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Aktuelle Beiträge Unterwegs mit der Wasserschutzpolizei
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00:00 10.05.2017

Reno Kottke und Ralf Schadewald fahren ihre Runde durch den Wismarer Seehafen – zur Kontrolle. Die beiden sind Hafensicherheitsbeamte der Wasserschutzpolizei Wismar. Sie kontrollieren so gut wie täglich ankommende Schiffe im Seehafen, sind aber auch für die Binnengewässer des Landkreises und des Amtes Neubukow-Salzhaff zuständig. Ihr Einsatzgebiet reicht an der Küste von Kühlungsborn bis Travemünde.

An diesem Tag ist nicht viel los im Seehafen. Nur ein „kleineres“ 80 Meter langes Frachtschiff hat angelegt – mit Schienen an Bord, die in Wismar abgeladen werden. Zwei Tage liegt der Frachter, der gerade aus dem polnischen Gdansk kam, im Hafen. Der Kontrolle der Wasserschutzpolizei müssen die Seefahrer zustimmen. An diesem Tag ist allerdings eine Schülerpraktikantin mit dabei. Lucie Houdelet will die Arbeit der Wismarer Polizisten begleiten. Ihr könnte der Zutritt durch den Kapitän theoretisch verweigert werden. Er hat jedoch nichts dagegen.

Kontrollen sind zeitaufwendig

Eine sogenannte anlassunabhängige Kontrolle ist Routine für die Beamten, kann aber dennoch bis zu zwei Stunden dauern. Stimmt etwas mit den Papieren oder der Ausrüstung an Bord nicht, können daraus auch mal schnell sechs Stunden werden.

Kapitän Victor Rotko bringt den beiden Wasserschutzpolizisten einen Ordner nach dem anderen. Es sind viele Dokumente, die Kottke und Schadewald genau studieren. „Als ich bei der Wasserschutzpolizei anfing, hatten wir genau acht Zertifikate zu kontrollieren“, erinnert sich Kottke. Heute sind es mehr als 30. Besonders wichtig: Die Unterlagen zum Marpol-Abkommen, dem Internationalen Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe. Dazu gibt es sechs Anlagen. Kottke und Schadewald kontrollieren auf dem russischen Frachter nicht alle. Wichtig ist ihnen in diesem Fall das Öl-Tagebuch. Wie viel des sogenannten Sludge – dem umweltschädlichen Rest von verbranntem Schweröl – ist an Bord und stimmt es mit den Eintragungen im Dokument überein?

Viel Bürokratie

Ein genauer Blick in die Bücher und später auch im Maschinenraum verrät: Alles in Ordnung. Und: „Dass Öl in die Meere abgelassen wird, passiert nur noch sehr selten. Die Kontrolldichte ist einfach zu hoch.“ Reno Kottke weiß aber auch: „Es gibt immer mehr neue Gesetzte. Die Crews haben es nicht leicht. Sie müssen auch immer mehr leisten und beachten.“

Die Besatzung des Frachters besteht aus elf Männern. Sie kommen aus Russland und der Ukraine. Zusammen verbringen sie vier Monate auf dem Schiff – eine lange Zeit, die sie von ihren Freunden und Familien getrennt sind. „Wir haben uns daran gewöhnt, nichts besonderes“, sagt der Kapitän. Victor Rotko kommt aus der Nähe von St. Petersburg. Aus der Nähe – das heißt, 400 Kilometer von St.

Petersburg, Russlands zweitgrößter Stadt.

Neben all der Bürokratie, die an Bord bei einer Kontrolle durch die Wasserschutzpolizei zu erledigen ist, spricht man auch ein wenig Privates. Höflichkeiten austauschen, ein bisschen Small Talk. „Das gehört dazu“, sagt Reno Kottke. „Die Männer haben einen anstrengenden Job an Bord, haben manchmal lange nicht geschlafen.“

Begleitschutz für Kreuzfahrer

Im Juli werden die Wismarer Beamten auch die Kollegen in Hamburg beim G-20-Gipfel unterstützen. Morgen empfängt die Wasserschutzpolizei aber zunächst das erste Kreuzfahrtschiff der Saison, die MS „Deutschland“ auf der Ostsee vor Poel und begleitet sie in den Hafen und gegen Mittag wieder hinaus auf See.

„Wir geben den Kreuzfahrtschiffen Begleitschutz, weil das Fahrwasser vor Wismar sehr eng ist“, betont der Leiter der Wasserschutzpolizei, Silvio Wiegert. Die Beamten kontrollieren rund um Wismar allerdings nicht nur die Berufsschiffer. „Vor allem in der Saison machen wir auch Geschwindigkeitskontrollen auf dem Wasser“, sagt Wiegert, der die Inspektion mit 31 Mitarbeitern seit März leitet.

Weitaus länger, nämlich fast 30 Jahre, sind die Hafensicherheitsbeamten Schadewald und Kottke schon dabei. Nach ihrer Kontrolle auf dem russischen Frachter soll es eigentlich zurück aufs Revier gehen, den Papierkram erledigen. Schadewalds waches Auge erblickt allerdings noch etwas Ungewöhnliches im Bereich der Marina. Dort reinigt jemand mit einem Hochdruckstrahl die Steganlage, vielleicht ohne Genehmigung, sodass schädliche Stoffe ins Wasser gelangen könnten. Der Papierkram muss also warten und Schadewald und Kottke machen sich auf den Weg zum Bootsanleger.

Michaela Krohn

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