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FIFA schließt lukrativen Deal mit China

Zürich FIFA schließt lukrativen Deal mit China

Der Name Blatter geistert weiter über die FIFA-Flure. Der Neffe des gesperrten Ex-Präsidenten spielt eine wichtige Rolle beim neuen Sponsor-Deal des Weltverbands. Damit entledigt sich die FIFA vorerst ihrer Finanzsorgen.

Zürich. Die FIFA entledigt sich durch einen lukrativen Deal mit einem Sponsor aus China aller Finanzsorgen - und nutzt dafür den Neffen des verbannten Joseph Blatter als Vermittler.

Einen Tag, nachdem der Fußball-Weltverband einen Vorjahresverlust von 110 Millionen Euro verkündet hatte, unterschrieb die Wanda-Gruppe als FIFA-Partner bis zur WM 2020.

Ein Volumen des Vertrags wurde nicht genannt, die Zusammenarbeit dürfte dem angeschlagenen Weltverband aber mehrere hundert Millionen Euro einbringen. „Die Finanzrechung 2015 ist vorbei, die Bilanz für 2016 wird ganz anders aussehen“, sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino nach der letzten Sitzung des Exekutivkomitees stolz.

Neben dem reichsten Mann Chinas, Wanda-Chef Wang Jianlin, tauchte am Freitag drei Wochen nach Ende der Amtszeit des gesperrten Ex-Präsidenten Blatter auch ein altbekanntes Gesicht in der Züricher FIFA-Zentrale auf: Der frühere Chef des Sportvermarkters Infront, Philippe Blatter, ist seit Ende November Geschäftsführer der Wanda Sports Holding, der Sportsparte des chinesischen Konglomerats.

„Unter diesen Umständen ist es noch wichtiger, das Richtige zu tun“, sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino auf die Frage nach möglichen Interessenskonflikten. Der geschlossene Vertrag genüge „höchsten Standards.“

Die Zusammenarbeit mit der FIFA untermauert auch die langfristigen Bestrebungen Chinas, eine Weltmeisterschaft auszurichten. Das Land investiert derzeit massiv in Sport und Fußball. Im vergangenen August hatte der damalige Immobilienentwickler Dalian Wanda für 650 Millionen US-Dollar die Marke „Ironman“ und die World Triathlon Corporation gekauft. Im Januar stieg der Konzern, dem auch die Kinokette AMC in den USA gehört, für 45 Millionen Euro mit 20 Prozent beim spanischen Fußballclub Atlético Madrid ein. Nur einen Monat später kaufte Dalian Wanda für gut eine Milliarde Euro den Sportvermarkter Infront im Schweizer Zug.

Am Donnerstag hatte die FIFA das erste Mal seit 13 Jahren wieder einen Verlust verkündet: Im Geschäftsjahr fuhr der Weltverband ein Minus von knapp 110 Millionen Euro, der Ausblick auf den Vierjahreszyklus bis 2018 ist aber weiter positiv. Es würden sich weitere Vertragsabschlüsse abzeichnen, erklärte Infantino und kündigte „Neuigkeiten in den nächsten Wochen“ an.

Statt der üblichen sechs bis acht exklusiven Partner hatte der in der größten Krise seiner Geschichte steckende Weltverband in Adidas, Coca-Cola, Gazprom, Hyundai/Kia und VISA zuletzt nur fünf Premium-Sponsoren unter Vertrag - die meisten, wie Adidas (2030) oder Coca-Cola (2022), allerdings mit langfristigen Verträgen. Diese zahlten 2015 zusammen 180 Millionen US-Dollar.

Auch durch hohe Anwaltskosten durch die Korruptionsaffäre hatte sich das Geschäftsergebnis der FIFA im vergangenen Jahr deutlich verschlechtert. „Die 110 Millionen Verlust haben intern keinen beunruhigt, weil im Vierjahreszyklus klar wird, dass die FIFA wirtschaftlich stabil und solide dasteht“, sagte der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach dennoch.

Der deutsche Vertreter in der Exekutive lobte Infantino für seinen ersten Auftritt als Leiter des FIFA-Regierungstreffens. „Er macht es glänzend. Er hat den Vorteil, dass er in den ganzen Details drin ist, er kennt das Geschäft von der operativen Seite. Er ist einfach der richtige Mann am richtigen Platz“, erklärte Niersbach.

Im Zuge des Reformprozesses wird das Gremium nun in einen Rat umgewandelt. Statt die operativen Entscheidungen wie bislang zu treffen, werden sie im Council nur noch genehmigt. Die erste Sitzung des FIFA-Rats findet am 9./10. Mai in Mexiko-Stadt vor dem nächsten Kongress statt.

dpa

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