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Aktuelle Beiträge Tatort Strandparkplatz: Autoknacker auf Beutezug
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00:01 09.06.2017
Leichte Beute: Sonnenbrillen und Taschen, die gut sichtbar im geparkten Auto liegen, laden Diebe förmlich ein. Die Polizisten Janett Kühne und Torsten Schwelp klären Parker in Warnemünde über solche Risiken auf. Quelle: Foto: Arscholl
Rostock/Wismar

Sonnenbrille, Schlüsselbund, Navihalter, Papiere – die Ablage gleicht einem gut bestückten Wühltisch, als Sebastian Buresch seinen Kleinbus auf dem Parkplatz Strand-Mitte in Warnemünde abstellt. Der Familienvater schnappt sich Frau und Kind. Das Meer lockt. Die Urlauber wollen ans Wasser und ziehen los. Dass sich in der Zwischenzeit jemand an seinem Bus zu schaffen machen könnte, daran verschwendet Sebastian Buresch keinen Gedanken. „Da passiert schon nichts. Ich nehm’ doch auch niemandem was weg“, sagt der 38-Jährige. „Manchmal vergess’

ich sogar, das Auto abzuschließen.“ Im Bus gebe es ohnehin nicht viel, was Diebe dazu verleiten könnte, ihn aufzubrechen. Eine riskante Fehleinschätzung, warnt Janett Kühne. Für Autoknacker sei jeder noch so vermeintlich wertlose Gegenstand eine Einladung zum Bruch, erklärt die Polizistin. „Da genügt schon ein Stoffbeutel mit leeren Getränkeflaschen.“ Wenn sie mit ihrem Kollegen Torsten Schwelp Streife fährt, sieht sie etliche Autos, die deren Besitzer mit für Langfinger interessanter Beute geparkt haben.

Heiligendamm im Visier

Die Scheibe ist eingeschlagen, was im Auto lag, ist weg: Die Saison hat noch gar nicht richtig begonnen und doch mussten bereits etliche Strandgänger nach einem Traumtag am Meer solch ein böses Erwachen erleben. Ob Groß Schwansee, Boltenhagen, Kühlungsborn oder Graal-Müritz – in Mecklenburgs Küstenorten sind Kriminelle ganz heiß auf ihr „Sommergeschäft“. Laut Polizei schlugen Unbekannte in den vergangenen Tagen wiederholt auf Parkplätzen zu – unter anderem auf dem am Kinderstrand und dem in der Seedeichstraße in Heiligendamm, dem Parkplatz in der Waldstraße von Nienhagen und im Strandweg in Elmenhorst.

Die Beute muss nicht mal gut sichtbar hinter der Windschutzscheibe liegen. Auch vermeintlich sichere Verstecke haben Kriminelle im Visier. Die Erfahrung musste jüngst eine Urlauberin auf dem Parkplatz Schnatermann in Rostock machen. Sie hatte ihre Handtasche im Fußraum ihres Autos verstaut im Glauben daran, dass sie dort nicht entdeckt wird. Kaum war die Frau Richtung Strand verschwunden, schlug ein Unbekannter die Seitenscheibe ein und schnappte sich die Tasche.

Parkplätze in Strandnähe sind für Diebe ein lukratives Jagdrevier. Während sich Urlauber und Einheimische jenseits der Dünen arglos in der Sonne aalen, haben sie ihr Auto nicht im Blick. Die Gauner hingegen schon. Kein Wohnhaus in unmittelbarer Nähe, aus dem aufmerksame Anwohner sie beobachten könnten, dazu ein ständiges Kommen und Gehen – Parkplätze sind ideal, um ungestört Beute zu machen.

Dabei gehen Diebe gezielt zu Werke. Die Ermittler sind überzeugt, dass sich viele Langfingfinger auf die Lauer legen und potenzielle Opfer ausspionieren. So entgeht ihnen auch nicht, wenn Parker ihr Hab und Gut im vermeintlich sicheren Kofferraum verstauen. „Ein Auto ist kein Tresor“ lautet daher der Appell der Polizei. Wer es darauf anlege, könne ein Fahrzeug blitzschnell leer räumen, ohne dabei viele Spuren zu hinterlassen, die ihn überführen könnten, schildert Dörte Lembke, Sprecherin der Polizeiinspektion Rostock.

Geldquelle für Süchtige

Häufig seien es Drogenabhängige, die sich mit Aufbrüchen ihre Sucht finanzieren, sagt Lembke. Daher hätten sie es auf alles abgesehen, was sich schnell zu Geld machen lässt: Handys, Ipads, Sonnenbrillen. Im Sommer sind die Täter vorzugsweise auf vollen Strandparkplätzen unterwegs. Aber auch vor Kitas, Supermärkten, Friedhöfen, sprich, überall dort, wo sie sich unbeobachtet fühlen, versuchen sie ihr Glück. Im Bereich der Polizeiinspektion Rostock sind im vergangenen Jahr 1032 Fahrzeuge aufgebrochen oder Teile davon abmontiert worden. Damit ist die Zahl der Fälle im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht rückläufig (-101), aber „trotzdem noch auf einem sehr hohen Niveau“, sagt Dörte Lembke. Ähnlich sieht es in den anderen Urlaubsorten aus: In Boltenhagen registrierte die Polizei 27 Fälle, in Kühlungsborn 25, in Graal-Müritz zwölf. Landesweit waren es 4555.

