Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Aktuelle Beiträge Junkies sprengten Automaten
Nachrichten Polizei-Report Aktuelle Beiträge Junkies sprengten Automaten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 07.02.2018
Rostock

Sie brauchten dringend Geld, um ihre Sucht zu finanzieren. Doch ihre Drogenabhängigkeit könnte für sechs junge Männer nun noch teurer zu stehen kommen – und im Gefängnis enden: Die Kripo hat die Serie von SprengstoffAnschlägen auf Zigaretten- und Fahrkartenautomaten in der Hansestadt aufgeklärt. Unter dringendem Tatverdacht stehen sechs Rostocker im Alter von 16 bis 21 Jahren. Die drei mutmaßlichen Haupttäter sitzen bereits in Haft: „Wir mussten von einer Wiederholungsgefahr ausgehen, haben deshalb Haftbefehl beantragt“, sagt Harald Nowack, Sprecher der Staatsanwaltschaft Rostock.

Neun Automaten in knapp drei Monaten gesprengt

Die Serie – sie nahm am 16. November ihren Anfang. Insgesamt sieben Fahrkarten-Automaten der RSAG sowie ein Parkschein- und ein Zigarettenautomat wurden binnen weniger Wochen in die Luft gesprengt – unter anderem in Lütten Klein, in Toitenwinkel und in Lichtenhagen. Die letzte Tat, die die Kripo den sechs Männern anlastet, ereignete sich am 5. Januar. Dass es die Täter auf das Bargeld in den Geräten abgesehen hatten, war damals schnell klar. Wie viel die Bande aber erbeutet hat, kann die Staatsanwaltschaft noch nicht sagen: „Wir gehen derzeit von einem Gesamtschaden von 300000

Euro aus“, sagt Staatsanwalt Nowack. Jeder gesprengte Automat koste um die 30000 Euro. Wie viel Geld sich aber in den Geräten befunden hat, lasse sich nur schwer schätzen: „Wir wissen aber, dass die Täter in einem Fall 1000 Euro mitgenommen haben.“

Zeugen führten die Ermittler auf die Spur

Die Ermittlungen im dem Fall gestalteten sich zunächst schwierig. Dabei hatte die RSAG eine Belohnung von 4000 Euro für sachdienliche Hinweise ausgesetzt, die Kripo eigens eine Sonderkommission eingerichtet. Von einer Sprengung gab es sogar Videoaufnahmen einer Überwachungskamera, und auf den Bildern waren auch die Täter zu sehen – „die Qualität war aber schlecht, die Personen nur schwer zu identifizieren“, so Polizeisprecherin Sophie Pawelke. Allerdings: Gleich mehrere Zeugen hatten die Taten beobachtet. Ihre Vernehmung brachte schließlich die entscheidenden Hinweise. Vergangene Woche rückte bei den Männern dann die Polizei an – zur Hausdurchsuchung. Dabei sollen die Ermittler Gegenstände sichergestellt haben, die im Zusammenhang mit den Sprengungen stehen. Die Staatsanwaltschaft sagt lediglich: Nach den Durchsuchungen habe sich der Tatverdacht erhärtet. Bei einem der Männer fanden die Ermittler zudem 400 Gramm eines verbotenen Betäubungsmittels. Alle sechs Verdächtigen sollen massive Drogenprobleme haben, sogenannte „Junkies“ sein.

Verdächtige hatten bereits Ärger mit dem Gesetz

Am vergangenen Freitag erließ das Amtsgericht Rostock schließlich Haftbefehl gegen die drei Hauptverdächtigen. Das Motiv für die Sprengstoff-Anschläge soll die finanzielle Not der Männer gewesen sein: „Sie brauchten das Geld, um ihre Schulden bei Drogendealern zu bezahlen und sich Rauschmittel zu besorgen“, sagt Staatsanwalt Nowack. Die Kripo bestätigt zudem, dass die Beschuldigten für die Ermittler keine Unbekannten sind: Alle sechs Verdächtigen seien bereits wegen anderer Delikte auffällig geworden. „Unter anderem geht es um Drogendelikte und Körperverletzung“, so Polizeisprecherin Pawelke.

Sollten die Beschuldigten vor Gericht schuldig gesprochen werden, droht den Haupttätern eine Haftstrafe: „Wir ermitteln gegen die Männer nicht nur wegen Diebstahls, sondern auch wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. Und die wird laut Strafgesetzbuch mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet“, erklärt Staatsanwalt Harald Nowack.

Wie genau die Verdächtigen die Automaten gesprengt haben, verraten die Ermittler indes nicht. Das sei sogenanntes Täterwissen, relevant im Strafprozess. „Mittels Pyrotechnik“ ist die einzige Info, die Kripo und Staatsanwaltschaft dazu doch preisgeben. In den kommenden Wochen soll nun ermittelt werden, ob die Männer auch als Täter bei weiteren Automatensprengungen – auch außerhalb Rostocks – in Frage kommen.

RSAG: Zahlung mit Bargeld wieder möglich

Als Reaktion auf die gesprengten Automaten hatte die Straßenbahn AG im Januar die Bargeld-Funktion an ihren Automaten abgeschaltet. Das Bezahlen war seitdem nur noch mit EC- oder Kreditkarten möglich.

Nachdem die mutmaßlichen Täter nun gefasst sind, soll das Bezahlen mit Bargeld aber wieder möglich sein: „Wir werden diese Funktion nun wieder freigeben. Viele Kunden hatten sich bei uns beklagt, dass dies einige Wochen lang nicht möglich war. Wir bitten deshalb nochmals um Verständnis für die Maßnahme“, sagt Jan Bleis, Vorstand „Markt & Technik“ bei der RSAG.

Zusammen mit der zuständigen Versicherung will die RSAG nun auch prüfen, ob sie auch zivilrechtlich gegen die Beschuldigten vorgeht – und die Männer auf Schadenersatz verklagt. „Erst mal sind wir froh, dass der Spuk vorbei ist und wir keine Angebote mehr einschränken müssen“, sagte Jan Bleis.

Andreas Meyer

Mehr zum Thema

Mitten am Tag ist in Waren an der Müritz eine Anwältin getötet worden. Der Täter erschoss die Frau in ihrem Büro. Für die Ermittler ist der Fall noch ein Rätsel. Die Suche nach Täter und Waffe läuft.

01.02.2018

Verletzter Radler abgesetzt: Polizei ermittelt wegen Unfallflucht auf Rügen / Unfallflucht-Fälle steigen

06.03.2018

Am 03.02.2018 gegen 19:15 Uhr kam es zwischen den Ortschaften Rubkow und Buggow im Landkreis Vorpommern-Greifswald zu einem Verkehrsunfall, bei dem hoher Sachschaden entstand.

07.03.2018

Serie von Sprengstoff-Anschlägen in Rostock: Sechs Verdächtige ermittelt / Mögliches Motiv: Täter brauchten Geld für Drogen / RSAG: Fahrkarten-Automaten nehmen wieder Bargeld

07.02.2018

In Zinnowitz auf Insel Usedom detonierte am Samstagabend ein „Polen-Böller“ an der Fensterscheibe eines Dönerladens. Einen fremdenfeindlichen Hintergrund schließt die Polizei nicht aus. Dem Mann schmeckte angeblich das Essen nicht.

07.03.2018

Im Oktober vergangenen Jahres ist ein schwer verletzter Unbekannter zwischen Lohme und Sassnitz gefunden worden. Er verstarb wenig später. Die Polizei sucht immernoch Hinweise auf die Identität des Mannes.

07.03.2018