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Zeuge bezwingt Engländer Smith und bleibt Boxweltmeister

Einstimmiger Punktsieg Zeuge bezwingt Engländer Smith und bleibt Boxweltmeister

Boxweltmeister Tyron Zeuge hat Bemerkenswertes geleistet. Sein Kampf gegen den Briten Smith war eine Demonstration der Stärke. Nun winkt dem Berliner ein lukrativer Einsatz. Doch darf er überhaupt?

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Tyron Zeuge (r) setzte sich in Wetzlar gegen den Briten Paul Smith durch.

Quelle: Thomas Frey

Wetzlar. Deutschlands derzeit einziger Boxweltmeister hat Publikum und Fachwelt verzückt. „Von einem deutschen Boxer auf diesem Niveau haben wir so eine Leistung lange nicht gesehen“, schwärmte Promoter Kalle Sauerland nach dem Sieg seines Schützlings Tyron Zeuge in Wetzlar.

Im besten Kampf seiner Karriere verteidigte der Berliner den WM-Titel der WBA im Supermittelgewicht gegen den 34-jährigen Briten Paul Smith in beeindruckender Manier und besiegte den erfahrenen Mann von der Insel haushoch (119:108, 119:108, 119:108). Danach orderte er seine Belohnung: „Erst mal nehmen wir ein Bierchen.“

Sauerland war geradezu gerührt: „Das war weltmeisterlich, ein echter Champion. Seine Reflexe, seine Koordinationsvermögen - exzellent. Der Junge macht mich stolz.“ Sein Boxer hatte alle überrascht: Er zelebrierte konsequentes Distanzboxen, dominierte das Duell mit einer starken Führhand, bewies erstaunliche Variabilität in seinen Schlägen und beraubte den siegessicher ins Gefecht gegangenen Engländer seines Selbstvertrauens. Was der Brite auch versuchte - er scheiterte.

Gefährliche Attacken des Herausforderers beantwortete der 25 Jahre alte Deutsche mit feinstem Konterboxen. Smith, der nach dem Kampf ins Krankenhaus zur Kontrolle eines Cuts an der Augenbraue gebracht wurde, verzweifelte zusehends. Da konnte selbst der britische Promoter Eddie Hearn, dessen Unternehmen Matchroom seit Jahren WM-Titel zuhauf einheimst, dem Gegner die Anerkennung nicht versagen: „Deutschland hat ein sehr interessantes Talent. Tyron Zeuge ist Vertreter einer neuen Generation im deutschen Boxen. Jugend, Schnelligkeit und Beweglichkeit haben den Unterschied gemacht.“

Zeuge, der kein Freund großer Worte ist, grinste. „Das hat Spaß gemacht heute. Ich glaube, Jürgen ist auch ganz zufrieden.“ Gemeint war Trainer Jürgen Brähmer. Der konnte dies bestätigten. „Tyron hat so geboxt, wie ich das sehen wollte.“ Über seine eigenen Ringaktivitäten hüllte sich Ex-Weltmeister Brähmer in Schweigen. „Ich bin heute Trainer“, erwiderte er und blockte Fragen nach seinem möglicherweise letzten Kampf ab.

Nach dieser Leistung wird Sauerland nicht umhin können, Zeuge für das weltweite Turnier um die Muhammad-Ali-Trophy zu nominieren. Jeweils acht der weltbesten Boxer ermitteln zunächst im Supermittelgewicht und Cruisergewicht in K.o.-Runden ihre Champions. Die Veranstalter wollen Preisgelder in Gesamthöhe von 50 Millionen Dollar ausschütten. Am 8. Juli wird in Monaco das Teilnehmerfeld präsentiert. Auch Ex-Weltmeister Arthur Abraham und Vincent Feigenbutz sind Kandidaten, aber nur ein Deutscher wird dabei sein. „Wir prüfen alles“, sagte Sauerland.

Beinahe hätte der Kampfabend in Wetzlar gar nicht stattgefunden. Die WBA hatte das Duell des Champions gegen die Nummer fünf vor 14 Tagen abgesagt, wie erst jetzt durchsickerte. Zeuge sollte vorher einen Rückkampf gegen den Nigerianer Isaac Ekpo bestreiten. Im ersten Duell vor drei Monaten hatte der Berliner durch Abbruchsieg wegen Verletzung gewonnen.

Der wegen seiner Vorliebe für Kopfstöße, Ellenbogenchecks und Nahkampf-Keilerei unbeliebte Afrikaner muss laut Anordnung der WBA aber binnen 120 Tagen Zeuges nächster Gegner sein. Was wird dann aus seinem Einsatz bei der Ali-Trophy? Sauerland zuckt mit den Achseln.

dpa

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