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„Die Sprache auf dem Platz ist Fußball“

Torgelow „Die Sprache auf dem Platz ist Fußball“

Beim FC Vorwärts Drögeheide spielen viele Flüchtlinge / Mit dem Integrationsprojekt hat sich der Vereins-Chef Rene Samuel beim DFB beworben — und gewonnen

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Trainer und Vereinschef René Samuel (r.) bespricht mit den Flüchtlingskindern Samari und Nemanja (l.) die nächste Übung.

Quelle: Fotos: Katharina Ahlers

Torgelow. Der zehnjährige Samari Mohamned bindet die Schnürsenkel seiner Fußballschuhe und zieht das rote Leibchen übers Trikot. Dann rennt er auf den Platz, wo seine Mitspieler vom FC Vorwärts Drögeheide mit dem Aufwärmtraining begonnen haben. „Fußball ist mein Leben“, sagt Samari. „Ich möchte irgendwann so gut spielen wie Lionel Messi.“

 

OZ-Bild

Ich habe hier viele Freunde ge- funden, die mir sehr geholfen haben.“ Samari Mohamned (10) aus Afghanistan

Quelle:

Hier haben alle dasselbe Hobby.“

René Samuel, Trainer

Für diesen Traum trainiert der Afghane zweimal wöchentlich mit der E-Jugend in Torgelow (Kreis Vorpommern-Greifswald). In den fünf Kinder- und Jugendmannschaften spielen derzeit zehn Flüchtlingskinder mit. Sie kommen aus Serbien, Syrien und Afghanistan. „Fußball ist die beliebteste Sportart der Welt. Die Regeln sind überall gleich. Wer kein Deutsch versteht, weiß auf dem Platz dennoch, was zu tun ist“, sagt Trainer und Vereinschef René Samuel. „Die Sprache auf dem Platz ist Fußball.“

2013 kamen die ersten von mittlerweile 450 Asylbewerbern nach Torgelow. Das führte im Vorfeld zu Debatten und Aufzügen rechtsextremer Gruppen. „Es herrschte große Unruhe“, erinnert sich der Torgelower SPD-Landtagsabgeordnete Patrick Dahlemann. Die Verantwortlichen vom FC Vorwärts Drögeheide hingegen haben die Flüchtlingskinder zum Training eingeladen. „Es ist wichtig, sie zu beschäftigen und sofort mit Gleichaltrigen zusammenzubringen“, meint Samuel. „Unter den Asylbewerbern sind einige Talente.“

Zum Beispiel Samari. Vor zwei Jahren floh er mit seiner Mutter und seinen zwei Geschwistern aus Afghanistan. „In meinem Land ist Krieg. Die Terroristen wollten uns töten“, sagt er, und Aufregung schwingt in seiner Stimme mit. Auch der Start in Torgelow sei nicht einfach gewesen, in der Stadt habe es viele Vorurteile gegeben. „Einige Menschen haben schlimme Dinge zu uns gesagt“, erinnert Samari sich. Er lächelt. „Aber im Verein habe ich sofort Freunde gefunden.“ Mittlerweile spricht der Junge nahezu perfektes Deutsch.

Wer Samaris monatlichen Vereins-Mitgliedsbetrag in Höhe von vier Euro übernimmt, ist noch unklar. „Bisher mussten die Flüchtlingskinder nicht bezahlen. Aber zur Integration gehört auf lange Sicht natürlich auch, dass alle die gleichen Rechte und Pflichten haben“, sagt Trainer Samuel. „Die Sportausrüstung bekommen die Asylbewerber hauptsächlich durch Spenden und von uns.“

Im Rathaus der Stadt Torgelow wird das Engagement des Vereins wohlwollend wahrgenommen. „Da wir erleben, dass es sich bei einem Großteil um junge Menschen handelt, deren sportliche Ambitionen ein wichtiger Baustein für eine gelingende Integration sein können, liegt uns das Projekt sehr am Herzen“, sagt Bürgermeister Ralf Gottschalk. „Wir stehen in ständiger Verbindung und werden die Initiativen tatkräftig begleiten.“ Derzeit seien Maßnahmen zur Unterstützung des Freizeitsports in Planung, etwa die Verbesserung der Sportstätten.

Nach dem Aufwärmtraining bespricht das Team die jüngste Niederlage. Eine 1:10-Klatsche gegen Pommern Löcknitz. „Wir haben hinten zu viel zugelassen und vorne die Chancen nicht genutzt“, kennt Samari eine der gängigsten Fußball-Floskeln. „Das ärgert mich. Ich muss mehr Tore schießen.“

Trainer René Samuel steht an der Seitenlinie und beobachtet seinen Schützling. „Ein Rohdiamant“, schwärmt er. „Seine Technik ist super, nur manchmal ist er lauffaul.“ Der Zehnjährige spielt den Ball zu Nemanja Cerimovic. Der Serbe ist der zweite Flüchtlingsjunge in der E-Jugend. Bereits in seiner Heimat hat er Fußball gespielt. Nun gilt er als Hoffnungsträger in Drögeheide.

„Die Jungs sind wichtige Bestandteile vom Team“, lobt Samuel und betont: „Fußball ist das größte Instrument, Leute zu integrieren. Die Bedingungen stimmen. Hier haben alle dasselbe Hobby, tragen das gleiche Trikot und freuen sich gemeinsam über Erfolge.“ Auch für die deutschen Fußballer spielt die Nationalität keine Rolle. „Wir sind Freunde und es gibt keine Probleme mit der Sprache“, sagt Verteidiger Florian Löschke.

Schwierigkeiten in der Arbeit mit den Flüchtlingen gebe es ausschließlich abseits des Platzes. Vor einigen Tagen wurde eine Familie aus Albanien abgeschoben. Der Sohn hat im Verein gespielt. „Kurz vorher erzielte er in einem Punktspiel zwei Tore“, erinnert sich Samuel, dem dieses Schicksal nahe geht. „Es wurde die falsche Familie abgeschoben. Die waren hier alle super integriert.“

Die ungewisse Zukunft vieler Migranten ist auch der Grund, warum noch keine Herrenmannschaft gegründet wurde. „Es dauert, bis ein Spielerpass ausgestellt ist“, sagt Samuel. „Oft kommen die Spielerpässe, wenn die Männer nicht mehr hier sind.“ Der Trainer hofft, dass zusammen mit dem DFB eine Lösung gefunden wird, und Flüchtlinge künftig ohne Wartezeit an Punktspielen teilnehmen dürfen.

Bis dahin kicken etwa 30 erwachsene Asylbewerber auf einem der Sportplätze im Ort.

Die beiden Flüchtlingsjungen der E-Jugend wollen vorerst beim FC Vorwärts Drögeheide bleiben. „Aber irgendwann möchte ich dann beim FC Barcelona spielen“, verrät Samari. „So wie Messi.“

DFB-Integrationspreis

Für die Flüchtlingsarbeit wurde der FC Vorwärts Drögeheide mit dem Integrationspreis des DFB ausgezeichnet. Der Klub arbeitet zusammen mit dem Verein „Willkommenskultur Torgelow“.

Der Flüchtlingsverein betreut das Freizeit-Training der erwachsenen Asylbewerber, die Flüchtlingskinder spielen in den Mannschaften vom Verein.

Mit dem gewonnenen Kleinbus sollen die Kinder zu Spielen sowie die erwachsenen Asylbewerber zu Behörden gefahren werden.

Von Katharina Ahlers

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