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00:01 10.05.2016

Ein besonders dreister Autodiebstahl in Rostock: Gleich zwei Sattelzugmaschinen samt Auflieger sind vom Parkplatz des ehemaligen Real-Marktes in der Goorstorfer Straße verschwunden. Entwendet zwischen 5. und 8. Mai. Die Täter gingen professionell vor, haben Navigationsgeräte, GPS-Sender sowie Dash-Cams aus den Autos ausgebaut und am Tatort hinterlassen, um eine mögliche Ortung zu verhindern.

Eine weiße Zugmaschine aus Dirk Schröders Fahrzeugflotte. Quelle: privat

Die Polizei fahndet nun nach den Fahrzeugen: Zwei weiße Volvo- Zugmaschinen mit schwedischen Kennzeichen, die Sattelauflieger haben deutsche Kennzeichen eines Rügener Transportunternehmens. Ein Auflieger mit blauer Plane war mit leeren Glasflaschen, der andere mit roter Plane und der weißen Aufschrift „HCS Transport & Spedition“ mit 25 Tonnen Tierfuttermittel beladen. Den entstandenen Schaden beziffert die Polizei nach ersten Erkenntnissen auf etwa 250000 Euro.

Die Fahrzeuge gehören dem Rügener Fuhrunternehmer Dirk Schröder. 1996 hat er den Familienbetrieb gegründet, zu dem inzwischen 64 Fahrzeuge und 75 Mitarbeiter in zwei Niederlassungen, davon eine in Schweden, gehören. „19 Jahre lief alles gut“, berichtet Schröder, „und jetzt bin ich in acht Monaten schon das vierte Mal beklaut worden.“

Der Fuhrunternehmer fährt insbesondere für schwedische, dänische oder österreichische Unternehmen, zieht Trailer für verschiedene große Logistikdienstleister. Im September 2015 wurde ihm das erste Mal ein Schenker-Trailer entwendet, beladen mit Kupfer im Wert von 90000 Euro. Mitte November war es dann eine komplette Zugmaschine mit Trailer: „Warenwert 670000 Euro“, sagt Schröder. Er hatte wertvolles Parfüm geladen. „Allerdings waren wir über die Ladung und den Wert nicht informiert“, erzählt der Fuhrunternehmer, „denn dann hätte ich die Tour aus Sicherungsgründen abgelehnt.“

Wenn wertvolle oder frostgeschützte Ware an Bord sei, würden die Fahrzeuge auf Lkw-Höfen über Nacht eingeschlossen. Den Parfüm-Auflieger hat der Rügener Unternehmer selbst wiedergefunden: „abgestellt und abgeladen in Polen“, erzählt er. Die unbekannten Täter hatten in diesem Fall die Ortungstechnik im Auflieger nicht beachtet.

Autodiebstahl, Dieselklau, Fahrzeugbeschädigung — das passiere leider ständig in der Branche, berichtet Rolf Kroeger, Präsident des Landesverbandes des Verkehrsgewerbes. „Da werden nachts auf den Parkplätzen die Planen aufgeschnitten, um einen Blick auf die Ladung zu werfen“, sagt Kroeger, der selbst 20 Fahrzeuge auf der Straße hat. „Meine Sattelauflieger haben keine Reserveräder mehr, weil die am laufenden Band geklaut werden — ein Rad kostet etwa 1000 Euro“, erzählt der Verbandschef, der daraufhin Fullservice-Verträge mit Aufliegerherstellern abgeschlossen hat.

Kroeger weiß von den rund 250 Mitgliedsunternehmen im Verband, dass bestimmte Ladungen nicht mehr angenommen werden. „Ein Auto voll Zigaretten will keiner mehr fahren, weil das Gefahrenpotenzial für den Fahrer so hoch ist.“ Einige Waren dürften nur zu bestimmten Zeiten, auf vorgegebenen Strecken und mit zwei Fahrern transportiert werden.

Fuhrunternehmer Schröder hat wenig Hoffnung, dass seine Fahrzeuge wieder auftauchen. „Die Autos sind mit neuester Sicherheitstechnik ausgestattet, da achte ich besonders drauf“, sagt der Unternehmer.

Doch die Technik wurde von den Tätern ausgebaut und unter die anderen Autos geworfen. Die Polizei ermittelt wegen Diebstahls im besonders schweren Fall und sucht Zeugen.

Hinweise: ☎ 0381/49161224

Von Doris Kesselring

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