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08:10 09.05.2017
Geneigte Bäume mit frei liegenden Wurzeln sind erste Anzeichen für Kliffinstabilität. Quelle: Christian Rödel
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Sassnitz

Vor dem Hintergrund des tödlichen Unfalls einer Touristin am 22. April an der Kreideküste im Nationalpark Jasmund traf sich Umweltminister Till Backhaus am Montag mit Journalisten, um vor Ort über die Gefahren der Kreideküste zu informieren. „Dass die berühmten Kreidefelsen so weiß strahlen“, läge daran, dass sich die Küste dort in ständiger Dynamik befänden und Teile der Felsen immer wieder abrutschen. „Diese Dynamik ungebremster Naturprozesse ist in Nationalparks gewollt und geschützt“, so der Umweltminister.

Seit mehr als zehn Jahren führe der Geologische Dienst ein „Geogefahrenkataster“, erläuterte Backhaus. In dieser Zeit seien an der Steilküste von Jasmund rund 300 Rutschungen erfasst worden. „Das macht sehr deutlich wie aktiv die Natur hier ist“, betonte der Umweltminister. Zu den Kliffabschnitten mit einer hohen Ereignisdichte gehört das Gebiet zwischen den Wissower Klinken und Tipper Ort, das Kieler und Kollicker Ufer, sowie das Kliff am Stubbenhörn. Wenn Abbrüche die Sicherheit des Weges gefährden, wird der Wegeverlauf durch die Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung zurückverlegt. Trotz des im Nationalpark geltenden Wegegebots und warnender Schilder würden immer wieder Besucher abseits des Weges zu nahe an die Steilküste herantreten, warnte Backhaus. Oft würden alte Wegverläufe nahe der Uferkante begangen und dabei nicht bedacht, dass die Kliffkante teilweise unterhöhlt ist.

Lebensgefahr im Bereich des Hochufers und am Fuß des Steilufers

Seit Jahrtausenden ist die Küste den natürlichen Veränderungen ausgesetzt und geht im Jasmund jedes Jahr etwa 25 Zentimeter zurück. Daher besteht immer die Gefahr von Kliffabbrüchen und Hangrutschungen. Bei Sturmfluten mit hohen Wasserständen kann es zur Unterspülung des Hangfußes kommen, wodurch das Kliff instabil wird. Aber auch Perioden mit starken Niederschlägen und Frost-Tau-Wechseln sowie eine rasche Schneeschmelze bewirken häufig die plötzliche Verlagerung von Gesteinsmassen.

Dadurch besteht Lebensgefahr nicht nur im Bereich des Hochufers sondern gerade auch am Fuß des Steilufers. Deshalb wird Wanderern die Route auf dem Hochuferweg empfohlen. Besondere Vorsicht ist bei schmalen Strandabschnitten mit steilen oder überhängenden Kliffs geboten. Hervorstehende Gesteinsblöcke und geneigte Bäume mit frei liegenden Wurzeln sind erste Anzeichen für Kliffinstabilität. An steilen oder unterspülten Kliffs mit Brandungshöhlen oder entlang von Rissen und Spalten ist infolge der Schwerkraft stets mit herabstürzenden Blöcken zu rechnen. Wasseraustritte am Steilufer in Bereichen mit stark verformten Gesteinsschichten führen ebenfalls zur Verminderung der Standfestigkeit und sind oft Auslöser von Rutschungen. Zudem kann es im Winter infolge von Frostsprengung zu Steinschlägen kommen.

Kein Foto ist ein Menschenleben wert

„Sichere Absperrungen lassen sich auf unsicherem Grund nicht errichten“, sagte Backhaus, der Nationalpark mit der berühmten Kreideküste solle jedoch für die Menschen erlebbar bleiben. Der Hochuferweg zählt zu den schönsten Wanderwegen Deutschlands und ermöglicht das Erlebnis Kreideküste auf einer Länge von etwa 12 Kilometern. Die besonderen Umstände erfordern aber einen verantwortungsvollen Umgang der Menschen mit der Natur und auch einen verantwortungsvollen Umgang der Menschen mit sich selbst, mahnte Backhaus: „Ein gutes Foto ist ein Menschenleben nicht wert!“ Der Minister rief alle Gäste und Einheimische des Landes dazu auf, „die gekennzeichneten Wege zu nutzen und Respekt vor Naturgewalten zu haben“.

Uwe Driest

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