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Millionen-Geschäft und Leidenschaft für Tausende: Die neue Lauf-Saison in MV beginnt

Stralsund/Rostock Millionen-Geschäft und Leidenschaft für Tausende: Die neue Lauf-Saison in MV beginnt

Der Darß-Marathon im April ist das erste große Rennen des Jahres im Land. Jetzt, im März, starten viele Sportler mit dem Training für die beliebten Volksläufe. Hunderttausende schnüren ihre Laufschuhe, aber auch nur für sich und um gesünder zu leben.

Stralsund/Rostock. Punkt 5.15 Uhr fällt die Haustür zu. Noch im Dunkeln setzt Christian Ramlow die ersten Laufschritte aufs Pflaster. 15 Kilometer liegen vor ihm, entlang der Stralsunder Sundpromenade mit Blick auf die Rügenbrücke. „Ich laufe die Strecke drei Mal pro Woche, auch wenn‘s regnet, windet oder schneit“, betont der 43-Jährige.

Seit einigen Tagen ist das Kribbeln dabei besonders groß, sagt Christian Ramlow. Denn die Laufsaison im Land beginnt. Der Frühlingslauf in Neubrandenburg am vergangenen Sonntag war das zweite Rennen des 2016er-Laufcups. Die erste große Veranstaltung in MV steht mit dem Darß-Marathon am 24. April bevor — der „lange Kanten“ ist auch Ramlows erstes Ziel. „Diese Wochen vor der ersten Bewährungsprobe, wenn der Frühling kommt und man sieht, was das Wintertraining gebracht hat, sind am aufregendsten“, sagt der Stralsunder.

Wie er freuen sich derzeit gut 30000 Läufer auf die neue Saison. So viele Sportler sind es, die an den jährlich rund 70 offiziellen Volksläufen in Mecklenburg-Vorpommern teilnehmen. Die Zahl derer, die gern laufen und ganz für sich aus verschiedensten Gründen die Sportschuhe schnüren, ist im Nordosten aber deutlich höher. „Laut Umfragen, die wir in Auftrag gegeben haben, laufen im Land 400 000 Menschen regelmäßig“, sagt Roman Klawun, dessen Rostocker Marketingagentur Pro Event sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und mehrere Rennen im Land mitorganisiert — auch die beiden größten: den Schweriner Fünf-Seen-Lauf mit 3500 Startern und den Citylauf in Rostock mit 3200 Teilnehmern.

Die steigende Beliebtheit des Sports — seit den 1990ern haben sich Anmeldezahlen mehr als verdoppelt — freut auch Dr. Thomas Neundorf, Sportarzt in Rostock: „Laufen hat viele Faktoren, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken“, sagt er. Es reduziere Stresslevel und Gewicht, verbessere Blutwerte und senke das Krebsrisiko. Auch für die Wirtschaft im Land ist die Szene ein Faktor. „Wir gehen davon aus, dass ein Läufer im Jahr durchschnittlich 250 Euro für sein Hobby ausgibt. Bei 400 000 Läufern sind so 100 Millionen Euro zu verteilen“, sagt Roman Klawun. Auch Touristiker im Land sehen Laufbegeisterte zunehmend als Zielgruppe. Beispielsweise beim Darß-Marathon kommen 80 Prozent der 1500 Starter nicht aus MV. Auch beim Schweriner Fünf-Seen-Lauf oder dem Rügenbrückenlauf (3200 Teilnehmer) in Stralsund sind die Anteile mit 50 Prozent an Gästen hoch. „Sie alle benötigen Unterkünfte, gehen in Restaurants, kaufen hier ein“, weiß Tobias Woitendorf, Vize-Geschäftsführer des Tourismusverbandes MV. Noch würden die Orte im Land Fitness-Freunde aber nicht zielgerichtet genug ansprechen, schätzt Woitendorf ein, und somit Potenzial verschenken (siehe Interview rechts).

Laufen ist auch beliebt, weil die Sportart individuell bis ins hohe Alter und auf ganz unterschiedlichem Niveau möglich ist, meint Thomas Neundorf. „Unter den 1600 Läufern, die im Landes-Leichtathletikverband angemeldet sind, haben wir Sechsjährige genauso wie über 80-Jährige“, sagt Pressewart Burkhard Ehlers. Bei den 72 Laufveranstaltungen des vergangenen Jahres in MV seien 7000 Teilnehmer bis zu 16 Jahre alt gewesen, 6500 waren älter als 50 und 17 500 dazwischen. Auch Arbeitgeber finden Läufer interessant: „Wer läuft, kann sich organisieren und ist bereit, für seine Ziele einiges einzusetzen“, sagt zum Beispiel Burkhard Herzberg, Manager des Ferienresorts Hapimag in Binz auf Rügen. Bei ihm im Betrieb gingen die Kollegen regelmäßig zusammen joggen, auch mit Gästen — das stärke den Teamgeist und hebe die Stimmung.

Christian Ramlow fühlt sich auch viel besser, seitdem er läuft. Vor sieben Jahren fing er an. „Vom einen auf den anderen Tag, bis dahin krasser Nichtsportler. Ich wollte fitter werden und nach draußen, da ich als Verkäufer viel in geschlossenen Räumen bin“, erinnert sich der drahtige Stralsunder. Noch im ersten Jahr als Läufer bestritt er einen Marathon, seitdem hat er die 42,195-Kilometer-Distanz zwei Mal jährlich absolviert, heute spult er pro Trainingswoche 60 Kilometer ab. Sein ganzes Leben habe sich durchs Laufen verändert. „Ich bin fröhlicher, selbstbewusster, habe neue Freunde gewonnen“, sagt er und beschleunigt, während hinter der Rügenbrücke langsam die Sonne aufgeht.

Von Alexander Loew

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