertretenden Kemnitzer Wehrführer Frank Schumann und seine Kameraden noch immer schwer, über diesen 4. April 2017 zu sprechen: Vor gut einem Jahr verunglückten auf der Kreisstraße 22 zwischen Wusterhusen und Rubenow ein damals 39-jähriger Familienvater aus Pritzwald und sein mit im Auto sitzender elfjähriger Sohn tödlich. Beide waren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Pritzwald (Ortsteil von Wusterhusen) bzw. der Jugendfeuerwehr. „Als wir an die Unfallstelle kamen, bot sich uns ein Bild des Schreckens“, erinnert sich Schumann. Mit vor Ort war die FFW Wusterhusen. Als die Mitglieder den Wagen ihres Kameraden erkannten, „war das Entsetzen riesengroß. Gestandene Feuerwehrmänner haben gezittert“, erzählt er.

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Statistik: Fast 9000 Unfälle im Vorjahr / Beim schwersten starben Vater und Sohn nahe Wusterhusen

Bilder haben sich eingebrannt

An dem furchtbaren Unfall waren ein VW-Transporter sowie zwei VW Passat beteiligt. Die beiden hinter einem Kleintransporter Richtung Rubenow/Wolgast fahrenden Autos überholten zwischen Wusterhusen und Pritzwald gerade den Transporter, als dieser nach links auf ein Grundstück abbog. Der 29-jährige Fahrer des einen Passat kam im linken Straßengraben zum Stehen. Der andere Passat fuhr rechts neben der Straße frontal gegen den Baum, wickelte sich förmlich um diesen. Die Fahrzeuginsassen waren durch den Aufprall eingeklemmt worden. Um sie aus dem Auto zu schneiden, musste der Wagen mit schwerer Technik vom Baum gezogen werden.

Der Einsatzleiter und stellvertretende Wehrführer von Kemnitz, Frank Schumann, entschied seinerzeit angesichts des großen psychischen Drucks, die Wusterhusener Feuerwehrleute zurückzuschicken. Die Wehr von Kemnitz übernahm. Die Kreisstraße war stundenlang voll gesperrt. Schumann sagt: „Die Bilder dieses tragischen Unfalls brennen sich ein.“ Die Feuerwehrmänner aus Wusterhusen wurden vom ehemaligen Polizeiseelsorger Andreas Schorlemmer betreut, er hat lange mit ihnen geredet. „Die Gespräche“, sagt Gemeindewehrführer Reinhard Ischebeck, der zugleich auch die Wehr in Pritzwald leitet, „haben uns allen Kraft gegeben, sodass wir danach in der Lage waren, nicht nur das Geschehen aufzuarbeiten, sondern auch der Ehefrau unseres Kameraden und seiner Tochter Unterstützung zu geben und wieder nach vorn zu schauen.“ Die Feuerwehr verbinde ein herzliches Verhältnis mit beiden. „Die zehnjährige Tochter gehört zu unserer Jugendfeuerwehr, die Ehefrau ist Mitglied im Förderverein der Feuerwehr. Sie sind bei allen Veranstaltungen dabei und wann immer uns die beiden brauchen, sind wir für sie da“, so Reinhard Ischebeck.

Jeder Sechste sucht das Weite

Das Drama auf der K 22 ist nur einer von 8918 Unfällen, die sich im vergangenen Jahr laut Polizeiinspektion Anklam auf den Straßen der Region ereigneten. Auch auf Usedom ließen Kraftfahrer ihr Leben. Ein grauenvoller Anblick bot sich den Rettungskräften bei einem Unfall in Neu Pudagla, als das Auto einer Familie regelrecht über die Leitplanke hinausgeschossen war und kopfüber in den Bäumen hing. Der Familienvater starb dabei, die Frau und zwei Kinder wurden schwerverletzt. Laut Statistik nahm die Zahl der Unfälle um knapp 250 zu, es gab 15 Todesopfer zu beklagen (2016: 16).

Verletzungen erlitten 1126 Personen. Die meisten Unfälle waren im Polizeihauptrevier Greifswald (2523) und im Polizeirevier Heringsdorf (1404) zu verzeichnen, dicht gefolgt von Wolgast (1393).

Erschreckend ist für Polizeisprecher Axel Falkenberg die hohe Zahl derjenigen, die nicht zu ihrer Verantwortung standen: Bei mehr als 1500 Unfällen entfernten sich die Verursacher unerlaubt. Damit suchte jeder Sechste nach einem Unfall das Weite. Die Aufklärungsquote bei dieser Straftat, die mit Geldstrafe oder mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden kann, lag bei rund 36 Prozent.

Die Hauptunfallursachen sind wie in den Vorjahren Auffahren (2258 Unfälle), überhöhte Geschwindigkeit (450), Missachtung Vorfahrt (448), Überholen (190) und Fahren unter Alkoholeinfluss (107).

Falkenberg weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass 2395 Unfälle – das sind fast 27 Prozent der Gesamtunfallbilanz des Vorjahres – Wildunfälle waren. „Wir wohnen in einer wildreichen Gegend. Das gilt nicht nur für das Festland, sondern auch für die Insel Usedom. Wir appellieren immer wieder an alle Fahrer, mit Wildwechsel zu rechnen“, so der Polizeisprecher.

Polizei kontrolliert regelmäßig

Im Jahr 2017 wurden 833 Verkehrsunfälle, also etwa jeder zehnte, von Fahrern unter 26 Jahren verursacht. Das sind 80 Unfälle weniger als im Jahr 2016. Die meisten dieser Unfälle (273) passierten im Bereich des Polizeihauptreviers Greifswald. Falkenberg verweist auch darauf, dass die Zahl der Unfälle, die ältere Menschen (70+) zu verantworten haben, ansteigend ist. Auch bei den während Verkehrskontrollen im Vorjahr festgestellten 47000 Verstößen seien es nicht nur junge Menschen, die erwischt wurden. Egal, ob Raserei, betrunken am Steuer, Telefonieren während der Fahrt und Fahren ohne Sicherheitsgurt – von 17 bis über 80 Jahre sei alles dabei gewesen.

Auch deshalb setzt die Polizei in diesem Jahr ihre regelmäßigen themenorientierten Kontrollen fort. „Alle Verkehrsteilnehmer sollen gesund und sicher ihr Ziel erreichen“, betont Axel Falkenberg. Die Schwerpunkte der monatlichen Kontrollen und ihre Ergebnisse werden auf den Seiten der PI Anklam bei Facebook (Polizei Vorpommern-Greifswald) und Twitter (Polizei VG) bekanntgemacht.

Unfallzahlen gestiegen

8918 Unfälle registrierte die Polizeiinspektion Anklam im vergangenen Jahr. Das sind knapp 250 Unfälle mehr als im Jahr zuvor.

15 Menschen verloren auf den Straßen des Kreises ihr Leben. 1076 Menschen wurden verletzt. Im Jahr 2016 gb es nach Polizeiangaben 16 Verkehrstote und 1126 Verletzte.

2395 Wildunfälle mussten im Bereich der Polizeiinspektion Anklam aufgenommen werden (27 Prozent aller Unfälle).

Cornelia Meerkatz

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