Angst, erwischt zu werden, müssen Autoknacker kaum haben. 2016 konnten Ermittler in MV nur etwa jeden zehnten Fall aufklären. Deshalb setzt die Polizei auf Prävention: Auf vielen Parkplätzen erinnern Infotafeln daran, nichts im Auto zurückzulassen. Rostocks Polizisten verteilen Pappanhänger, die Autofahrer an ihren Rückspiegel befestigen können. Aufschrift: „Stopp. In diesem Auto liegen keine wertvollen Gegenstände.“

Teilkasko zahlt nicht

Auch wenn so mancher in Urlaubsstimmung und Vorfreude auf’s Faulenzen am Strand das Risiko vergessen mag: Wer sein Elektro-Gadget auf der Mittelkonsole liegen lässt, kann nicht generell erwarten, dass ihm seine Kfz-Versicherung im Schadensfall den Neupreis dafür erstattet. Lose Teile, wie Gepäckstücke oder Kameras, sind zum Beispiel nicht über eine Teilkasko-Police versichert.

Selbst die vorsichtigsten Parker sind vor Diebstahl nicht gefeit. Zuletzt hatten Unbekannte im Mai in Nienhagen die Heckscheiben mehrerer Autos eingeschlagen, obwohl darin rein gar nichts zu holen war. Janett Kühne und ihre Kollegen werben bei Parkern trotzdem dafür, es Tätern keinesfalls leicht zu machen. Während der Sommermonate werden die Polizeistreifen zwischen Boltenhagen und Markgrafenheide dabei von 18 Bäderpolizisten unterstützt. „Die meisten Leute sind dankbar, wenn wir ihnen Hinweise geben und sie auf Gefahren aufmerksam machen“, sagt Janett Kühne. Sebastian Buresch möchte für die Zeit, die er mit seiner Familie noch in seinem Urlaubsort Börgerende verbringt, auf Nummer sicher gehen. Zumindest ein bisschen. „Ich werd’ unseren Bus abschließen.“

OZ und Me(e)hr: Zum Beginn der Sommersaison startet die OZ eine neue Serie. In loser Folge bieten wir Ihnen, liebe Leser, Service, Buntes und Spannendes rund um die Strände zwischen Groß Schwansee und Graal-Müritz.

Tipps, die Ihren Tag am Meer retten können

Leerlauf: Lassen Sie Wertsachen nicht im Auto zurück, selbst wenn Sie nur kurz weg sind. Schließen Sie Fenster, Türen und Kofferraum ab. Das leere Handschuhfach bleibt offen. So sehen Diebe, dass hier nichts zu holen ist. Lagern Sie Taschen nicht auf dem Parkplatz in den Kofferraum um. Autoknacker könnten Sie beobachten.

Minimalismus: Am sichersten ist das, was zu Hause bleibt. Nehmen Sie also nur das mit an den Strand, was Sie beim Sonnenbaden brauchen. Hochwertige Tasche, Goldkette und Markenkleidung – verzichten Sie am Strand besser auf alles, was buchstäblich schreit „Ich habe Geld“.

Blickfang: Lassen Sie Ihre Sachen möglichst nie irgendwo unbeaufsichtigt liegen. Sind Sie allein unterwegs, fragen Sie einen vertrauenswürdigen Strandnachbarn, ob er auf Ihr Gut aufpasst, während Sie baden gehen.

Täuschungsmanöver: Strandtresore, die aussehen wie Cremetube, Coladose, Buch oder Wasserflasche sowie Geldbeutel in Steinoptik und -form sollen Diebe überlisten. So getarnt können Schmuck, Geld oder Schlüssel an Land bleiben, während Sie ins Wasser hüpfen. Ein unauffälliges Behältnis können Sie auch selbst basteln: Leere Sonnenmilchflasche auswaschen, Schlitz in die Seite und schon verschwindet in der Attrappe, was Sie vor den Blicken anderer verstecken möchten. Zweiter Do-it-Yourself-Vorschlag: Kleben Sie den Deckel einer leeren Pillendose an die Unterseite eines faustgroßen Steins. Kleinigkeiten ins Plastikröhrchen stecken, zuschrauben und das Döschen im Sand einbuddeln. Der Stein zeigt, wo Sie Ihren Schatz wiederfinden.

Ekelfaktor: Gewiefte Lifehacker, sprich Löser von Alltagsproblemen, wickeln Wertvolles in eine unbenutzte Einwegwindel. Da sollten Diebe kaum zugreifen.

Trennstrategie: Bewahren Sie Geld und Papiere am besten separat auf. So sind zumindest Ihre Ausweise noch da, sollten sich Stranddiebe Ihr Portemonnaie schnappen.

Tauchtasche: Kleine Kostbarkeiten lassen sich in wasserdichten Minitaschen, sogenannten Dry Bags, mit ins Meer nehmen.

Schlüsselhalter: In mit Nummerncodes verschließbaren Minitresoren, die aussehen wie Vorhängeschlösser, lassen sich Auto- und Zimmerschlüssel verstauen. Der Safe kann am Abschlepphaken des Autos befestigt werden und soll schwer zu knacken sein.

Antje Bernstein

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