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Olympia-Aus ärgert Russen - Issinbajewa: „Diskriminierung“

Moskau Olympia-Aus ärgert Russen - Issinbajewa: „Diskriminierung“

Russland fühlt sich verraten und im Doping-Skandal als Opfer einer politischen Kampagne. Viele sehen im Olympia-Ausschluss durch die IAAF-Entscheidung eine Menschenrechtsverletzung. Lässt sich der historische Ausschluss noch abwenden?

Moskau. Die Wut und die Enttäuschung im Riesenreich Russland sind groß. Die einst stolze Sportnation sieht sich nicht primär als Täter, sondern als Opfer im Dopingskandal. Und nicht nur Sportler wie Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa fühlen sich verraten und diskriminiert.

„Natürlich ist das unfair“, sagte Präsident Wladimir Putin nach der Entscheidung des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF), die Suspendierung des russischen Verbandes WFLA wegen massiver Doping-Vorwürfe aufrecht zu erhalten. Eine Olympia-Teilnahme ist für russische Leichtathleten in Rio damit nicht möglich.

„Wir sind selber verärgert, wenn wir auf Dopingprobleme stoßen, und versuchen das zu unterbinden, bestrafen die Schuldigen. Aber warum sollten saubere Athleten leiden?“, kritisierte Putin am Wochenende und kündigte weitere Anstrengungen im Kampf gegen Doping an.

Russland sieht die Olympia-Sperre als eine Art Kollektivstrafe für russische Athleten. „Der Traum vieler unserer Sportler ist zerstört wegen eines falschen Verhaltens einzelner Sportler, Trainer und Spezialisten“, sagte Sportminister Witali Mutko. Der IAAF ließ zwar eine kleine Hintertür für nachweislich saubere Athleten offen: Den Olympia-Start Einzelner unter neutraler Flagge werteten russische Medien aber lediglich als akzeptable Notlösung.

Die Stimmung im Land ist aufgeladen, die stolze Sportnation ist verletzt. „All die Erniedrigung, all die Zugeständnisse und die enormen Bemühungen im Kampf gegen Doping - all das war vergeblich. Das ist für uns eine sehr bittere Lektion“, kommentiert die Fachzeitung „Sport-Express“. Viele Russen sehen hinter der IAAF-Entscheidung eine politische Kampagne des Westens gegen ihr Land. Der Ukraine-Konflikt hat seit 2014 die heftigste Krise zwischen Russland und dem Westen seit dem Ende des Kalten Krieges ausgelöst.

Vor allem Sportler wie die Stabhochsprung-Weltrekordlerin Issinbajewa sind am Boden zerstört. „Ich bin traurig und zugleich böse, ich schäme mich“, sagte die 34-Jährige der Agentur Tass am Samstag. „Niemand hat uns verteidigt, niemand hat unsere Rechte geschützt, ich habe große Zweifel an der IAAF und ihrer Haltung in Bezug auf den Schutz der Rechte sauberer Sportler“, sagte sie.

„Uns wird etwas vorgeworfen, was wir nicht begangen haben. Ich halte das für eine Diskriminierung der Russen“, kritisierte die zweifache Olympiasiegerin. „Das Schlimmste ist, dass sie damit die Karriere junger Sportstars zerstören.“

Issinbajewa und andere kündigten an, notfalls juristisch um ihr Recht auf eine Olympia-Teilnahme zu kämpfen. Der russische Leichtathletikverband WFLA kündigte an, beim Internationalen Sportgericht in Lausanne zu klagen. Alexander Schukow, NOK-Vorsitzender Russlands, geht von mehr als 80 betroffenen Leichtathleten aus, die in Rio starten sollten.

Zugleich eröffneten die russischen Behörden Ermittlungen gegen den in die USA ausgereisten Whistleblower Grigori Rodschenkow. Dem Ex-Chef des Moskauer Doping-Kontrolllabors werde Amtsmissbrauch vorgeworfen, sagte Wladimir Markin, Sprecher der russischen Ermittlungsbehörde. Er habe eigene Versäumnisse und Fehlverhalten vertuschen wollen.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte im November dem Moskauer Labor die Lizenz entzogen. Daraufhin war Rodschenkow ausgereist. Im Mai hatte er der „New York Times“ gesagt, er habe systematische Manipulation im russischen Team während der Olympischen Winterspiele 2014 mitorganisiert. 15 Medaillengewinner seien gedopt gewesen.

dpa

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