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„Die Tour war immer Lust, nie Last“

Rostock „Die Tour war immer Lust, nie Last“

Gut gelaunt, schlagfertig und humorvoll präsentierte sich Radstar Jens Voigt aus Mecklenburg beim Sporttalk der OSTSEE-ZEITUNG.

Rostock. Von der Tour de France kommt Jens Voigt auch zwei Jahre nach seinem Karriereende nicht los. Am Mittwoch fliegt das Rad-Idol nach Frankreich und ist wieder mittendrin. „Ich bin für den US-Fernsehsender NBC als Experte im Einsatz“, verriet der 44-Jährige gestern beim Sporttalk der OSTSEE-ZEITUNG in Rostock. Vor mehr als 100 Zuschauern plauderte Voigt locker und humorvoll über seine lange und erfolgreiche Karriere – der kurzweilige Abend wurde zu einem heiteren Heimspiel für den sympathischen Mecklenburger, der in Dassow (Nordwestmecklenburg) aufgewachsen ist.

„Die Tour de France war für mich immer das Größte: Das ist wie Champions League, wie Formel 1 in Monaco, wie der Ironman auf Hawaii. Das Fieber hat mich jedes Mal wieder gepackt“, sagt Voigt. 17

Mal saß der Ausnahmeathlet bei der Großen Schleife im Sattel, häufiger als er hat das kein Fahrer geschafft. „Ich bin 340 Tour-Etappen gefahren, habe also fast ein komplettes Jahr auf der Tour verbracht “, so Voigt, der „elf gebrochene Knochen und 25 Nägel und Schrauben“ im Körper hat: „Da muss man sich doch fragen: Soll ich darauf stolz sein oder ist das einfach nur bekloppt?“, fragt der Ex-Profi und liefert die Antwort gleich mit: „Die Tour war immer Lust, nie Last.“

Angefangen hat die Lust am Fahrradfahren vor mehr als dreieinhalb Jahrzehnten in seiner Heimatstadt Dassow. Weil er so ein „wilder Junge“ war, hieß es: „Der Junge muss mehr Sport machen!“, erzählt Voigt im Gespräch mit den OZ-Redakteuren Alexander Loew und Christian Lüsch. Sein erstes Rennen gewann er als Neunjähriger: die Bezirksmeisterschaft im Bergfahren auf Rügen. „Die letzten Meter bin ich gelaufen, weil es so steil war“, erinnert sich der einstige Ausreißerkönig im Peloton. Als 14-Jähriger zog Voigt von Dassow ins Sportinternat nach Berlin.

Dass aus diesen bescheidenen Anfängen eine der erfolgreichsten Radsport-Karrieren in Deutschland erwachsen würde, war damals nicht abzusehen. Noch 1994 – Voigt war gerade Gesamtweltcupsieger bei den Amateuren geworden – blieben die Türen der großen Teams für ihn verschlossen. „Ich habe das Team Telekom auf Knien angefleht: Nehmt mich doch, ich bin ein guter Fahrer!“ Keine Chance. Voigt fuhr nie für ein deutsches Team, stattdessen in Frankreich, Dänemark und Luxemburg. Als das Team Telekom ihn wollte, wollte Voigt nicht mehr. Sogar Lance Armstrong fragte zweimal bei ihm an. „Ich habe zweimal nein gesagt.“

Fahrrad fährt der Wahl-Berliner, der heute als Markenbotschafter seines Trek-Teams um die Welt reist, nur noch selten. „Ich bin fast genau so viel unterwegs wie früher. Aber wenn ich zu Hause bin, muss ich nicht mehr trainieren. Dann bin ich zu 100 Prozent Vater.“ Sehr zur Freude seiner sechs Kinder, von denen seine Töchter Kim (11), Maya (8) und Helen (5) gestern mit Ehefrau Stephanie mit nach Rostock gekommen waren. Auch seine Eltern Egon und Edith sowie seine Schwester Cornelia waren aus Dassow angereist und sichtbar stolz auf ihren Sohn Jens, der trotz aller Erfolge seine Bodenhaftung nicht verloren hat: „Ich war immer ein solider Fahrer, aber nie ein Superstar.“

Sönke Fröbe

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