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Aktuelle Beiträge Falsche Fensterbauer machen Haustürgeschäfte
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07:52 24.10.2017

Es klingelt. Vor der Tür steht ein freundlicher Herr im Blaumann. Auf dem Kopf ein Käppi. „Guten Tag, ich bin von der Firma Lemcke, Fensterbau.“ – „Aber der Kollege war doch gestern schon da?“ Die alte Dame ist irritiert. Kaum hört sie noch, wie der Mann höflich und in akzentfreiem Deutsch seine Dienste anbietet. Die Rollläden will er reparieren, ihr einen Rollgurtwickler verkaufen. „Wenn Sie zwei nehmen, gibt es Rabatt. Wir können das auch ohne Rechnung machen.“

Wir klingeln nicht an Haustüren. Wir kommen im Auftrag.Frank Lemcke Firma Lemcke Quelle: Foto: Nicole Buchmann

Die alte Dame bedankt sich und bittet den Mann, zu gehen. Dann ruft sie ihren Fensterbauer an. Frank Lemcke ist entsetzt. Wieder einmal geben sich Drückerkolonnen als Mitarbeiter seiner Drei-Mann-Firma aus. „Das erste Mal war das vor drei Jahren“, erzählt der 39-Jährige. Auch diese Kundin hatte den vermeintlichen Lemcke-Mitarbeiter abgewimmelt. Einem älteren Herren aber sei das vor zwei Jahren nicht gelungen. „Der hat dann bei dem Mann gekauft.“

Alle drei berichten von gepflegten, freundlichen Männern. Aber auch davon, wie sie versuchen, mit Druck zu verkaufen. Nach dem Motto, die Rollläden müssten jetzt repariert werden – der Artikel laufe bald aus, dann sei es zu spät. Lemcke war bei der Polizei. „Die kann nichts machen.“ Das Lübecker Autokennzeichen hilft auch nicht weiter. „Wir können nur klar stellen, dass wir nicht von Tür zu Tür laufen, um etwas zu verkaufen. Wir kommen nur auf Auftrag“, sagt Lemcke.

Am runden Tisch im Büro der kleinen Firma sitzt auch Lemckes Frau Katja. Im Internet habe sie nach einer weiteren Fensterbau-Firma mit dem Namen Lemcke gesucht, erzählt sie. Gefunden aber habe sie nichts. „Die Frage ist ja, was das eigentliche Ziel dieser Männer ist – etwas zu verkaufen oder die Wohnung auszuspionieren.“

„Betrüger suchen sich oft gezielt Senioren aus, die sich in ihrer Wohnung vermeintlich sicher fühlen“, bestätigt Polizeisprecherin Nancy Schönenberg. Die Betrüger gäben sich als Handwerker, Geschäftsführer, Hilfsbedürftige oder Amtspersonen aus. Ziel sei es oft, in den Wohnungen unbemerkt an Wertgegenstände zu gelangen, sagt Schönenberg. Die Polizei rät deshalb, misstrauisch zu bleiben und zudem keine fremden Personen in die Wohnung zu lassen. Wer allein ist, sollte Nachbarn oder eine Vertrauensperson hinzubitten. Derzeit aber würden sich in Nordwestmecklenburg eher Telefontrickbetrüge häufen – der vermeintliche Enkel, ein vermeintlicher Polizist oder Gewinnspielversprecher sind dann am anderen Ende der Leitung.

Betrug mit falscher Identität

Erst Anfang Oktober hatte eine falscher Polizistin einen 75 Jahre alten Wismarer angerufen. Sie gab vor, ein Notizbuch gefunden zu haben, in dem der Name des Mannes stand. Sie wollte wissen, ob bei ihm Wertsachen abhanden gekommen seien und versuchte, die Vermögensverhältnisse abzufragen. Der Rentner ging darauf nicht ein – er informierte stattdessen die richtige Polizei.

Auch der Landkreis Nordwestmecklenburg sah sich mit vermeintlichen Mitarbeitern konfrontiert. Unbekannte waren im Auftrag des Kreises auf Sponsorenfang gegangen. 240 Euro jährlich würden helfen, um an verschiedenen Standorten in Gadebusch Defibrillatoren aufstellen zu können. Jene Geräte, die bei Herztod Leben retten können.

Nicole Buchmann

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