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Eiskunstlauf: Streubel und Weinzierl verpassen WM-Finale

Boston Eiskunstlauf: Streubel und Weinzierl verpassen WM-Finale

Gehandicapt von einer Leistenzerrung verpasst der deutsche Eiskunstlauf-Meister Streubel bei seinem WM-Debüt das Finale. Nur wenige Stunden später scheidet auch die EM-Siebte Nathalie Weinzierl früh aus.

Boston. Franz Streubel schlug nach dem verkorksten Kurzprogramm bei der Eiskunstlauf-WM verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen, Nathalie Weinzierl war in Tränen aufgelöst.

Die Erklärungsversuche des an der Leiste verletzten deutschen Meisters in den Katakomben des TD Gardens von Boston klangen zwar plausibel, ändern aber nichts an der tristen Situation im deutschen Herren-Bereich. „Es ist unglücklich, dass mir das passiert ist, weil ich der einzige deutsche Läufer bei der WM bin“, meinte der gebürtige Berliner, nachdem er mit nur 57,19 Punkten das Finale der besten 24 Läufer verpasst hatte.

Nur Stunden später stand die Mannheimerin Weinzierl tief betrübt Rede und Antwort. „Das Training hier und das Einlaufen waren richtig gut. Ich war total perplex, dass das schiefgegangen ist“, sagte die Studentin. Nach einem Sturz beim dreifachen Toeloop leistete sich die 21-Jährige am Donnerstag noch einen Fehler bei einer Pirouette. Ein Raunen ging durch den mit 11 000 Zuschauern gefüllten TD Garden. Das Preisgericht gab der EM-Siebten nur 43,25 Punkte für das Programm zu „Feeling Good“ von Michael Buble - damit hatte sie keine Chance mehr auf die Kür der besten 24 Läuferinnen am Samstag.

Streubel spürte die Verletzung wegen der Schmerztabletten und Akupunkturnadeln im Ohr eigentlich nicht. Die mentale Sperre aber blieb. Beim vierfachen Toeloop und dem dreifachen Axel landete der für Oberstdorf startende Läufer krachend auf dem Eis.

Schon bei der EM hatte er als 14. sein Potenzial nicht abrufen können. Danach arbeitete er intensiv an seiner Kondition und wollte sein WM-Ticket rechtfertigen. „Er war super vorbereitet. Schade, dass er sich selbst nicht belohnt hat“, sagte Trainerin und Olympiasiegerin Anett Pötzsch. In Deutschland soll untersucht werden, ob er sich schwerer verletzt hat.

Bereits im Training war der Klassenunterschied von Streubel zu den Topleuten zu sehen. Weltrekordler Yuzuru Hanyu aus Japan zauberte die vierfachen Elemente nacheinander auf die Eisfläche - der Deutsche saß mehr auf dem Hosenboden.

In der Kurzkür schraubte sich Hanyu so federleicht bei seinen je vierfach gedrehten Toeloop und Salchow in die Höhe, dass ein Raunen durch das Publikum ging. Mit 110,56 Punkten liegt der 21 Jahre alte Olympiasieger fast uneinholbar vor seinem Trainingskameraden und WM-Titelverteidiger Javier Fernandez (98,52/Spanien).

Hanyu und Fernandez pushen sich gegenseitig - sie sind Schüler des Starcoaches Brian Orser in Toronto. „Ich bin sehr froh, denn ich war doch nervös. Mein Programm war aber noch nicht komplett, es kann noch besser sein“, sagte Hanyu. In der Grand-Prix-Serie Ende 2015 stellte er Punkte-Weltrekorde auf. Danach kehrte der Perfektionist für Monate in seine Heimat zurück. Er trainierte allein oder bei seinem Jugendcoach und bereitete sich erst kurz vor der WM wieder bei Orser in Kanada vor. Kontakte zur Orser in Kanada gab es nur per Mail.

So eigenständig und ehrgeizig ist Streubel nicht. Die Weltelite ist den Deutschen enteilt. Im vergangenen Jahr war der Olympia-Achte Peter Liebers bei der WM nur 29. geworden. Hätte Streubel wegen seiner Verletzung in Boston nicht starten können, hätte die Deutsche Eislauf-Union nicht einmal einen Ersatzläufer nominieren können. Die Berliner Liebers und Paul Fentz sind verletzt. Ansonsten erreichte keiner der deutschen Herren in dieser Saison WM-Niveau.

dpa

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