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Leicester vor Titelgewinn - Sensations-Meister in Europa

Düsseldorf Leicester vor Titelgewinn - Sensations-Meister in Europa

Mit einem Sieg bei Manchester United kann Leicester City erstmals englischer Fußballmeister werden. Der sensationelle Erfolg des Teams um den deutschen Abwehrchef Robert Huth hat viele Gesichter.

Düsseldorf. Eines der größten Fußball-Märchen überhaupt steht am Sonntag vor der Vollendung. Nur noch einen Sieg benötigt Leicester City zum Gewinn der englischen Meisterschaft.

Drei Spieltage vor Schluss soll der vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelte Club aus der Premier League ausgerechnet beim Rekordchampion Manchester United den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte perfekt machen.

„Gewinnt Leicester die Premier League, würde es den Wettbewerb, wie wir ihn jetzt kennen, verändern“, schrieb die britische Zeitung „Daily Mail“. „Es wäre eine Inspiration für Außenseiter, groß zu träumen und ein Weckruf für die etablierte Elite.“ Nicht Chelsea, nicht Arsenal, nicht Manchester City oder Bastian Schweinsteigers Red Devils - das Low-Budget-Team um den deutschen Abwehrspieler Robert Huth steht vor der Krönung einer unglaublichen Saison.

Die Spielzeit der Foxes verdient unzählige Superlativen und genauso viele Geschichten erzählt der Verein aus den englischen Midlands. Da ist Torjäger Jamie Vardy, der vor ein paar Jahren mit einer Fußfessel auf Amateurplätzen kickte und nun im Sommer mit den Three Lions zur Europameisterschaft nach Frankreich fahren wird. Da ist Riyad Mahrez, ein vor zwölf Monaten noch völlig unbekannter Offensivspieler, der zu Wochenbeginn zum besten Premier-League-Profi der Saison gewählt wurde.

„Im Januar habe ich mit Mitspieler N'golo Kante erstmals über die Liga geredet. Wir haben gesagt: Könntest du dir vorstellen? Nach 30 Sekunden haben wir das Thema gewechselt“, erinnerte sich der algerische Nationalspieler an erste kleine Titelträume. Punktgleich mit Arsenal stand Leicester an der Tabellenspitze. Alle Experten rechneten mit einem Einbruch. Doch der kam und kam nicht.

Selbst eine 1:2-Niederlage Mitte Februar beim FC Arsenal in letzter Sekunde brachte City nicht vom Weg ab. Da im Pokal bereits früh Schluss war, gönnte Trainer Claudio Ranieri seinen Spielern danach eine Woche Urlaub. Immer wieder brachte der italienische Coach seine Profis mit kleinen Psychotricks zu ungeahnten Erfolgen. Nach einem Spiel ohne Gegentor lud er seine Schützlinge zum Pizza-Essen in der Innenstadt ein. Gute Leistungen wurden mit zwei freien Tagen belohnt. Zur möglichen Meisterschaft sagte er: „Ein kleines Team mit einem großen Herzen kann zum Riesen werden - das ist toll.“

Auch Ranieri ist eine dieser unglaublichen Geschichten um Leicester City. Der Trainer-Oldie wurde 2014 nach einer 0:1-Pleite gegen die Färöer als griechischer Nationaltrainer vom Hof gejagt. Als Leicester im Sommer einen neuen Coach suchte, verpflichtete der Club den 64 Jahre alten Römer. Nicht unbedingt zur Freude von Leicester-Eigengewächs und früherem englischen Nationalstürmer Gary Lineker. „Ranieri? Wirklich?“, schrieb er bei Twitter und hat sich dafür schon längst entschuldigt.

Lineker könnte durch den möglichen Titelgewinn Leicesters in Schwierigkeiten kommen. Im Zuge der guten Hinrunde kündigte er via Twitter vollmundig an, seine Fußball-Sendung bei der „BBC“ nur in Unterhose bekleidet zu moderieren. Seit einigen Wochen bereitet sich der ehemalige Weltklasse-Angreifer darauf vor. „Ich bin gut in Form“, witzelte Lineker.

Auch die britischen Sportwettenanbieter droht ein GAU und hohe Gewinnausschüttungen. Die Quote vor der Spielzeit für Leicesters Titelgewinn betrug 5000:1. Wer damals einen englischen Pfund (rund 1,28 Euro) setzte, erhält 5000 Pfund (etwa 6400 Euro). „So eine Gewinnquote gab es in der Geschichte noch nie“, sagte Joe Crilly, Sprecher des Wettanbieters William Hill.

Vor zwei Jahren spielte Leicester noch in der 2. Liga. In der europäischen Fußball-Historie gibt es wenige Vereine, denen Ähnliches gelang. Eine Auswahl:

1. FC KAISERSLAUTERN (1997/1998)

Nur ein Jahr nach dem Bundesliga-Aufstieg schaffte Trainer Otto Rehhagel mit dem 1. FC Kaiserslautern die große Überraschung: Nach einer grandiosen Spielzeit sicherten sich die Pfälzer am 33. Spieltag den Meistertitel. Schon der Saisonstart lief perfekt. Die „Roten Teufel“ gewannen am 1. Spieltag 1:0 bei Bayern München.

NOTTINGHAM FOREST (1977/1978)

20 Jahre zuvor schaffte Nottingham Forest in England ähnlich Beeindruckendes. Das Team von Coach Brian Clough verlor als Aufsteiger nur drei von 42 Partien, sicherte sich den Titel und verwies den FC Liverpool deutlich auf Platz zwei. „Wir wollen die Zuschauer unterhalten, die Stadien füllen und die Leute glücklich machen“, sagte der Trainer damals über die Ziele seiner Mannschaft.

MONTPELLIER (2011/2012)

Viermal in Serie hat Paris Saint-Germain zuletzt die französische Meisterschaft gewonnen. Der letzte Titelträger vor den Hauptstädtern kam aus Montpellier - und das völlig unerwartet. Ein Jahr zuvor nur knapp dem Abstieg entronnen, lieferte sich der Club vom Mittelmeer einen Zweikampf mit Paris. Am letzten Spieltag entschied Montpellier mit dem späteren Superstar und damaligen Torschützenkönig Olivier Giroud das Titelrennen für sich.

ATLÉTICO MADRID (2013/14)

Neun Spielzeiten nacheinander machten Real Madrid und der FC Barcelona die Meisterschaft in der Primera División unter sich aus. Dann kam Diego Simeone mit Atlético und verwandelte in der Saison 2013/2014 den Zwei- in einen Dreikampf. Durch ein 1:1 am letzten Spieltag im Auswärtsspiel bei Barça sicherten sich die Rojiblancos den Titel.

BURSASPOR (2009/2010)

25 Jahre lang ging der türkische Meistertitel ausnahmslos nach Istanbul. 2010 gelang Bursaspor dann die große Überraschung: Fenerbahçe patzte am letzten Spieltag, Bursaspor schlug zeitgleich Beşiktaş und gewann die erste Meisterschaft der Vereinshistorie. „Ganz Bursa hat Geschichte geschrieben“, sagte Trainer Ertuğrul Sağlam anschließend.

dpa

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