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00:00 12.05.2017
Rettungssanitäter des Roten Kreuzes im Einsatz bei einem Fußballspiel in Klütz. Quelle: Foto: Karl-Ernst Schmidt

Die Rettungsdienste in Nordwestmecklenburg plagen Personalsorgen. Dabei müssen sie gleichzeitig immer mehr Einsätze fahren. Unzureichende Bewerbungen auf freie Stellen, die Umstellung der Ausbildung zum Notfallsanitäter und das nahende Rentenalter vieler Kollegen machen es den Rettungswachen im Landkreis schwer.

Viele Rettungsdienste leiden unter Fachkräftemangel / Zahl der Einsätze steigt zudem

Einen „relativ starken“ Fachkräftemangel spürt der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in allen drei Berufen: Rettungsassistenten, Rettungssanitäter und Notfallsanitäter werden händeringend gesucht. Knapp über 100 Mitarbeiter sind derzeit in den sechs Rettungswachen in Nordwestmecklenburg im Einsatz. Mehr wären aber besser. „Uns fehlen mindestens drei oder vier zusätzliche Leute“, sagt der Leiter des Rettungsdienstes, Stefan Heusterberg.

Mehr Einsätze, weniger Personal

Für die aktiven Retter beim DRK bedeutet dies so lange: höhere Belastung bei immer mehr Einsätzen. Heusterberg zählt mehrere Gründe für diesen Missstand auf: „Die 112 wird öfter gewählt als noch vor ein paar Jahren.“ Schon bei kleinsten Verletzungen würden Menschen inzwischen den Notruf wählen. „Schneidet sich jemand in den Finger und ruft uns, fahren wir los. Wir sind dazu verpflichtet“, betont Heusterberg.

Zudem werden in den nächsten Jahren viele Kollegen in den Ruhestand gehen. Das seien all jene, die nach der Wende in den neu aufgestellten Rettungsdiensten frisch ausgebildet und eingestellt wurden.

„Die gehen bald in die Rente – auch schon vor dem gesetzlichen Rentenalter. Das wird noch zu einem sehr großen Problem für uns werden“, sagt der Rettungsdienstleiter.

Denn der Beruf birgt auch Belastungen: „Die körperlichen Anstrengungen sind oft groß. Nachts geht der Pieper, dann brauchen die Kollegen volle Konzentration am Steuer der Rettungswagen. Immer mehr Patienten, die von den Sanitätern getragen werden müssen, sind übergewichtig. All das ist sehr belastend für die Mitarbeiter“, weiß Stefan Heusterberg.

Ältere Bevölkerung ist

auch öfter krank Auch das Älterwerden der Bevölkerung spielt eine Rolle. Das bestätigen die Kollegen von den Johannitern, die ebenfalls eine Rettungswache in Wismar betreiben.

Beim Landkreis Nordwestmecklenburg, der für Organisation und Durchführung der Rettungsdienste im Kreis verantwortlich ist, weiß man um die steigende Zahl an Einsätzen. 12596 waren es im vergangenen Jahr (die OZ berichtete), während es 2013 noch 11250 Einsätze waren.

„Man kann im Landkreis Nordwestmecklenburg von einer jährlichen Steigerung um die drei Prozent sprechen“, sagte der Leiter des Eigenbetriebs Rettungsdienst, Florian Haug, dazu.

Beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) mit Sitz in Gägelow ist die Situation allerdings etwas entspannter – noch. „Wir haben in diesem Jahr schon sieben Notfallsanitäter nach neuer Ausbildung eingestellt und erfüllen so die gesetzlichen Vorgaben“, sagt ASB-Geschäftsführerin Sonja Burmeister. Ihre Rettungskräfte, die ihre Dienststellen in Züsow und Bad Kleinen haben, seien gut qualifiziert. „Mehr Sorge machen mir die Pflegekräfte, da haben wir wirklich einen Mangel an gut ausgebildetem Personal“, betont sie.

DRK wirbt in Schulen und auf Messen um Auszubildende Auch beim DRK – dem größten Rettungsdienst in Nordwestmecklenburg – werden in diesem Jahr die ersten vier Notfallsanitäter ihre Ausbildung beenden und somit ein wenig gegen die Personalnot arbeiten.

Das Rote Kreuz unterhält drei Lehrrettungswachen – in Wismar, Grevesmühlen und Gadebusch.

Rettungsstellenleiter Stefan Heusterberg sagt dennoch: „Die Qualität vieler Bewerbungen lässt nach. Manchmal ist man gezwungen jemanden einzustellen, dessen Zeugnisse nicht ganz so gut gefallen.“

Daher wirbt er vor allem bei den jungen Menschen im Landkreis in Schulen und auf Messen für eine Ausbildung zum Notfallsanitäter: „Es ist ein attraktiver Beruf. Jeden Tag passiert etwas Neues, jeder Einsatz ist anders und wir verfügen über moderne Fahrzeuge und Ausrüstung.“

Neues Fahrzeug für Schwergewichtige

Der Eigenbetrieb Rettungsdienst des Landkreises Nordwestmecklenburg hat ein neues Fahrzeug angeschafft, mit dem das Deutsche Rote Kreuz schwergewichtige Patienten transportieren kann.

196000 Euro hat der Transporter gekostet, der in Gadebusch stationiert ist. Er verfügt über eine umfangreiche Sonderausstattung, wie beispielsweise eine Schwerlasttrage, eine Hebebühne, einen speziellen Sitzstuhl und eine Vakuummatratze.

Der Wagen löst ein sechs Jahre altes Fahrzeug ab und ist das erste Fahrzeug dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern.

Michaela Krohn

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