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07:48 17.01.2018
Die JVA in Stralsund. 687 Mal sind Häftlinge in den Justizvollzugsanstalten im Jahr 2017 positiv auf Drogenkonsum getestet worden. Quelle: Christian Rödel
Schwerin

Drogen und Knast – das passt! Dieses Vorurteil findet in MV Bestätigung. 687 Mal sind Häftlinge in den Justizvollzugsanstalten (JVA) im Jahr 2017 positiv auf Drogenkonsum getestet worden. Zum Vergleich: 2016 war es 545 Mal. Die Zahl der Drogenfunde hinter Gittern ist zwar gesunken, dennoch gibt es dort offenbar alles, was des Konsumenten Herz begehrt: Cannabis, Spice, Kokain oder Amphetamine wurden bei Gefangenen gefunden. Trotz strenger Sicherheitsvorschriften. In den JVA des Landes sind etwa 1100 Häftlinge untergebracht.

Die meisten Drogenfunde gab es laut Justizministerium im Vorjahr mit 29 in der größten JVA in Bützow. In Neubrandenburg (20 Funde) hatte ein Häftling 30 Gramm Amphetamine in seiner Zelle. Auch in Stralsund (12), Waldeck (13) und in der Jugendanstalt Neustrelitz (2) wurden Justizbeamte fündig. Dies geht aus einer Anfrage der Linksfraktion im Landtag hervor. Dabei wissen Beamte oft nicht, was sie in den Zellen finden. In einer Auflistung ist auch von „weißem Pulver“, einer „bräunlichen Substanz“ oder „Tüten mit geruchsintensiver weißlicher Masse“ zu lesen. Gefunden wurden demnach überwiegend Spice, Kokain in kleineren Mengen, Marihuana und Psychopharmaka. Große Zweifel an den Zahlen zu Drogenfunden hat die Linke im Landtag. Grund: In zurückliegenden Jahren seien diese stetig gestiegen, 2017 plötzlich nicht mehr. „Das lässt vermuten, dass der Drogenkonsum in den JVA ähnlich hoch geblieben ist, sich lediglich die Kontrolldichte verringert hat“, erklärt Jacqueline Bernhardt. „Drogen in den JVA sind nach wie vor ein großes Problem und behindern die Resozialisierung von Straftätern maßgeblich“, so Bernhardt. „Die Kontrolldichte muss erhöht und die Anschaffung eigener Drogenspürhunde für die Justiz erwogen werden.“ Denn, wie das Ministerium einräumt: Solche Hunde gebe es bisher in den JVA nicht. „Ein- bis zweimal pro Jahr“ kämen welche von Polizei oder Zoll zum Einsatz.

Das Justizministerium weist die Forderungen der Linken zurück. „Die Kontrolldichte ist konstant hoch“, sagt Sprecher Tilo Stolpe. Es werde allerdings schwerer, Drogen zu finden, weil neue, vor allem synthetische Stoffe wie Spice eingeschmuggelt werden, die bereits in kleinen Dosen berauschen. Oft würden solche Substanzen auch nur auf Tabak aufgetragen. „Im Haftalltag ist so etwas kaum auszuschließen“, so Stolpe. Die Zahl der gestiegenen positiven Drogentest sei leicht zu erklären: Seit 2017 würden alle Gefangenen bei ihrer Aufnahme getestet. Die Zahl der Gesamttests stieg von 2983 in 2016 auf 3452 im Vorjahr.

Zweifel an den Zuständen in den Haftanstalten hat Bernhardt auch hinsichtlich der medizinischen Versorgung. Drogenabhängige benötigten mehr Betreuung als andere, sagt sie. Das Ministerium räumt ein, dass es eine verbindliche Zahl zu Vergiftungen durch Drogen nicht treffen könne. Denn erfasst würden nur Daten aus medizinischen Behandlungen durch externe Ärzte. Eigene gebe es nicht. So könnte die Dunkelziffer weit höher liegen. Bei Drogentests seien überwiegend Marihuana oder Haschisch festgestellt worden, gefolgt vom starken Schmerzmittel Buprenophin, einem Opioid. Waffen hätten Beamte im Vorjahr nicht bei Häftlingen gefunden. Schmuggel, etwa durch Pakete, werde durch verbesserte Sicherheit eingeschränkt. „Somit gibt es das Handy im Nutella-Glas auch nicht mehr“, so Stolpe.

OZ

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