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Nachrichten So schön war unser Sommer
Nachrichten So schön war unser Sommer
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00:00 30.08.2013

Offenbach/Hiddensee — Wenn der Sommer dieses Jahres eines lehrt, dann das: Man soll die Hoffnung nie aufgeben. Nach einem trüben, kalten und nassen Frühling herrschte in Deutschland wochenlang schönstes Urlaubswetter. Aber neben Bilderbuchtagen gab es auch katastrophale Regenfluten, drei heftige Hitzewellen und schwere Unwetter. Vor allem aber haben die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach gestern bei der Präsentation ihrer vorläufigen Bilanz große regionale Unterschiede festgestellt.

Mecklenburg-Vorpommern war dabei mit 782 Stunden das sonnenreichste Bundesland. Den meisten Sonnenschein gab es an der Küste um Rügen mit bis zu 875 Stunden. Die Durchschnittstemperatur erreichte 17,7 Grad und lag damit um 1,4 Grad über dem langjährigen Mittel.

Guter Durchschnitt in MV

Dennoch war der August in MV von den Temperaturen und der Sonnenscheindauer her nur guter Durchschnitt, wie Uwe Ulbrich von Meteomedia auf Hiddensee gestern sagte. Immerhin gab es mehrere Tropennächte mit Temperaturen über 20 Grad. Als wärmste Nacht gelte die vom 3. August mit 25 Grad in Kargow-Schwarzenhof (Mecklenburgische Seenplatte). Am heißesten sei es am selben Tag mit 35,3 Grad in Ribnitz-Damgarten gewesen. Am kühlsten war der 13. August mit 17,7 Grad auf Hiddensee. In der kältesten Nacht ging es bereits wieder tief hinab auf 6,1 Grad in Groß Schwansee (Nordwestmecklenburg).

Alles in allem lagen die Temperaturen nach vorläufigen Angaben im normalen Bereich. Die Sonnenscheindauer war Ulbrich zufolge ebenfalls guter Durchschnitt, aber doch einiges entfernt vom Rekordjahr 2006. Damals wurden im August in Dornbusch auf Hiddensee 400 Sonnenstunden gezählt, diesmal nur 285.

Auf den Regenschirm konnte man im Nordosten im August getrost verzichten. Lediglich in Tribsees (Landkreis Rostock) wurde mit 58,9 Litern Regen pro Quadratmeter das Monatssoll erfüllt. „Ansonsten war es überall zu trocken“, sagte Ulbrich. Es sei bei ein paar Schauern und Gewittern geblieben. So gut wie gar nichts bekam der Darßer Ort mit 9,4 Litern pro Quadratmetern ab.

Bundesweit fiel in diesem Sommer mit 118 Litern pro Quadratmeter in Sachsen-Anhalt am wenigsten Niederschlag. Dafür kam das Wasser woandersher: Von Anfang bis Mitte Juni kämpften viele Orte an der Elbe und ihren Nebenflüssen gegen extremes Hochwasser. Danach herrschte Dürre. Enorme Regenmassen hatten im Süden und Osten die Flüsse überlaufen lassen und ganze Landstriche wochenlang unter Wasser gesetzt. Eine neue Diskussion über Hochwasserschutz flammte auf, die Regierung gab viele Millionen, die Bundeswehr kam zu Hilfe. Dennoch geht dieser Sommer unterm Strich als besonders trocken in die Statistik ein. Laut dem Wetterdienst fielen von Juni bis August bundesweit im Schnitt 190 Liter Regen pro Quadratmeter. Das entspreche 79 Prozent des Monatssolls. So trocken sei es zuletzt 2003 gewesen.

Drei Hitzewellen Mitte Juni, Ende Juli und Anfang August trieben die Temperaturen örtlich bis nahe 40 Grad, die Durchschnittstemperatur lag 1,5 Grad über dem langjährigen Mittel. Es gab viele Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sank. Heftige Gewitter beendeten die Hitzetage. Dabei gingen örtlich riesige Hagelkörner nieder, zerschlugen Fensterscheiben, verbeulten Autos und zerstörten die Ernte. Allein in Baden-Württemberg gehen die Schäden nach Schätzungen in die Milliarden.

Bundesweite Rekorde wurden zwar nicht gebrochen, aber dieser Sommer war laut DWD einer der zehn wärmsten seit Beginn der Messungen 1881. Die Temperaturspanne war beträchtlich: Der heißeste Tag war der 27. Juli in Rheinfelden im Südwesten mit 38,6 Grad im Schatten, Anfang Juni gab es im Erzgebirge Bodenfrost.

710 Stunden Sonnenschein zählten die Meteorologen im bundesweiten Durchschnitt, 18 Prozent mehr als sonst. Am wenigsten Sonne bekam Nordrhein-Westfalen ab, dort schien sie nur 636 Stunden.

Zum Ausklang des Sommers versprechen die Wetterexperten noch einmal schöne, sonnige Tage mit Temperaturen zwischen 20 und 27 Grad. Pünktlich zum Beginn des meteorologischen Herbstes am Sonntag sollen Tiefausläufer von Westen Regen und vielleicht einzelne Gewitter bringen. Dann wird es nur noch 16 bis 22 Grad warm.

Und was ist mit dem Altweibersommer? Diesen wunderbaren Tagen im September? Zumindest im Süden stünden die Chancen schon in der nächsten Woche gut, teilte das Institut für Wetter- und Klimakommunikation (Hamburg) gestern mit. Der Norden bleibe „im Grenzbereich zu wechselhafter Witterung“. Dennoch habe die Vergangenheit gezeigt, dass Anfang September noch bis zu 30 Grad möglich sind. Wie gesagt: Man soll die Hoffnung nicht aufgeben.

OZ