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Frau zu Tode gefoltert: Neuer Prozess hinter verschlossenen Türen

Neubrandenburg Frau zu Tode gefoltert: Neuer Prozess hinter verschlossenen Türen

Der Angeklagte soll seine Lebensgefährtin misshandelt und ihr so lange kein Essen und Trinken gegeben haben, bis sie starb. Der Bundesgerichtshof hatte ein früheres Urteil aufgehoben und eine Neuverhandlung angeordnet.

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Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Quelle: David Ebener/archiv

Neubrandenburg. Der Prozess um eine zu Tode gefolterte Frau aus Alt Rehse bei Neubrandenburg findet in seiner Neuauflage hinter verschlossenen Türen statt. Die Kammer am Landgericht Neubrandenburg unter Richter Carl-Christian Deutsch schloss am Dienstag die Öffentlichkeit auf Antrag der Staatsanwaltschaft bis zur Urteilsverkündung aus. Diese soll Ende August oder Anfang September erfolgen. Grund für den Ausschluss sei, dass es auch darum gehe, den 52 Jahre alten Angeklagten in einer psychiatrischen Haftanstalt unterzubringen, hieß es. Der Angeklagte selbst hatte die Öffentlichkeit nicht ausschließen wollen. So könnten die „verleumderischen Vorverurteilungen“ aufgeklärt werden.

Der Angeklagte soll seine Lebensgefährtin im Sommer 2016 im Streit nackt an ein Bett gefesselt und mit einer Peitsche misshandelt haben. Danach ließ er die 32-jährige Frau, die aus Rheinland-Pfalz zu ihm gezogen war, laut Anklage gefesselt verhungern und verdursten. Der Angeklagte war ebenfalls aus Süddeutschland nach Alt Rehse gezogen, galt dort aber als Sonderling. Beide hatten sich über das Internet kennengelernt.

Der Mann hatte im ersten Prozess weitgehend geschwiegen, nur in seinem letzten Wort bedauert, dass er damals nicht rechtzeitig einen Arzt geholt habe. Polizisten gegenüber hatte er aber erklärt, dass er die Frau gefoltert habe, weil „sie von Bundesnachrichtendienst und von der Dorfbevölkerung auf mich angesetzt war“. Im ersten Prozess war er wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Freiheitsberaubung mit Todesfolge zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Dabei hatte ihm die Kammer eine „verminderte Schuldfähigkeit“ attestiert, obwohl er Gespräche mit Gutachtern ablehnte.

Der damalige Verteidiger, mit dem sich der Angeklagte zerstritt, legte noch Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und ordnete die Neuverhandlung an. Es solle geklärt werden, ob der Mann zur Tatzeit überhaupt schuldfähig war und weiter eine Gefahr darstellt.

Schon beim erneuten Prozessbeginn machte der 52-Jährige deutlich, dass er den jetzigen Pflichtverteidiger ebenfalls ablehnt. Dieser tue zu wenig. Zudem stellte der IT-Fachmann einen Befangenheitsantrag gegen Richter Deutsch, da dieser nicht unvoreingenommen sei. Über den Antrag wollte die Kammer im Verlauf des Prozesses entscheiden. Ähnliche Anträge des Angeklagten, der auch diesmal dem Richter zu Prozessbeginn mehrfach ins Wort fiel, wurden in der Vergangenheit immer abgelehnt.

dpa/mv

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