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Aktuelle Beiträge Nach Vergewaltigung: Massengentest in Göhren
Nachrichten Polizei-Report Aktuelle Beiträge Nach Vergewaltigung: Massengentest in Göhren
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17:20 16.02.2018
Bei einer DNA-Reihenuntersuchung gibt ein Mann eine freiwillige Speichelprobe ab. Quelle: Foto: Bodo Marks/dpa

Acht Monate nachdem eine 56-jährige Urlauberin aus Sachsen in Göhren brutal vergewaltigt wurde, wollen die Ermittler der Kriminalpolizeiinspektion Anklam dem Sexualstraftäter nun mit einer groß angelegten DNA-Reihenuntersuchung, die es auf Rügen so noch nie gab, endlich auf die Spur kommen. An der Geschädigten hatte man fremde DNA-Spuren gesichert, die laut Rechtsmedizin dem Täter zuzuordnen sind. In der nächsten Woche sind 500 Jugendliche und Männer im Alter zwischen 15 und 35 Jahren aufgerufen, eine Speichelprobe zum Abgleich abzugeben. Den freiwilligen Massengentest hat das Amtsgericht Stralsund angeordnet.

Bislang hätten durch DNA-Abgleiche bereits mehrere Personen als Spurenverursacher ausgeschlossen werden können, informiert Nicole Buchfink vom Polizeipräsidium Neubrandenburg auf OZ-Anfrage. Die Ermittlungen würden nun auf alle Personen ausgedehnt, die der Täterbeschreibung hinsichtlich des Alters ähneln und einen Bezug zum Amtsbereich Mönchgut-Granitz haben. Alle 15- bis 35-jährigen männlichen Personen, die sich vom 30. April bis zum 1. Mai des vergangenen Jahres im Amtsbereich aufgehalten haben als Einwohner, mit Nebenwohnsitz, Urlauber, Besucher, Arbeitnehmer oder aus sonstigem Gründen, sind aufgefordert, eine DNA-Probe abzugeben. Ortsfremde Personen beziehungsweise jene, die nicht im Amt gemeldet sind, seien durch umfangreiche Ermittlungen und mit Hilfe der touristischen Gewerbe und der Kurklinik in Göhren ausfindig gemacht worden, so Buchfink.

Eine Urlauberin aus der Nähe von Leipzig, die auf Rügen eine Kur machte, war in den frühen Morgenstunden des 1. Mai letzten Jahres in Göhren vergewaltigt und schwer verletzt worden. Nachdem die Geschädigte gegen 23 Uhr die Bar „Zum Lotsen“ in der Strandstraße verlassen hatte, wurde sie beim Überqueren der Straße in Höhe der Hausnummer 12 von einem Mann von hinten gepackt und mit einem Messer bedroht. Danach habe der Mann die Frau in ein etwa 100 Meter entferntes Gebüsch gezerrt, sich an ihr vergangen und sei in Richtung Strand geflüchtet. Bei ihrer Gegenwehr hatte die 56-Jährige schwere Schnittverletzungen erlitten, die ihr der Täter mit einem silberfarbenen Küchenmesser mit einer 25 Zentimeter langen Klinge zugefügt hatte. Das Opfer hatte sich nach der Straftat in medizinische Behandlung begeben und ist dann in eine Klinik gekommen. Die Polizei wurde 7.40 Uhr informiert.

In den ersten Polizeimeldungen war man von einem 20- bis 25-jähriger Täter und von einer Tatzeit um 23 Uhr ausgegangen. Der Tatzeitpunkt wird nun mit 2.30 Uhr angegeben, das Alter des Täters zwischen 15 und 35 Jahre. „Diese Verschiebungen ergaben sich im Laufe der Ermittlungen, insbesondere von neuen Zeugenhinweisen“, erklärt Nicole Buchfink. In der Tatnacht wurde in Göhren der Maibaum aufgestellt. Durch die Feierlichkeiten waren zu später Stunde noch Personen unterwegs. Die Vergewaltigung sei extrem brutal gewesen, das Opfer habe neben den schweren Verletzungen einen psychischen Schock erlitten. „So eine Tat beeinflusst die Geschädigten grundsätzlich sehr, auch in ihren zeitlichen und örtlichen Erinnerungen“, so Buchfink.

Da das Opfer teilweise orientierungslos war, wurde seinerzeit unter Einsatz eines Fährtenhundes der Tatort am Ruth-Bahls-Platz aufgesucht, um Spuren zu sichern. Nach Angaben des Opfers soll der Täter etwa 1,75 bis 1,80 Meter groß und schlank gewesen sein, hatte kurze dunkle Haare und trug einen Oberlippenbart. Er sprach Deutsch ohne Akzent und Dialekt und war mit dunkler Jacke oder einem Sweatshirt mit Kapuze und einer dunklen Hose bekleidet. Die Erstellung eines Phantombildes war nicht möglich.

Die Teilnahme an der Reihenuntersuchung ist freiwillig. Wer nicht erscheint, kann aber von der Polizei vorgeladen werden. „Es gibt keinen Grund, dass dann Tatverdacht besteht“, so Buchfink. Sollten sich aber Gründe erhärten, kann es zur richterlichen Anordnung für den DNA-Test kommen. Je mehr Personen sich am DNA-Test beteiligen, desto kleiner werde die verbleibende Zahl der möglichen Tatverdächtigen.

Fünf Tage Zeit

Die Reihenuntersuchung findet vom 17. bis 21. Januar im Hinterhaus der Kurverwaltung Göhren, Poststraße 9, statt.

Den Personen wird mit einem Wattestäbchen eine Speichelprobe zum DNA-Test entnommen. Zu jedem Probanden wird ein Protokoll gefertigt, auf dem die Personalien eingetragen werden und er sein Einverständnis erklärt. Sollte jemand nicht einverstanden sein, wird dies auch protokolliert.

Untersucht werden lediglich die DNA-Merkmale, die zum Vergleich mit der gesicherter Tatortspur notwendig sind. Es erfolgt keine komplette Erhebung der DNA. Wattetupfer und DNA-Profil werden danach vernichtet.

Gerit Herold

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