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Außenseiter Aserbaidschan jagt Weltmeister

«Kleines Wunder» Außenseiter Aserbaidschan jagt Weltmeister

Zwei EM-Teilnehmer geraten in der Qualifikation zur WM früh unter Druck, weil mit Aserbaidschan ein Außenseiter durchstartet. In Norwegen und Tschechien herrscht derweil schon Krisenstimmung.

Ostrava. Joachim Löw hatte ein Sonderlob für den Außenseiter vom Kaspischen Meer parat. „Im Moment ist Aserbaidschan irgendwie unser hartnäckigster Verfolger“, sagte der Weltmeister-Trainer über den Rivalen, mit dem vor der Beginn der WM-Qualifikation wohl niemand gerechnet hatte.

Sieben Punkte und noch kein Gegentor stehen beim Team von Trainer Robert Prosinecki nach drei Partien zu Buche, weshalb sich Löw bereits auf das „Spitzenspiel in unserer Gruppe“ im März in Baku freut. Der Außenseiter hatte seine Rolle als Überraschungsteam mit dem 0:0 in Tschechien gefestigt.

Mit einer Mischung aus Effektivität und kompakter Defensive hat sich Aserbaidschan auf Rang zwei der Qualifikationsgruppe C geschoben und steht damit vor den EM-Teilnehmern Nordirland und Tschechien sowie auch vor den höher gehandelten Norwegern. „Es ist auch ein bisschen so eingetreten, dass am Ende vielleicht sogar Aserbaidschan unser härtester Konkurrent sein könnte“, meinte Löw: „Weil die natürlich unheimlich hungrig sind und auch körperlich gute Spieler haben.“

Am Kaukasus herrscht schon Begeisterung. „Das aserbaidschanische Märchen geht weiter“, titelte das Internetportal „azerisport.com“. Trainer Prosinecki zeigte sich nach dem Punktgewinn hochzufrieden: „Wenn mir jemand gesagt hätte, dass wir nach drei Spielen sieben Punkte haben und Tabellenzweiter sind, hätte ich ihn als Träumer bezeichnet“, sagte der Nachfolger von Berti Vogts.

Das Land mit knapp zehn Millionen Einwohnern hat sich noch nie für ein großes Turnier qualifiziert - kann nun aber zumindest einmal von dieser Premiere in Russland 2018 träumen. „Sie werden mir zustimmen, dass das ein kleines Wunder ist. Wir sind alle froh. Das ist ein großer Tag für uns“, sagte Prosinecki.

Nach dem Quali-Fehlstart weiter um seinen Posten bangen muss hingegen Per-Mathias Høgmo in Norwegen, das 4:1 über Außenseiter San Marino besserte sein Standing kaum. „Dieser Sieg wird der Mannschaft einen Schub geben“, erklärte der angeschlagene Trainer. Er sei sich aber sicher, auch im November noch norwegischer Coach zu sein. „Weil ich der richtige Mann bin, dieses Team zu führen“, begründete er bei der Pressekonferenz. Die norwegischen Medien sehen Høgmo weit kritischer und bezeichneten den Sieg „als schreckliches und frustrierendes Erlebnis“. San Marino hatte erstmals seit 15 Jahren wieder ein Auswärtstor in einem Spiel der WM-Qualifikation erzielt.

Auch in Tschechien sorgt der Fehlstart mit gerade einmal zwei Punkten und null Toren für Verstimmung. „Triste Aussicht nach Neustart: Vergesst Russland und konzentriert euch auf die EM 2020“, titelte die Tageszeitung „Pravo“. Trainer Karel Jarolim erklärte, er sei „sehr enttäuscht“.

Im Kampf um Platz zwei hinter dem DFB-Team sind auch die Nordiren nach dem 0:2 in Hannover hinter Aserbaidschan zurückgefallen. „Die Hoffnungen sind da. Wir haben vier Punkte und die Auswärtspartien bei den stärksten Gegnern Deutschland und Tschechien bereits hinter uns“, erklärte Trainer Michael O'Neill. Ziel zum Jahresende seien sieben Punkte aus vier Spielen - im November trifft das Team vor eigenem Publikum auf Aserbaidschan.

dpa

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