Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Gewitter

Navigation:
Abschied einer Vereins-Ikone

Rostock Abschied einer Vereins-Ikone

Juri Schlünz geht nach 48 Jahren überraschend bei Hansa von Bord. Der einstige Kapitän und Trainer war in den letzten zehn Jahren Nachwuchs-Chef.

Voriger Artikel
Zweitrunden-Aus für Lisicki in Madrid
Nächster Artikel
Brand: Frist läuft nicht unendlich

Jahrelang war Juri Schlünz (r.) Teamkapitän, auch in dieser Bundesliga-Partie gegen Kaiserslautern.

Quelle: Fotos: Rainer Schulz, Oz-Archiv

Rostock. Paukenschlag bei Hansa: Mit Juri Schlünz (54) geht eine Vereins-Ikone am Saisonende von Bord der Kogge. Er verlässt den Verein, bei dem er in den vergangenen 48 Jahren fast alles war: Spieler und Mannschaftskapitän, Nachwuchstrainer und Bundesligacoach, Manager, Vorstandsmitglied und zuletzt fast zehn Jahre Chef der Nachwuchsakademie.

OZ-Bild

Juri Schlünz geht nach 48 Jahren überraschend bei Hansa von Bord. Der einstige Kapitän und Trainer war in den letzten zehn Jahren Nachwuchs-Chef.

Zur Bildergalerie

„Nach fast 50 Jahren und vielen unvergesslichen Momenten fällt ein Abschied natürlich nie ganz leicht. Aber irgendwann ist es dann auch an der Zeit, den Weg für die nächste Generation mit neuen Ideen frei zu machen“, wird Schlünz in einer Klubmitteilung zitiert. „Auch für mich persönlich ist es der richtige Zeitpunkt, um vielleicht noch mal etwas ganz anderes auszuprobieren und eine neue Herausforderung anzunehmen.“

Die angespannte Situation in den vergangenen Drittliga-Jahren ist auch an dem Vereins-Urgestein nicht spurlos vorbeigegangen. Schlünz war, wie andere Vereinsangestellte, im Zuge der Einsparmaßnahmen von erheblichen Gehaltskürzungen betroffen. Im vergangenen „heißen“ Herbst sah er sich Anfeindungen aus Teilen der radikalen Fanszene ausgesetzt, die das Hansa-Ehrenmitglied (seit 1994) am liebsten aus dem Amt gejagt hätten. Zuletzt soll es auch zu Kompetenzgerangel innerhalb des Vereins gekommen sein.

Schlünz, der als Siebenjähriger seine Spieler-Karriere bei Hansa begann, war das Musterbeispiel für gelebte Vereinstreue. Bis zu seinem Karriereende 1994 spielte er für keinen anderen Klub. „Das ist auch eine persönliche Einstellung“, sagte er in einem OZ- Interview zum 50. Jahrestag des Vereinsgeburtstages im Dezember 2015. Die größten Erfolge des Mittelfeld- Strategen, der 1979 in der DDR-Liga in der ersten Männermannschaft mit einem Tor debütierte, waren die Meisterschaft, der Pokalsieg und der Bundesliga-Aufstieg 1991. Anderthalb Jahrzehnte prägte er das Spiel der Mannschaft. Mit 406 Pflichtspiel-Einsätzen rangiert er auf Platz eins in der „ewigen“ Hansa-Liste.

Bei seiner „alten Liebe“ arbeitete er sich auch nach seiner Karriere von der Pike auf hoch. Erst als Trainer im Nachwuchs, später in der Bundesliga. Dreimal sprang er nach der Entlassung des Cheftrainers als „Feuerwehrmann“ ein. Vom Oktober 2003 bis zu seinem freiwilligen Rückzug am 14. November 2004 (nach einer 0:6-Heimpleite gegen den HSV) stand Schlünz selbst am Ruder.

In den Folgejahren arbeitete der gebürtige Berliner auf verschiedenen Posten im Verein — unaufgeregt, aber zuverlässig. Zwischenzeitlich gehörte er auch der Vereinsführung an. Der permanente Sinkflug des einstigen Vorzeigeklubs des Ostens ließ Schlünz mitleiden, zuletzt auch körperlich. Um den Jahreswechsel 2015/16 herum lag er mit Herzproblemen im Krankenhaus.

„Es ist schon deprimierend, wenn man sieht, dass der Verein permanent Fehler macht, die dann bestraft werden“, sagte er der OZ. Besonders die ständigen Personalwechsel und die immer dramatischere finanzielle Schieflage sah er kritisch — und hielt mit der Kritik nicht hinter dem Berg.

Marketing-Vorstand Robert Marien würdigte Schlünz als „Institution“ und „echten Typen“ des FCH. „Kaum ein anderer Spieler hat unseren Klub so nachhaltig geprägt wie er.“ Er bedauerte das Ausscheiden von Schlünz, dessen Engagement „extrem wertvoll“ gewesen sei. Was Juri Schlünz nun vorhat, ließ er offen. Für die OZ war er gestern nicht erreichbar. In der Pressemitteilung teilte er mit: „Der FC Hansa ist und bleibt ein wichtiger Teil meines Lebens und ich werde ihm als Mitglied natürlich auch weiter erhalten bleiben.“

Von Kai Rehberg

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Hamburg

„Ich sitze an der Bar, mit 'nem Drink und 'ner Cigar, da schleicht herein der Sensenmann, macht mich blöde von der Seite an“, singt Udo Lindenberg. Für sein neues Album hat er zwar schon mal selbst seinen Nachruf verfasst, aber: „Ey sorry, ich kann hier echt noch nicht weg.“

mehr
Mehr aus Mehr Sport
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Physik,Kernphysik,Wendelstein,Plasmaphysik,Atome Teaser der den User auf die Themenseite führen soll image/svg+xml Image Teaser Wendelstein 7-X 2015-09-23 de Sonderseite Golfen in MV Immer mehr Menschen schwingen im Nordosten den Golfschläger. 16 000 Mitglieder hat der Landesverband inzwischen – zehn Mal mehr als Anfang des Jahrtausends. Lesen Sie auf unserer Sonderseite Geschichten über die Golfszene, Spieler aus dem Land und Prominente, die gern in MV golfen.
Die besten Wettquoten der Ostsee gibt es im Bundesliga-Quotenvergleich von SmartBets.
Benjamin Barz ? Ostsee-Zeitung Hilfe Aktion Wohltaetigkeit Teaser der den User auf die Umfrage Jetzt den großen Wurf landen! image/svg+xml Image Teaser „Jetzt den großen Wurf landen!“ 2015-11-30 de Gewinnspiel Jetzt den großen Wurf landen Unterstützen Sie gemeinsam mit uns den HC Empor. Kommen Sie am 12.März 2016 um 16:30 Uhr in die Rostocker StadtHalle zum Spiel gegen Dessau-Roßlauer HV und feuern Sie die Spieler an, denn es ist 7 Meter vor Weihnachten Hier geht es zu unserem großen Gewinnspiel.