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09:10 13.05.2017
Zuhören und ernst nehmen: Wolfgang Müller im Gespräch mit einer Bürgerin. Quelle: Robert Niemeyer
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Ribnitz-Damgarten

Es ist ein ruhiger Nachmittag für Wolfgang Müller. Eine ältere Dame hat sich im neuen Begegnungszentrum in Ribnitz-Damgarten (Vorpommern-Rügen) eingefunden, um dem Kontaktbeamten des hiesigen Polizeireviers ihre Sorgen mitzuteilen. Sie wohnt allerdings nicht in der Umgebung. Es ist die zweite Sprechstunde des 55-Jährigen an diesem Ort. Zwei Stunden lang hört sich Wolfgang Müller dann jedes Mal an, was die Menschen zu sagen haben, was sie bewegt, was sich ändern soll – und er versucht zu helfen. Beim ersten Termin im Begegnungszentrum kamen zwei Menschen zu ihm, beide waren aus Wustrow angereist. Dabei sei der Ort bewusst gewählt. In den vergangenen Monaten war vonseiten der Polizei immer mal wieder der Begriff sozialer Brennpunkt für das Wohnblockviertel im Westen der Stadt verwandt worden. „Eigentlich müssten die Leute Schlange stehen“, sagt auch Wolfgang Müller. Tun sie aber nicht. Aber warum? Zu wenig Werbung für den Termin? Die Uniform, die abschreckt? Oder haben die Menschen hier keine Sorgen? „Ich bin optimistisch, dass beim nächsten Mal mehr Leute kommen“, sagt Wolfgang Müller. Am kommenden Donnerstag, 18. Mai, gibt es im Begegnungszentrum wieder die Gelegenheit.

Auf seine Uniform jedenfalls könnte Wolfgang Müller fast schon verzichten. „Nur ein geringer Teil der Themen betrifft die eigentliche Polizeiarbeit“, sagt er. Nachbarschaftsärger, kaputte Straßen, Beschilderungen an Straßen: „Vieles betrifft andere Behörden wie das Jugendamt oder das Ordnungsamt“, sagt Müller. Aber das sei okay so. „Ich bin Kontaktbeamter, Ansprechpartner für alle.“

Ein Beispiel: Eine Anwohnerin beschwerte sich darüber, dass ein Supermarkt in der Stadt seinen Papiermüll wild herumliegen lasse. Nicht unbedingt eine Sache für das SEK oder sonst jemanden von der Polizei. Aber dennoch kümmerte sich Müller. Ein Anruf bei der Marktleitung und das Problem war gelöst.

Ein und aus im Rathaus

Und genau darum geht es. Die Dame, die ihn an diesem Nachmittag besucht, hat vieles auf dem Herzen. Die Ampelschaltung an der Ecke Bahnhofstraße/Damgartener Chaussee, ein die Sicht versperrender Busch an der B105 in Damgarten, ein kaputter Radweg in der Richtenberger Straße und einiges mehr. Wolfgang Müller hört geduldig zu, notiert sich die Hinweise. „Ich kümmer mich drum“, sagt er.

Denn Kontaktbeamter zu sein, ist mehr als nur regelmäßige Sprechstunden abzuhalten. Im Rathaus ist er ein oft gesehener Gast. Auch in Schulen. Und überhaupt spricht er mit denen, die es betrifft. So dürfte auch jener Grundstückseigentümer, dessen Busch die Sicht versperrt, Besuch bekommen haben. „Wer Probleme hat, kann immer zu mir kommen“, sagt Wolfgang Müller. Denn eigentlich sei er nicht der Typ, der von sich aus die Leute fragt, was sie umtreibt. Es sei besser, wenn die Menschen von selbst kommen. Denn dann sei es ihnen wirklich wichtig. „Und ich nehme sie ernst“, sagt der 55-Jährige. Und eigentlich muss er auch gar nicht fragen. Fast täglich ist er beispielsweise in der Langen Straße in Ribnitz unterwegs. Müller ist bekannt, die Menschen kommen auf ihn zu.

Im Bürgerbüro in Ahrenshagen, im Ribnitzer Rathaus und im Begegnungszentrum bietet er Sprechstunden an. Manchmal sind so viele Bürger da, dass er es nicht schafft, sich alle Sorgen anzuhören. Dann lässt er sich Telefonnummern geben und ruft anderntags zurück. Manchmal kommen aber auch nur zwei oder drei Menschen, manchmal sogar keiner. „Vielleicht ist mancher zu scheu. Vielleicht sehen mich viele zu sehr als Polizisten. Aber es muss kein polizeiliches Problem sein“, sagt Müller.

Prävention und Integration

„Man muss gut zuhören können“, sagt der Kontaktbeamte, „und die Geduld kommt mit den Jahren.“ Denn so unterschiedlich die Probleme der Menschen sind, so unterschiedlich sind auch die Menschen selbst, die zu ihm kommen. Mancher nutzt aber auch die Gelegenheit, an ihm seinen Frust über die Polizei auszulassen. Müller vermittelt dann, hat so schon so manche Dienstaufsichtsbeschwerde abgewendet. „Ich denke, auch die Akzeptanz für die Polizei durch den direkten Kontakt wächst.“ Imagepflege im Einzelgespräch also.

Darüber hinaus ist Wolfgang Müller auch Integrationsbeauftragter des Polizeireviers. Das heißt: Er kümmert sich auch um die Zuwanderer und deren Betreuer. „Die Zusammenarbeit in der Stadt, gerade mit der Kirche, ist glänzend“, sagt Müller. Die Flüchtlinge an sich würden ihn auch als Ansprechpartner anerkennen. „Einige machen aber auch einen Bogen um die Polizei.“

Zu seinem Job gehört außerdem, sich in Sachen Prävention den Jüngsten anzunehmen. Vor allem die Verkehrserziehung spielt hier eine große Rolle. Achtmal bekam er im vergangenen Jahr im Revier Besuch von Schülergruppen.

Und vielleicht möchte am Donnerstag ja auch jemand aus der Plattenbausiedlung mit ihm reden. Wolfgang Müller trägt zwar die Uniform der Polizei. Doch er ist viel mehr. Das offene Ohr für die Menschen in Ribnitz-Damgarten. Der Kümmerer.

Die nächsten Termine

Die nächsten Sprechstunden von Wolfgang Müller finden donnerstags, 18. Mai, im Begegnungszentrum (Georg-Adolf-Demmler Straße 6), am 8. Juni im Rathaus in Ribnitz (kleiner Saal), am 15. Juni in Ahrenshagen, Todenhäger Straße 2, und am 22. Juni wieder im Begegnungszentrum in Ribnitz statt, jeweils in der Zeit von von 15 bis 17 Uhr.

Robert Niemeyer

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