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00:06 12.05.2018
Ein Markt in Kabul. In der afghanischen Hauptstadt leben schätzungsweise 3,9 Millionen Menschen. Quelle: Fotos: Privat

Taliban, al-Qaida, IS, Selbstmordanschläge: Es sind Schlagwörter wie diese, die hierzulande mit Afghanistan in Verbindung gebracht werden. Ein mehr als zwei Jahrzehnte währender Bürgerkrieg, seit 2001 der Kampf gegen den Terror. Ein Land voller Unruhe. Vor kurzem erst erschütterte ein Selbstmordanschlag mit weit mehr als 50 Toten die afghanische Hauptstadt Kabul. Ein Land, offenbar weit entfernt davon, seinen Bürgern Sicherheit geben zu können.

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Marco Stoll, Leiter des Ribnitz-Damgartener Polizeireviers, hilft in Afghanistan beim Aufbau einer professionellen Polizei

Damit dieses Ziel aber irgendwann erreicht werden kann, ist seit Anfang der 2000er Jahre die Bundespolizei in dem südasiatischen Land im Einsatz. Nicht im direkten Kampf gegen Terroristen.

Deutschland hilft mit dem sogenannten German Police Project Team (GPPT) den afghanischen Behörden unter anderem dabei, selbst eine handlungsfähige Polizei aufzubauen.

Mittendrin war Anfang des Jahres auch wieder Marco Stoll, Leiter des Ribnitz-Damgartener Polizeireviers. Zum dritten Mal war der 51-Jährige für das GPPT in Afghanistan im Einsatz. Direkt in Kabul war Stoll stationiert. Er sagt zwar: „Kabul hat sich sehr verändert. Ich habe mich sicher gefühlt.“ Doch es bleibt eine Frage der Perspektive.

Noch ein langer Weg

2014 war Marco Stoll zum ersten Mal in der afghanischen Hauptstadt. In den vergangenen Jahren habe sich die Situation dort zwar durchaus verbessert, etwa in Sachen Infrastruktur. Auch sei die Gesellschaft offener geworden. Doch es sei noch ein langer Weg, bis man von Normalität wie sie hierzulande definiert ist, sprechen könne.

An private Ausflüge in die Stadt sei beispielsweise nicht zu denken gewesen. Dienstfahrten mit dem Auto-Konvoi seien nur mit fast schon strategischer Routenplanung möglich. Je nach aktueller Lage in der Stadt werde relativ kurzfristig festgelegt, welche Strecke zum Zielort gewählt wird, um möglichen Gefahrenquellen aus dem Weg zu gehen.

Aber: „Man merkt, es geht voran in Kabul.“ Gerade was die Sicherheit in der Stadt angeht, sei der Wille der Behörden vor Ort, etwas zu verändern, zu merken. Und das wirkt sich auch auf die Einwohner der Stadt aus. Stoll: „Man darf zwar nach wie vor ohne Führerschein Auto fahren, aber es gibt mittlerweile schon Stadtteile, in denen eine rote Ampel was zählt.“

Seit Beginn der 2000er Jahre ist die Bundespolizei in Afghanistan im Einsatz. Stoll, der seit 1990 der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern angehört, stieg 2013 nach mehreren Spezial-Weiterbildungen in den Bereich Auslandseinsätze ein. Er gehört einem Pool von Spezialkräften an, die je nach Notwendigkeit von der Bundespolizei angefragt werden. Für die Zeit des Einsatzes in Afghanistan ist Marco Stoll als Landespolizist deshalb auch zur Bundespolizei abgestellt.

Schützen und sichern

„Afghanistan will eine Polizei haben, die genauso funktioniert wie in anderen Ländern auch“, sagt Stoll. Und Deutschland hilft mit dem GPPT im Rahmen einer zwischenstaatlichen Vereinbarung beim Aufbau, etwa bei der Erarbeitung von Konzepten, beim Aufbau einer Infrastruktur und bei der Ausbildung der afghanischen Polizisten.

So wurde jüngst ein sogenanntes Taktikhaus für die Afghan National Police Academy (ANPA, Afghanische Nationale Polizei-Akademie) gebaut, in dem die Polizisten in verschiedenen, landestypischen Gebäuden Einsätze trainieren können. Marco Stolls Aufgabe bei seinem jüngsten Einsatz war es, ein entsprechendes Konzept für die Eigensicherung der Polizisten bei solchen Einsätzen zu erarbeiten.

Dabei geht es unter anderem darum, wie die Polizisten bei Durchsuchungen vorgehen und sich gegenseitig schützen sollen, beispielsweise, dass die Polizisten immer zu zweit unterwegs sind. „Das Motto:

Die Polizei schützt andere und sichert sich selbst“, so Stoll. Das deutsche System solle dabei nicht starr übernommen werden, sondern an die afghanischen Verhältnisse angepasst werden. Zur Seite standen ihm dabei afghanische Berater.

Die deutsche Unterstützung werde von den afghanischen Polizei-Kollegen dankbar aufgenommen. „Der Umgang ist offen und ehrlich“, sagt der 51-Jährige. „Die Mehrheit der Afghanen hat nichts gegen die internationale Unterstützung.“ Und die Gastfreundschaft sei legendär. „Die Afghanen sind sehr herzlich, hilfsbereit und freundlich“, so Marco Stoll.

Ein besonderer Tag

Dennoch ist nun erst einmal Schluss mit Auslandseinsätzen. „Jetzt ist erstmal gut. Mein Haupteinsatzort ist Ribnitz-Damgarten“, sagt der 51-Jährige. Seinen jüngsten Aufenthalt wird er jedoch in besonderer Erinnerung behalten. Denn Stoll wurde via Skype während des Aufenthalts von Polizeipräsident Nils Hoffmann-Ritterbusch zum Ersten Polizeihauptkommissar befördert. Außerdem wurde er mit der Afghanistan-Spange für Polizeidienste in Gold geehrt. Und weil das Ganze an seinem Geburtstag stattfand, gab es ein Ständchen von den Kollegen auch noch dazu. „Eigentlich war ja gar nicht geplant, dass ich meinen Geburtstag in Afghanistan feiere“, sagt Stoll. Ursprünglich sollte er einige Tage vorher zurückkehren. „Aber es war trotzdem ein sehr schöner Tag.“

Robert Niemeyer

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