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Aktuelle Beiträge Hansa-Gewalt: Ermittler haben Kampfsportler im Visier
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00:00 07.06.2017
Wenn der Mann aber rechtskräftig verurteilt wird, dann fliegt er auch aus unserem Verein. Sven Rathjens Vorstand „German Fight Company“
Evershagen

Finanziert die Hansestadt indirekt und unwissentlich Gewaltfans des FC Hansa Rostock? Nach Recherchen der OZ hat das Rathaus in den vergangenen vier Jahren mehr als 7000 Euro an Steuergeldern als Sportförderung an einen Kampfsportverein in Evershagen überwiesen – obwohl der Name des Clubs seit Jahren immer wieder bei Ermittlungen gegen einzelne seiner Mitglieder auftaucht. Denn in dem Verein „German Fight Company“ soll nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft ein erheblicher Teil der gewaltbereiten Fan- Szene des FC Hansa aktiv sein. „Dort trainieren nach unseren Erkenntnissen eine Vielzahl von Personen – nämlich mindestens zehn – , die als sogenannte ,Intensivtäter Gewalt und Sport’ registriert sind“, sagt Oberstaatsanwalt Reinhard Krüger, zuständiger Abteilungsleiter bei der Rostocker Staatsanwaltschaft für Verfahren aus dem Bereich Fußball.

Das Trainingszentrum der „German Fight Company“ in Evershagen. Der Verein hat nach eigenen Angaben rund 700 Mitglieder. Quelle: Foto: Ove Arscholl
Dort trainiert eine Vielzahl von Personen , die als ,Intensivtäter’ registriert sind. Reinhard Krüger Oberstaatsanwalt Rostock

„C-Fans“ trainieren im Verein

Auf der Vereinshomepage wirbt der 2007 gegründete Verein offen damit, „Kinder, Jugendliche und Erwachsene“ in Kampfsporten wie Boxen, Kickboxen, Thaiboxen oder auch Krav Maga „zu fördern“. Doch gleich mehrere führende Kämpfer und auch Vorstandsmitglieder der „Fight Company“ sind Polizei und Staatsanwaltschaft seit Jahren bekannt – vor allem aus Ermittlungen in der Ultra-Szene des FC Hansa Rostock: „Wir gehen derzeit davon aus, dass es beim FC Hansa etwa 560 Problemfans gibt“, so Sebastian Schütt, Leiter der Kriminalpolizei in der Hansestadt. Zur radikalsten Gruppe – der sogenannten Kategorie C – zählt die Polizei etwa 130 Personen. „Und ein Teil davon trainiert in dem Verein“, sagt Schütt.

Verfahren gegen Kickboxer

Nur ein Beispiel: Erst vor gut zwei Wochen hat vor dem Amtsgericht Rostock ein Prozess gegen einen der bekanntesten WettkampfKickboxer der „German Fight Company“ begonnen. Dem Mann (Name der OZ bekannt) wird vorgeworfen, am Rande eines Fußballspiels eine Polizistin mit einem Kickbox-Tritt in den Bauch niedergestreckt zu haben. Oberstaatsanwalt Krüger: „Da wir wissen, dass der mutmaßliche Täter ausgebildeter Kämpfer ist, kann sich das im Fall einer Verurteilung strafverschärfend auswirken.“ Erst in der zurückliegenden Woche war der Kämpfer deshalb von einem Rostocker Gericht wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Mann ist aber nicht der einzige „Bekannte“ der Ermittler: Mehrere weitere Kämpfer – darunter auch einer der Meister des Vereins – seien bei Ermittlungen ins Visier der Beamten geraten. Ein weiterer Kämpfer und Trainer war erst vor wenigen Wochen bei einem Hansa-Spiel festgesetzt worden. Bei ihm fanden die Beamten einen Mundschutz. Der jedoch ist bei Fußballspielen nicht gestattet.

