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00:00 08.06.2017
Stadtmitte

Er soll versucht haben, Frauen auf offener Straße zu vergewaltigen. Eine Joggerin (77) am Hechtgraben in Gehlsdorf habe Wolfgang H. (65) zum Beispiel obszön beschimpft und sie am Ärmel gepackt, heißt es in der Anklage. Die Rentnerin erinnert sich: „Es war der absolute Horror. Ich war vertieft ins Laufen, als er mich von hinten angriff.“ Mit einem Ellenbogenschlag habe sich die Frau befreien können.

Es ist eine von zehn Straftaten, wegen der sich H. seit gestern vor dem Rostocker Landgericht verantworten muss. Neben zwei versuchten Vergewaltigungen wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann zwei sexuelle Nötigungen und weitere Delikte vor. Alle Taten sollen sich im November 2016 in Gehlsdorf, Reutershagen und Dierkow auf offener Straße abgespielt haben. Die Opfer waren zur Tatzeit zwischen 11 und 84 Jahre alt.

Angeklagter bestreitet alles

An einem Rollator gehend und mit gesenktem Blick betrat H. gestern zu Prozessbeginn den Gerichtssaal. Er weist alle Vorwürfe zurück. „Ich weiß von nichts“, sagt der 65-Jährige, der seit Dezember in Untersuchungshaft sitzt. „Ich habe einen Schreck bekommen, als mir der Beamte die Aussagen der Frauen vorgelesen hat.“ Ja, er sei im Herbst viel spazierengegangen, das stimme. „Der Arzt hat mir das geraten, nachdem meine Lebensgefährtin im August gestorben war und ich Beruhigungsmedikamente nehmen musste“, sagt er. Die in der Anklage genannten Orte kenne er jedoch nicht.

H. zittert, während die Opfer vor Gericht ihre Erinnerungen schildern. Die 77 Jahre alte Joggerin berichtet, sie habe ihren Lauf fortgesetzt, nachdem sie sich losreißen konnte. Auf der nächsten Runde sei sie dann erneut auf den Mann mit schwarzer Kapuze getroffen. „Ich krieg’ Dich“, habe er ihr zugerufen und sie beleidigt. Ob der Angeklagte der Täter ist, könne die 77-Jährige heute jedoch nicht mehr mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. „Der Täter war sehr vital“, erinnert sich die Rentnerin. Für den Angeklagten gelte das derzeit nicht.

Beim Spaziergang verfolgt

Eine andere Frau ist sich hingegen absolut sicher, dass es der Angeklagte gewesen ist, der sie im November verfolgt hat. „Bleiben Sie bitte stehen. Sie haben einen so schönen Hintern, den würde ich gerne mal anfassen“, habe er ihr gesagt, als sie mit ihrem Hund an der Warnow spazieren ging. Gleichzeitig habe er eine Kamera in ihre Richtung gehalten, sagt die Zeugin. „Er hat mich dann an der Schulter gefasst, als wenn er mich festhalten will“, sagt die 22-Jährige. Sie sei daraufhin geflohen.

Elfjährige sexuell belästigt

In Dierkow soll der Mann eine Elfjährige aufgefordert haben, ihn für eine halbe Stunde zu begleiten. Es sei sein Ziel gewesen, sie sexuell zu missbrauchen, so die Anklage. Bevor das Mädchen gestern vor Gericht aussagte, verließ H. den Saal, um dem Kind eine direkte Konfrontation zu ersparen. Die Elfjährige trat in Begleitung ihrer Eltern in den Zeugenstand. „Er sagte zu mir: ,Lass’ uns spazieren gehen, weil ich Deine M... sehen will’“, schildert sie den Vorfall. Sie sei weggelaufen. Der Richter zeigt ihr Bilder, auf denen sie den Täter zeigen soll. „Dieser hier sieht sehr ähnlich aus. Aber ich weiß es nicht genau“, sagt die Elfjährige und tippt auf ein Foto, auf dem H. zu sehen ist.

Weitere Zeugen werden gehört

Eine andere Frau entlastet den Beschuldigten. Sie sei in der Reuterpassage sexuell belästigt worden, aber der Angeklagte sei das nicht gewesen, betont die heute 85-Jährige. An den nächsten Verhandlungstagen werden nun weitere Zeugen vernommen. Laut Gericht soll der Angeklagte unter anderem noch eine 71-jährige Frau obszön angesprochen und versucht haben, ihr gewaltsam die Hose zu öffnen. Erst durch die Hilfe zweier Passanten habe sich die Frau befreien können.

André Wornowski

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