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Nachrichten Rajoy vs. Puigdemont: Überlebenskünstler gegen Aufsteiger
Nachrichten Rajoy vs. Puigdemont: Überlebenskünstler gegen Aufsteiger
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16:07 19.10.2017
Ein Bild aus besseren Tagen: Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy (l) und der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont bei einem Treffen trifft im April 2016. Quelle: Paco Campos
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Madrid

Der Konflikt um die nach Unabhängigkeit strebende Region Katalonien ist auch und vor allem ein Duell zweier Männer: Mariano Rajoy und Carles Puigdemont.

Der Ministerpräsident Spaniens und der katalanische Regierungschef haben sich seit Jahresanfang nicht mehr in die Augen geschaut. Im Ferngefecht präsentieren sich beide seitdem ähnlich resolut und unnachgiebig. Völlig unterschiedlich sind derweil ihre Biografien. Rajoy ist ein „alter Hase“ der Politik, ein erfahrener „Überlebenskünstler“. Puigdemont ist dagegen in kurzer Zeit vom Nobody zum Schrecken Spaniens avanciert.

Rajoy wurde politisch schon häufig totgesagt. Als der Parteichef der konservativen Volkspartei (PP) 2008 eine bittere Wahlniederlage erlitt, wurde in den eigenen Reihen die Forderung nach einem Rücktritt laut. Die Kritik ließ er an sich abperlen. Und nur drei Jahre später führte er die PP zum höchsten Wahlsieg der Geschichte.

Als Regierungschef führte der ganz und gar uncharismatische Mann Spanien dann aus der Wirtschaftskrise. Er überstand auch viele Korruptionsaffären. Die PP verlor anschließend zwar die absolute Mehrheit im Parlament. Rajoy verstand es aber, hinter den Kulissen geschickt Allianzen zu bilden. Nach einer zehnmonatigen Hängepartie wurde er im Herbst 2016 als Regierungschef wiedergewählt.

Nun soll der 62 Jahre alte Richtersohn und Jurist, wie „El País“ schrieb, „die größte Herausforderung der spanischen Demokratie“ bewältigen. In der Region im Nordosten Spaniens gilt Rajoy allerdings mehr als irgendwo sonst als Buhmann. Es war nämlich auf sein Betreiben, dass das Verfassungsgericht 2010 ein neues Autonomiestatut kippte, für das die Katalanen gestimmt hatten.

Puigdemont unterdessen hatte mit der Politik lange zeit nichts im Sinn. Der im katalanischen Bergdörfchen Amer geborene Sohn eines Konditormeisters studierte zunächst Philologie und arbeitete danach jahrelang als Journalist. Er war unter anderem Mitgründer der Katalanischen Nachrichten-Agentur (1998) und übernahm 2004 die Leitung des englischsprachigen Blattes „Catalonia Today“.

In die Politik trat er erst 2006 mit fast 44 ein. Dann ging es aber Schlag auf Schlag: 2011 wurde er zum ersten nichtsozialistischen Bürgermeister der Stadt Girona nach der Franco-Diktatur (1939-1975) gewählt. 2015 avancierte er zum Vorsitzenden des einflussreichen „Verbandes der Gemeinden für die Unabhängigkeit Kataloniens“ (MAI), dem rund 750 der insgesamt 948 Bürgermeister der Region angehören.

Als er im Januar 2016 zum Chef der Regionalregierung in Barcelona gewählt wurde, war der eingefleischte Rock-Fan und Vater zweier kleiner Mädchen in Spanien noch ein Nobody. Inzwischen ist er aber schon für viele der „Staatsfeind Nummer eins“, wie ein TV-Moderator sich ausdrückte.

dpa

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