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Wieder Feuer: Land schließt Giftmüll-Fabrik in Bargeshagen

Bargeshagen Wieder Feuer: Land schließt Giftmüll-Fabrik in Bargeshagen

Am Abend hat sich erneut ein Unglück in der Werkshalle von EMV ereignet. Verletzt wurde niemand. Doch die Behörden ziehen Konsequenzen — und die Anwohner sind verängstigt.

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Nur in Gefahrgut-Anzügen wagte sich die Feuerwehr auf das Gelände von EMV.

Quelle: Andreas Meyer

Bargeshagen. Schon wieder ein Feuer, schon wieder in der GiftmüllFabrik in Bargeshagen — doch dieses Mal zieht das Land sofort Konsequenzen. Nachdem ein Brand in der Anlage gestern Abend erneut Anwohner und Feuerwehr in Atem hielt, hat das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) in Rostock der Firma EMV den Betrieb untersagt. Zumindest vorläufig: „Bis dieser Zwischenfall abschließend aufgeklärt ist, dürfen in Bargeshagen keine Gift- und Gefahrenstoff mehr angeliefert und auch nicht behandelt werden“, sagt StALU- Chef Hans-Joachim Meier der OZ.

Der jüngste Vorfall ereignete sich gestern kurz nach 18 Uhr. Es war das dritte Unglück bei EMV innerhalb von nur knapp neun Monaten. Das Unternehmen, eine Tochterfirma des weltweit tätigen Remondis-Konzerns, behandelt Gift- und Gefahrenmüll. Erst Ende Juli hatten sich in der Anlage mehrere Explosionen ereignet. Fünf Menschen waren damals verletzt worden. Die Rettungskräfte gingen deshalb gestern auf Nummer sicher: Aus dem gesamten Landkreis Rostock — unter anderem aus Bad Doberan, aus Laage und auch Gnoien — wurden 60 Gefahrgut-Spezialisten der Feuerwehr in Bargeshagen zusammengezogen. „Es hat in einem Müll-Bunker innerhalb der Anlage gebrannt“, sagt Ralf Kruths vom Katastrophenschutz des Landkreises Rostock. Das Feuer sei aus ungeklärter Ursache beim Umlagern der Abfälle entstanden. „Die Löschanlage in der Halle hatte den Brand unter Kontrolle. Dennoch kam es zur starken Qualm-Entwicklung.“

Nach Angaben des Polizeipräsidiums in Rostock behinderten die Rauch-Schwaden zwischenzeitlich den Verkehr auf der zeitgleich viel befahrenen Bundesstraße 105. Verletzt wurde aber niemand. Die Rettungskräfte wagten sich nur in Gefahrgut-Anzügen in die Anlage, vor dem Werkstor wurden Zelte und Dekontaminations-Duschen aufgebaut. Die Polizei riegelte das Gewerbegebiet ab. „Eine Vorsichtsmaßnahme“, so Ralf Kruths. „Es sind nach ersten Messungen der Feuerwehr keine Giftstoffe freigesetzt worden.“

Dennoch nimmt das Landesamt den Vorfall ernst: „Wir erwarten einen ausführlichen Bericht vom Unternehmen“, sagt Amtsleiter Meier. Die Anwohner sind verängstigt: „Ich mache mir Sorgen um meine Kinder.

Schon nach dem letzten Unfall wurde uns Aufklärung versprochen — sogar von Umweltminister Till Backhaus“, sagt Jens Scharrenweber (45). Passiert sei nichts. „Die Politik muss dem ein Ende setzen“, fordert Gudrun Lehmann (65). „Wir sind vor dem Qualm nicht mal gewarnt worden.“

• Online:

Ein Video zu dem Unglück sehen Sie auf www.ostsee-zeitung.de

Bis der Vorfall aufgeklärt ist, dürfen bei EMV keine Abfälle angenommen

und auch nicht behandelt werden. Wir nehmen die vielen Unglücke sehr ernst.“Hans-Joachim Meier,

Leiter des StALU Rostock

Andreas Meyer

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