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Aktuelle Beiträge Mit der Hantelstange um sich geprügelt
Nachrichten Polizei-Report Aktuelle Beiträge Mit der Hantelstange um sich geprügelt
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00:00 17.01.2015

Der Mann am Telefon klang schon reichlich hilflos. Er habe seinen Sohn zu Besuch, doch der würde sich äußerst aggressiv verhalten, randaliere in der Wohnung und reagiere einfach nicht auf die Aufforderung zu gehen. Dieser Hilferuf sollte für die eingesetzten Polizisten nicht ohne Folgen bleiben.

„Als die Kollegen vor Ort eintrafen, wurden sie vom Vater noch gewarnt, sein Sohn sei manchmal etwas schwierig“, berichtet Dietmar Grotzky. Ein vorsichtige Umschreibung dessen, was nun folgen sollte.

Denn der 28-Jährige legte gleich los, als er die drei Männer und eine Frau in Uniform erblickte: Sie sollen ruhig kommen, er werde sie alle abstechen. Dann verschanzte er sich im einstigen Kinderzimmer.

Sein Vater ließ den Adrenalin-Pegel der Polizisten noch etwas in die Höhe schnellen, als er ankündigte, dass in der Küche tatsächlich zwei lange Messer aus einer Schublade fehlten. So verlegte man sich erst einmal aufs Diskutieren durch die geschlossene Tür hindurch, als diese plötzlich aufflog und sich der Randalierer mit einem glänzenden Gegenstand in der Hand auf die Beamten stürzte. „Der Einsatz von Pfefferspray trieb den Mann erst einmal zurück hinter die Tür“, erzählt der Revierleiter die Geschichte weiter.

Der glänzende Gegenstand in seiner Hand war kein Messer, sondern eine etwa 10 Kilo schwere Hantelstange. Das wurde klar, als der Tobende seinen zweiten Ausfall aus dem Zimmer startete. Jetzt konnte das Pfefferspray nicht mehr verhindern, dass einem der Polizisten die Stange in die Schulter gerammt wurde. Allerdings war der Wüterich dadurch in Reichweite der Ordnungshüter gelangt, die nun mit vereinten Kräften versuchten, ihn zu Boden zu ringen. Keine leichte Aufgabe in dem engen Zimmerchen.

„In dem Gerangel muss es dem Mann noch gelungen sein, eine Kurzhantelstange zu greifen“, sagt Grotzky. Dies bekam ein weiterer Beamter zu spüren. Dann war für die Einsatzkräfte das schlimmste erst einmal überstanden. Die Messer fanden sich später in einem Regal des Zimmers.

Einmal überwältigt, beruhigte sich der Delinquent etwas. „Allerdings waren starke Stimmungsschwankungen nicht zu übersehen“, weiß Dietmar Grotzky. Denn die Ruhephasen wechselten sich mit Beschimpfungen ab, in denen er wüste Drohungen ausstieß: Er wisse, wo die Bullen wohnen und dann käme er mal mit Freunden vorbei...

Die Anwandlungen gingen vermutlich auf den Genuss von Betäubungsmitteln zurück, und tatsächlich soll der Tobsüchtige den Gebrauch von Cannabis eingeräumt haben. Zu seiner eigenen Sicherheit wurde der Mann nach ärztlicher Konsultation ins Krankenhaus West eingewiesen. Widerstand gegen Polizisten, Beleidigung, Bedrohung, und Sachbeschädigung sowie gefährliche Körperverletzung gehören zur Bilanz des Einsatzes, bei dem zwei Polizisten verletzt wurden. „Wir wissen nie genau, was uns erwartet, wenn wir hinter Wohnungstüren helfen sollen“, sagt Dietmar Grotzky und weiß um die Schwierigkeiten solcher Einsätze. „Da müssen mitunter in Sekundenbruchteilen angemessenen Entscheidungen gefällt werden.“

Für den Revierleiter ist Gewalt gegen Polizisten ein zunehmendes Phänomen. „Allein im letzten Jahr waren wir mit 23 solcher Fälle konfrontiert.“

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Polizeigespräch



Jörg Mattern

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