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Erst fünf Tage im Knast, dann fünf Kilometer Leiden

Lahti Erst fünf Tage im Knast, dann fünf Kilometer Leiden

Der Venezolaner Adrian Solano bei der Nordischen Ski-WM: Weder Terrorist noch Drogenschmuggler

Lahti. Im Zielraum in Lahti klapperten Adrian Solano wegen der ungewohnten Kälte die Zähne. Doch der Exot mit der ungewöhnlichsten Geschichte dieser Nordischen Ski- WM hielt glücklich die kleine Fahne seines Heimatlandes Venezuela in der Hand und lächelte. „Die fünf Tage im Knast in Paris waren definitiv schlimmer als die fünf Kilometer hier“, sagte er.

 

OZ-Bild

Skilangläufer Adrian Solano aus Venezuela.

Quelle: Foto: Imago

Eigentlich hätte er zehn Kilometer im Qualifikationsrennen laufen sollen. Doch der Mann mit der Startnummer 1 brauchte schon für die Hälfte die rekordverdächtige Zeit von gut einer Stunde und machte dann besser Schluss. Schon beim Start war der Langlauf-Anfänger zu spät gewesen, wurde vom Starter regelrecht auf die Strecke geschubst und strauchelte. Später stürzte der 22-Jährige gleich mehrfach in den Abfahrten, zerbrach einen Skistock und stapfte im schneckenhaften Zeitlupentempo die Berge hoch. Auch bei der finalen Einfahrt ins Stadion stürzte der mit Abstand langsamste Läufer des mit Langlauf-Exoten gespickten Starterfeldes zwei Mal, lag wie ein Maikäfer auf dem Rücken, kämpfte sich aber wieder hoch und wurde von den finnischen Fans im Ziel mit stehenden Ovationen gefeiert.

Die unglaubliche Odyssee seiner Anreise zu den Titelkämpfen lief in den skandinavischen Medien als „Big News“. Adrian Solano war auf dem Weg aus seiner Heimat bei einer Zwischenlandung auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle von der französischen Polizei aufgegriffen worden. „Bist du ein Terrorist? Schmuggelst du Drogen?“, fragten die Beamten Solano. Sie nahmen dem dunkelhäutigen Mann auch das Handy ab, so dass zuerst niemand von seinem Schicksal erfuhr.

Fünf Tage hielt die Polizei den Südamerikaner fest, der nur 20 Euro in bar und keine Kreditkarte dabeihatte. Als er davon erzählte, dass er bei der Nordischen Ski- WM in Finnland starten werde, wurde er ausgelacht. „Die Beamten dachten, er würde Drogen schmuggeln, weil er aus Venezuela kommt und eine dunkle Hautfarbe hat“, erzählte Solanos Teamkollege Cesar Baena: „Ich finde, das ist Rassismus!“ Die Botschaft versuchte zu helfen, doch Solano wurde zurückgeschickt. Mittlerweile hatten hilfsbereite Menschen über die Medien Wind davon bekommen und spendeten das Geld für das etwa 4000 Euro teure Flugticket von Venezuela nach Finnland – ohne Stopp in Paris.

So war Solano um drei Uhr morgens am Wettkampftag doch noch in Helsinki eingetroffen. „Vielen Dank an alle, die ein großes Herz haben! Ich bin sehr stolz darauf, was ich trotz der Schwierigkeiten erreicht habe und hoffe, dass wir eines Tages bei Olympia starten können“, sagte er im Ziel. Auf die Frage, wie er sein WM-Debüt feiern werde, war die Antwort kurz: „Ich will einfach nur ausruhen.

Ich friere schrecklich.“ Lars Becker

OZ

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