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„Er wusste gar nicht, wo oben und unten ist“

Hamburg „Er wusste gar nicht, wo oben und unten ist“

Bakery Jatta vom HSV hat als erster Flüchtling einen Vertrag bei einem Fußball-Bundesligisten erhalten

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Bakery Jatta (18) aus Gambia

Quelle: Axel Heimken/dpa

Hamburg. . Bälle sammeln, Zweikämpfe führen: Im Trainingslager des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV hat sich Bakery Jatta fast schon wie ein normaler Profi bewegt. In der Schweiz nahm er an allen Trainingseinheiten teil. Beim 13:0 gegen den lokalen Sechstligisten US Schluein Ilanz trug der 18-jährige Flüchtling aus Gambia zum ersten Mal das HSV-Trikot in einem Testspiel. „Er hat das schon ganz gut gemacht“, sagte Trainer Bruno Labbadia. „Aber wir müssen mit ihm auch noch viel arbeiten. Alles andere wäre ja Wahnsinn.“

Wahnsinnig ist die Geschichte des jungen Mannes, der vor seinem Engagement beim HSV noch nie in einem Verein gespielt hat, ohnehin. 2015 flüchtete er aus seiner Heimat, landete in einer Aufnahmeeinrichtung bei Bremen. Von dort kam der Kontakt zum HSV zustande, wo er schließlich einen Dreijahresvertrag als Profi unterschrieben hat. Damit ist er der erste Flüchtling in der Bundesliga.

„Wir müssen ihm auch als Mannschaft helfen“, meint Torwart René Adler. „Und wir sollten alle die Erwartungen an Bakery herunterschrauben.“ Alles andere könne Jatta nur überfordern. Das hatte Labbadia schon gleich beim Trainingsauftakt in Hamburg bemerkt: „Er wusste gar nicht recht, wo oben und unten ist.“

Im Trainingslager sah das alles schon geordneter aus. „Mit Ball lässt er erkennen, was er kann“, berichtet Labbadia, der Jatta als offensiven Mittelfeldspieler einsortiert hat. „Wie er mit seinen raumgreifenden Schritten über den Platz läuft – das war gut.“ Natürlich waren auch einige Sachen nicht so gut. Deswegen wird sich die Prognose von HSV-Chef Dietmar Beiersdorfer wohl bestätigen. „Bakery ist für uns auch ein Projekt“, hatte Beiersdorfer vor Beginn des Trainingslagers gesagt. „Wir wollen ihm auf seinem Weg helfen und vielleicht auch Unterstützung bieten für andere Menschen, denen es so geht wie ihm.“

Seit einem halben Jahr besucht Jatta die Schule und lernt Deutsch. Was seine sportliche Perspektive angeht, verbieten sich voreilige Prognosen. Als Nicht-EU-Spieler ist Jatta für das Regionalligateam nicht spielberechtigt. So fehlt ihm das, was er dringend braucht – Spielpraxis. Jedenfalls dann, wenn ihm nicht sofort der Durchbruch in der Bundesliga gelingt.

OZ

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