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Der Bann ist gebrochen

FC Hansa Rostock 1:0 VfR Aalen Der Bann ist gebrochen

Hansa feiert den ersten Heimsieg seit fast einem halben Jahr / Den Siegtreffer für die klar überlegenen Rostocker erzielt Willi Evseev

Rostock. Nach dem Schlusspfiff machen sich die Hansa-Profis auf den Weg zur Ehrenrunde. „Sieg!“, hallt es ihnen lautstark von der Südtribüne entgegen. Die Spieler stimmen in die Jubelgesänge ein. Arm in Arm hüpfen sie vor Freude.

Endlich! Der Bann ist gebrochen. Mit dem hochverdienten 1:0 (0:0)-Erfolg über den VfR Aalen feierte das Team von Trainer Pavel Dotchev am Sonnabend den ersten Heimsieg seit fast einem halben Jahr.

„Ich bin sehr glücklich. Für mich ist das ein neues Gefühl“, meinte Dotchev.

Vor der Saison-Minuskulisse von 8900 Zuschauern im Ostseestadion erzielte Willi Evseev das Tor des Tages. Der nur 1,76 Meter große Blondschopf köpfte einen Eckball von Kapitän Amaury Bischoff ins rechte obere Eck (53.).

„Die Ecke war perfekt geschlagen. Ich musste nicht viel machen, weil ich nicht gedeckt war“, meinte Evseev bescheiden.

Der 25-Jährige war nach einer halben Stunde Hauptdarsteller in einer Szene, die Slapstick-Züge trug. Evseev wollte eine Direktabnahme von Wannenwetsch mit der Hacke abfälschen. Ungewollt stoppte er den Ball, scheiterte im Fallen an VfR-Keeper Bernhardt, rappelte sich auf, zog am Torhüter vorbei und traf die Latte. Erneut landete er auf dem Hosenboden, kam schnell wieder auf die Beine, konnte aber den Abpraller nicht versenken. „Die Muskeln haben schon gebrannt vom vielen Aufstehen“, scherzte Evseev. „Das war an Kuriosität nicht zu überbieten“, fügte das „Stehaufmännchen“ hinzu.

Doch zum Lachen war in dieser Situation niemandem zumute. Die Zuschauer rauften sich die Haare. „Das passt ja wieder zu unserer Situation“, dachte Evseev und war danach derart verunsichert, dass Dotchev ihn in der Halbzeit auswechseln wollte. Zum Glück tat er es nicht.

Hansa war von Beginn an die klar bessere Mannschaft. Die Gastgeber kombinierten schnell und direkt und erspielten sich eine Reihe hochkarätiger Chancen. Doch Soufian Benyamina (17., 52., 81., 89.), Selcuk Alibaz (43.) und der eingewechselte Mike Owusu (85.) vergaben selbst beste Möglichkeiten.

Wie schon gegen Zwickau (1:1) spiegelte das Ergebnis nicht die Dominanz des FCH wider. Statt sich gegen schwache Aalener den Frust der vergangenen Wochen (fünf sieglose Spiele in Folge) von der Seele zu schießen, mussten die Hanseaten bis zum erlösenden Schlusspfiff zittern.

„Eine Spitzenmannschaft hätte den Sack viel früher zugemacht und Aalen mit drei Toren nach Hause geschickt“, legte Dotchev den Finger in die Wunde. „Wir genießen den Moment, aber wir wissen, dass wir noch viel tun müssen. Das ist mir noch zu dünn, da muss mehr kommen“, fügte der Deutsch-Bulgare hinzu.

Dotchev, der zwei Tage vor dem Aalen-Spiel seinen 52. Geburtstag gefeiert hatte, wird die Mannschaft am Donnerstag zum Brunch einladen.

Am Sonnabend muss Hansa im Landespokal beim Bölkower SV (Landesliga Ost) ran. Eine Woche später geht es in der 3. Liga mit dem Auswärtsspiel beim FC Carl Zeiss Jena weiter. „Wir werden dranbleiben“, versprach Willi Evseev und dachte ín diesem Moment an das Strahlen in den Augen der Fans. „An diesen Anblick kann man sich gewöhnen.“

Stefan Ehlers

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