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Schon Siebtklässler kiffen

Wismar Schon Siebtklässler kiffen

Die Eltern-Uni im Rahmen der achten Präventionswoche fand zum Thema „Gefährdungspotenzial - Moderne Drogen“ statt. Der große Hörsaal an der Hochschule Wismar ist gut gefüllt mit Müttern, Vätern und von Berufs wegen Interessierten.

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Andrea Schott von der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Schwerin präsentiert eine selbst gebastelte Wasserpfeife.

Quelle: Haike Werfel

Wismar. Die Einstiegsdrogen sind nach wie vor Alkohol und Zigaretten. Allerdings sind die Kinder, wenn sie sie erstmals probieren, noch keine zwölf Jahre, weiß Andrea Schott. „Mit zwölf probieren sie schon mal Cannabis“, so ihre Berufserfahrung. Sie ist seit 30 Jahren bei der Polizei, davon die meiste Zeit in der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Schwerin tätig. Als Expertin auf dem Gebiet der Drogenprävention folgt sie der Einladung der Hochschule Wismar, in der Eltern-Uni über moderne Drogen und ihre gesundheitlichen Risiken zu berichten. Der große Hörsaal ist gut gefüllt mit Müttern, Vätern und von Berufs wegen Interessierten. Die Referentin gibt Tipps, wie Eltern präventiv tätig sein, beziehungsweise einen möglichen Drogenkonsum ihrer Kinder erkennen können.

Einstiegsdroge Cannabis

Es geht los in der siebten Klasse. Auf der Party am Wochenende probiert man auch mal, Cannabis (Lateinisch für Hanf) zu rauchen. In der achten, neunten Klasse haben schon vier, fünf Schüler mal gekifft, in der zehnten etwa sieben und drei Jugendliche sind dann schon Dauerkonsumenten. „80 Prozent der Schüler könnten Cannabis besorgen“, berichtet Andrea Schott, die regelmäßig Vorträge an Schulen hält. „Cannabis ist ein großes Thema“, sagt sie. Als Haschisch kann es mit Tabak gemischt als Joint, mit einer Bong, einer Shisha oder anderen Rauchgeräten geraucht oder als Zutat bei der Keks- oder Schokoladenherstellung beigemengt werden. „Total in“ in der Region sei laut Andrea Schott Marihuana, das sind die getrockneten Blüten der Hanfpflanze. Gehäkselt mit Tabak im Joint vermischt wird es geraucht.

Kontakt zur Schule halten

Diese Droge riecht süßlich. Der Rauschwirkstoff ist THC. Er beruhigt, verursacht aber bei regelmäßigem Konsum Konzentrationsstörungen, Ein- und Durchschlafprobleme, Stimmungsschwankungen, erheblichen Leistungsabfall. „In der Schule fällt’s am ehesten auf. Deshalb halten Sie Kontakt zur Schule, zu den Lehrern“, rät Andrea Schott den Eltern.Während Cannabis physisch und psychisch abhängig macht, sei dies bei der Droge LSD zwar nicht der Fall. Aber die einmalige Einnahme könne schon irreparable Schäden im Gehirn verursachen. Eine winzige Menge berauscht für zehn bis zwölf Stunden und verursacht heftige Halluzinationen.

Warnung vor K.o.-Tropfen

In diesem Zusammenhang warnt Andrea Schott vor K.o.-Tropfen. „Sie sind verabreicht worden, wenn Ihr Kind betrunken nach Hause kommt, aber nicht nach Alkohol riecht, am nächsten Tag einen dicken Kopf und einen Filmriss, aber keine Alkoholfahne hat.“ Bester Schutz vor dieser Droge: Getränke nur in geschlossenen Dosen oder Flaschen kaufen. Eine Renaissance würden derzeit die Party-Drogen Ecstasy und Speed erfahren. Ecstasy-Pillen gäbe es in Pink und Neon-Farben. Auch Spice, eine synthetische Droge, und das Schnüffeln beispielsweise von Lachgas kämen in Westmecklenburg vor.

Kinder stark machen

Die zweifache Mutter gibt den Eltern Erziehungs- und Verhaltenstipps aus eigener Erfahrung mit ihren Töchtern.Zum Beispiel: „Lassen Sie Ihre Kinder Entscheidungen treffen, machen Sie sie stark!“ Kinder sollten Ziele verfolgen, bei denen ihre Eltern sie unterstützen. Rituale wie das abendliche Gespräch können hilfreich sein, um zu erfahren, was Kinder bewegt, was sie sorgt. Auch gemeinsame Mahlzeiten und schon die Essensvorbereitung bieten sich ebenfalls für Gespräche an. „Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Kind“, mahnt Andrea Schott.Die Pubertät sei ein schwieriges Alter. Liebeskummer zum Beispiel könne dazu verführen, Drogen auszuprobieren.Andrea Schott empfiehlt sowohl ein gewisses Maß an Druck als auch ein humorvolles Umgehen mit dem Nachwuchs. „Kinder wollen Grenzen aufgezeigt haben“, sagt sie.

Haike Werfel

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