Insgesamt sollen in dem Verein 30 bis 40 C-Fans aktiv sein, die sich selbst in Kampfsportarten ausbilden. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Die Problemfans würden in dem Club ihren eigenen Nachwuchs ausbilden. Die Polizei habe diese Personen aber im Blick, könne gegen deren Freizeit-Gewohnheiten jedoch nichts unternehmen. „Nirgendwo in Rostock treten so viele gewaltbereite Fußballfans so geballt auf wie in der ,German Fight Company’“, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft.

Stadt fördert ohne Prüfung

Der Hansestadt waren diese Umstände bisher nicht bekannt. Auf Nachfrage bestätigt Stadtsprecher Ulrich Kunze jedoch, dass der Club mindestens seit 2013 jährlich Fördermittel aus der Stadtkasse erhalten habe. Allein 2016 immerhin fast 2400 Euro. Die Hansestadt zahle jedem eingetragenen Verein auf Antrag pauschal 15 Euro pro Jahr für jedes Mitglied unter 18 Jahren. Zudem gebe es Geld für Trainer, für Wettkampf-Sportler, für die Organisation von „breitensportlichen Veranstaltungen“ und auch Schiedsrichter. Das Rathaus geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die „German Fight Company“ auch vom Landessportbund öffentliche Mittel erhalten hat. Beim Finanzamt Rostock ist der Club zudem als „gemeinnützig“ anerkannt, darf unter anderem Spendenquittungen ausstellen. Zum konkreten Fall „German Fight Company“ will sich Ait Stapelfeld, der Leiter des Finanzamtes, nicht äußern – das verbiete das Steuergeheimnis. Allgemein gelte jedoch, dass die Gemeinnützigkeit von Vereinen auch wieder aberkannt werden könne – wenn der Club den in der Satzung festgelegten Vereinszweck nicht erfülle oder Gelder nicht gemäß der Satzung verwendet werden. Eine Überprüfung von „Personen des agierenden Vorstandes in gemeinnützigen Vereinen“ sei ebenfalls möglich. Das finde, so Stapelfeld, aber nur auf „besondere Veranlassung“ statt.

Vereinsvorstand wehrt sich

Sven Rathjens, Vorstandsmitglied der „German Fight Company“ und Anwalt in Rostock, wehrt sich gegen die pauschalen Aussagen der Ermittlungsbehörden: „Wir haben derzeit um die 700 aktive Mitglieder.

Natürlich gehen einige davon auch zum Fußball – und ja, darunter mögen auch ,schwarze Schafe’ sein. Das können wir doch gar nicht verhindern. Deshalb aber einen ganzen Verein zu diskreditieren – das nehmen wir nicht hin.“ Denn die „Fight Company“ sei seit Jahren sozial engagiert, leiste viel in der Kinder- und Jugendarbeit. Von der Staatsanwaltschaft will Rathjens noch in dieser Woche Auskunft fordern, wer die zehn sogenannten Intensivtäter seien, die angeblich in dem Verein Mitglied sind. „Ich würde gerne von Herrn Krüger wissen, welche Mitglieder von uns rechtskräftig wegen solcher Taten verurteilt worden sind.“

Der Fall des Kickboxers, der vergangene Woche in erster Instanz verurteilt wurde, sei Rathjens bekannt: „Das stimmt. Aber sein letzter Kampf für uns liegt zwei Jahre zurück. Er bestreitet uns gegenüber den Tritt gegen die Polizistin. Wenn der Mann aber rechtskräftig verurteilt wird, dann fliegt er auch aus unserem Verein.“ Auch gegen einen anderen Kämpfer habe es in der Vergangenheit ein Urteil vor dem Amtsgericht gegeben: „Das hat das Landgericht aber aufgehoben und ihn freigesprochen.“

Gewalt habe im Fußball nichts zu suchen, sagt Rathjens. „Wer den Verein durch so ein Verhalten schädigt, hat bei uns nichts zu suchen.“ Gegen Rufschädigungen werde sich der Club aber auch gegen Behörden wehren.

Andreas Meyer

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