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Polizist wegen Erpressung verurteilt

Grevesmühlen Polizist wegen Erpressung verurteilt

2400 Euro soll ein Hauptkommissar zahlen, weil er eine Stylistin bedroht haben soll.

Grevesmühlen. Damit hatte Jürgen K. (50) nicht gerechnet. Das Amtsgericht in Grevesmühlen verurteilte den Polizeihauptkommissar gestern wegen versuchter Erpressung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 60 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar 6400 Euro gefordert — der Rechtsanwalt von K. hingegen Freispruch.

K. hatte im April vergangenen Jahres die Betreiberin eines Body- styling-Studios in Grevesmühlen mit einer Anzeige gedroht, wenn sie seiner Tochter nicht die Kosten für eine missglückte Haarverlängerung erstatten würde. Nach Ansicht des Gerichtes hatte K. seine Stellung als Polizist ausgenutzt, um die 47-Jährige unter Druck zu setzen. Die hatte eine Woche zuvor eine Haarverlängerung bei der 18-jährigen Tochter des Beamten vorgenommen. Die junge Frau hatte sich später über die ihrer Ansicht nach unprofessionelle Ausführung der Arbeit beklagt.

Studio-Betreiberin Anja Zühlke hatte ihr angeboten, die Haare einzuschicken, um die Qualität überprüfen zu lassen. „Denn ich habe ordentlich gearbeitet“, betont die Stylistin. Sie hatte Anzeige gegen den Polizisten gestellt, nachdem der mit einer Kollegin bei ihr aufgetaucht war. „Ich fühlte mich bedroht und unter Druck gesetzt.“ Wie jetzt bekannt wurde, hatte Jürgen K. nicht nur damit gedroht, Anzeige zu erstatten sondern auch darauf hingewiesen, dass — wenn Anja Zühlke sich nicht außergerichtlich einigen würde — Schmerzensgeldforderungen in Höhe von 2500 Euro auf sie zukommen würden. Die Haarverlängerung hatte lediglich rund 200 Euro gekostet.

„Das Zehnfache zu verlangen, das ist schon ziemlich harter Tobak“, sagte gestern Amtsrichter Hinrich Dimpker, der der Aussage des Polizisten wenig Glauben schenkte. Der hatte immer wieder betont, dass er nur die Personalien der Frau habe aufnehmen wollen, um die Anzeige, die seine Tochter längst gestellt hatte, zu ergänzen. „Ich frage mich natürlich, warum ihre Tochter die Daten wie Name und Adresse nicht angeben konnte“, so Dimpker. „Und außerdem glaube ich auch nicht, dass ein ,Rechtsgespräch‘ 20 Minuten dauert.“

Auch der Staatsanwalt hatte zuvor deutliche Worte für das Geschehen gefunden. „Herr K. wollte die Sache auf dem kleinen Dienstweg bereinigen. Aber das geht nicht, ein Polizist kann nun mal nicht in Uniform seine privaten Dinge regeln.“ K. habe mit der Aktion dem Ansehen der Polizei erheblich geschadet. Das sieht Jürgen K. allerdings anders. „Sie glauben zu wissen, was dort passiert ist. Aber glauben heißt nicht wissen“, betonte er in Richtung Staatsanwaltschaft. „Ich bin dafür verantwortlich, was ich gesagt habe und nicht dafür, was andere meinen, verstanden zu haben.“ Damit spielte er auf die Angst von Anja Zühlke an, die angesichts der Anzeige gegen sie und der Polizei in ihrem Studio Probleme mit der Situation hatte. „Solche Situationen sind nicht gerade alltäglich“, so Hinrich Dimpker.

Der Hauptkommissar hatte gestern noch ausgesagt, dass er gar keinen Grund gehabt habe, sich für seine Tochter einzusetzen. „Wir hatten damals überhaupt kein Verhältnis zueinander.“ Die 18-Jährige war kurz nach dem Vorfall ausgezogen, hatte ihren Vater beim Jugendamt angezeigt und auf Unterhalt verklagt. „Warum hätte ich ihr also helfen sollen?“

Einen Bärendienst hat der Polizist seiner Kollegin erwiesen, die zum Tatzeitpunkt mit ihm unterwegs gewesen war. Ines D. war mehrfach zu dem Vorfall im Stylingstudio befragt worden und hatte sich — wohl um ihren Kollegen nicht zu belasten — in Widersprüche verstrickt. Gericht und Staatsanwaltschaft hatten sie gestern erneut in den Zeugenstand gerufen, um ihr die Chance zu geben, „ihre Aussage zurecht zu rücken“.

„Ein Polizist kann nun mal nicht in Uniform seine privaten Dinge regeln.“
Staatsanwalt Michael Nitschke

 



Michael Prochnow

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Weil er eine Stylistin wegen einer angeblich missglückten Haarverlängerung bei seiner Tochter bedrohte wurde ein Hauptkommissar in Grevesmühlen verurteilt.

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