Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Aktuelle Beiträge Orientteppich-Haus prellt Rostockerin um 27 000 Euro
Nachrichten Polizei-Report Aktuelle Beiträge Orientteppich-Haus prellt Rostockerin um 27 000 Euro
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:04 20.06.2018
Diesen und weitere Schuldscheine stellte das Rostocker Orient Teppichhaus einer ahnungslosen Rentnerin aus. Insgesamt ging es um 27 000 Euro.  Die Seniorin wartet bis heute auf ihr Geld. Quelle: Ehlers Elke
Rostock

Die alte Dame kann es selbst nicht fassen: „Wie konnte ich darauf reinfallen?“, fragt sie sich immer wieder. Es geht um 27 000 Euro, die das Rostocker Orientteppich-Haus ihr schuldet – seit mehr als zwei Jahren. Auf bestellte Teppiche wartet sie bis heute, das Geld sah sie nicht wieder. Reden mag die Seniorin eigentlich mit niemandem darüber, schon gar nicht mit ihrer Familie. 20 Kilo nahm sie seitdem ab. Geblieben sind eine merkwürdige Rechnung und zwei dubios anmutende Schuldscheine.

Auf einen Kaffee hereingebeten

Dabei fing alles so nett an. Nach einem Arztbesuch schlenderte die seit längerem verwitwete Frau an dem Geschäft vorbei, sah sich im Schaufenster die Auslagen an. Kaufen wollte sie nichts. Doch ein freundlicher älterer Herr, der sich als Moses Kwiek vorstellte, bat sie herein, bot einen Kaffee an. Man plauderte, rauchte eine Zigarette. Auch eine Frau und zwei jüngere Männer kamen dazu. „Irgendwie haben die mich eingewickelt“, erzählt die Seniorin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Sie willigte ein, einen Teppich und einen Läufer zu nehmen. „Und noch ein drittes, kleines Teil, für insgesamt 1500 Euro.“ Bezahlt habe sie bar, die Teppiche sollten später geliefert werden. Außerdem lieh die Rostockerin dem Mann noch 3500 Euro. Vier Wochen später sollte das Geld zurückgezahlt sein. Dazu kam es nicht. „Er rief an, weil er angeblich im Krankenhaus lag“, erinnert sich die Rostockerin. Verärgert schaute sie später im Geschäft vorbei. Der vermeintliche Moses Kwiek tischte ihr eine neue Geschichte auf: Die Ladung Teppiche im Hamburger Hafen könne nicht abgeholt werden, weil nach der Krankheit Geld fehle. Kaum zu glauben, aber die Witwe stellte ihm 22 000 Euro zur Verfügung.

Teppichwerkstatt in Thulendorf schnell wieder verschwunden

Über das Rostocker Orientteppich-Haus gab es in der Vergangenheit mehrfach Beschwerden. „Wegen hoher Preise und unseriöser Geschäftspraktiken“, erinnert sich Wiebke Cornelius von der Verbraucherzentrale MV. Auch andernorts sind Firmen bekannt, die mit ähnlichen Praktiken Geschäfte machen. Jüngstes Beispiel: die Teppichwerkstatt Cyryl in Thulendorf bei Rostock, die noch vor ein paar Tagen mit 30 Prozent Neueröffnungsrabatt lockte. Tatsächlich mietete ein Ricardo Cyryl dort Anfang Mai für sechs Wochen ein kleines Büro, fertigte auch eine Handvoll Kunden dort ab. „Inzwischen ist da keiner mehr“, weiß der Thulendorfer, der den Raum vermietet hatte. In der Umgebung von Neubrandenburg beschäftigte eine Teppichreinigungsfirma aus Penzlin (Mecklenburgische Seenplatte) wochenlang die Polizei. „Neun Anzeigen gab es insgesamt“, sagt Kathrin Jähner von der Polizeiinspektion Neubrandenburg. Die Firma betrog Ende 2017 mehrere Kunden. So büßte eine 90-jährige Neustrelitzerin 1000 Euro ein, eine 72-jährige Stavenhagenerin 450 Euro. Nach Ermittlungen der Kriminalpolizei gingen die Fälle zur Staatsanwaltschaft, erst nach Neubrandenburg, dann nach Duisburg, wo der vermeintliche Inhaber wohnhaft sein soll. Angaben zum Ermittlungsverfahren wollte die Staatsanwaltschaft nicht machen, „da es sich bei dem Beschuldigten um einen Heranwachsenden handelt“, so der Duisburger Oberstaatsanwalt Stefan Müller.

Nur wenige Betrüger werden angezeigt

Die meisten solcher Betrugsfälle würden jedoch nicht angezeigt, meint Gerd Frahm, Polizeiinspektion Güstrow (Landkreis Rostock). Auch die um 27 000 Euro geprellte Rostockerin erstattete keine Anzeige. Noch könne sie das tun, sagt Frahm. Erst nach fünf Jahren verjährt so ein Fall. Wegen gewerbsmäßigen, schweren Betrugs droht dem angeblichen Moses Kwiek eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren. Das Orientteppich-Haus gibt es in Rostock jedoch nicht mehr. Moses Kwiek sei nicht auffindbar, sagt der Stralsunder Privatdetektiv Lothar Schwarzrock, auf dessen Hilfe die Rostocker Rentnerin setzt. Kwieks Spuren verlieren sich in Polen und Österreich. Was viele der Kunden nicht wussten: Inhaber des Rostocker Geschäftes war kein älterer Herr, sondern ein 23-Jähriger, gemeldet in Krefeld (Nordrhein-Westfalen). Kwieks Bonität war „seit Jahren schlecht“, informiert die Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Sechs Mal versuchten Gerichtsvollzieher, dort Wertsachen zu pfänden – immer erfolglos.

Ehlers Elke

Bei einem Unfall auf der B 321 bei Raben Steinfeld (Ludwigslust-Parchim) sind am Dienstag vier Personen verletzt worden, eine davon schwer.

19.06.2018

Bei einem Unfall in Rostock ist eine Frau verletzt worden. Ein Laster hatte ihr Auto erfasst.

19.06.2018

Zwei Männer aus Zinnowitz müssen sich jetzt wegen Körperverletzung, Bedrohung, Sachbeschädigung und Beleidigung verantworten. Laut Polizei attackierten sie am Dienstag in Peenemünde einen Lkw-Fahrer, weil ihnen die Fahrweise nicht gefiel.

19.06.2018