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„Es geht wieder bei null los – das haben einige nicht verstanden“

„Es geht wieder bei null los – das haben einige nicht verstanden“

Hansa-Trainer Christian Brand über den Fehlstart und den permanenten Existenzkampf

Hansa steckt wieder im Abstiegskampf. Ist das mittlerweile so etwas wie ein Naturgesetz, Herr Brand?

 

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Nachdenklich: Hansa-Trainer Christian Brand und seine Mannschaft haben in der 3. Liga einen Fehlstart hingelegt.

Quelle: Andy Bünning

Ohne Holthaus nach Köln

Linksverteidiger Fabian Holthaus (Oberschenkelzerrung) wird Hansa auch morgen beim Spiel gegen Fortuna Köln fehlen. Innenverteidiger Marcus Hoffmann ist nach überstandenen Knieproblemen wieder dabei.

Christian Brand: Nein, es ist doch so: Es gibt in Deutschland 56 Profivereine – mir fallen spontan zwei ein, die nicht gegen den Abstieg spielen: Bayern München und Borussia Dortmund. In der 1., 2. und 3. Liga haben sonst fast alle Vereine über kurz oder lang unglaubliche Mühe, die Klasse zu halten. Fußball verzichtet komplett auf Tradition, Fußball ist Gegenwart. Die Vereine, die gut arbeiten, die alles rauspressen, sind vorne dabei.

So wie am Sonnabend Lotte?

Brand: Ja, die waren einfach gut. Lotte hat so gespielt wie wir in der Rückrunde der letzten Saison. Die haben gekämpft und um jeden Ball gefightet. Das alles haben wir auch gemacht, ich kann der Mannschaft von ihrer Einstellung und ihrem Engagement her keinen Vorwurf machen. Aber Lotte hat eben noch mehr investiert. Die spielen momentan jede Partie wie ein Pokalspiel, sind voll am Anschlag.

Noch mal zurück zum Naturgesetz Abstiegskampf...

Brand: So würde ich das nicht nennen. Hansa hat eine sehr, sehr schwere Zeit hinter sich. Es ist einfach so, dass man so lange gegen den Abstieg spielt, bis man 45 Punkte hat. Das gilt in dieser Saison wahrscheinlich für 60, 70 Prozent der Vereine. Und wir sind dabei.

Zuletzt konnte kaum ein Spieler seine Normalform abrufen. Warum?

Brand: Wir haben in der Tat momentan einige, die nicht an ihrer Leistungsgrenze sind, auch Leistungsträger der vergangenen Saison. Ich bin aber überzeugt, dass die Mannschaft will.

Möglicherweise sagt sich mancher im Unterbewusstsein: Wir waren in der vergangenen Rückrunde die viertbeste Mannschaft – das kommt schon irgendwie. Aber das passiert nicht von selbst. Es geht um den Willen, immer das Optimum abzurufen, immer an hundert Prozent zu kommen. Wir sind noch nicht da, wo wir letzte Saison waren.

Warum tut sich Ihre Mannschaft dabei so schwer? Sie fängt ja nicht bei null an, sondern ist eingespielt und hat alle Leistungsträger behalten.

Brand: Mich wundert das nicht. Die Belastung im letzten Abstiegskampf, auch die psychische, war extrem hoch. Das war eine unglaublich hohe Anforderung für alle Spieler. Natürlich hofft man, die Mannschaft ist eingespielt und funktioniert. Aber das ist genau der Denkfehler: Es geht eben doch immer wieder bei null los, wir müssen uns alles immer wieder hart erarbeiten. Das haben einige Spieler noch nicht verstanden.

War es die falsche Entscheidung, so stark auf den alten Stamm zu setzen und die Mannschaft nur punktuell zu ergänzen?

Brand: Nein, das hat nichts mit der Zusammenstellung des Kaders zu tun. Wir haben mit Garbuschewski, Benyamina und Dorda drei gravierende Ausfälle und bei offensiven Standards dadurch ein Problem. Da fehlt uns die Qualität eines Ronny Garbuschewski.

Ist der interne Konkurrenzdruck groß genug, reicht die Qualität des Kaders aus?

Brand: Wir waren die ganze Zeit auf der Suche nach Neuzugängen, auch jetzt halten wir die Augen offen. Aber ich vertraue dieser Gruppe, diese Mannschaft hat ihre Qualität ja schon nachgewiesen. Davon abgesehen: Die Problematik, Spieler hierher zu holen, ist schon Wahnsinn. Was ich mir für eine blutige Nase geholt habe bei zig Gesprächen mit Spielern! Die sagen: Ihr habt Ultra-Gruppen, ihr habt Fan-Krawalle, meine Freundin will nicht so weit in den Osten! Es gibt Spieler, die sind lieber arbeitslos, als hierher zu kommen. Unfassbar!

Liefert das etwas schwammige Ziel, eine ruhige Saison spielen zu wollen, den Profis nicht ein komfortables Alibi?

Brand: Nein. Das bedeutet einfach, dass man die Ansprüche nicht zu hoch schrauben sollte. Ruhig heißt für mich, dass wir einen Schritt nach vorne machen und etwas entwickeln. Ich bin froh, dass ich nicht gesagt habe, wir müssen Sechster werden! Das hätte man mir spätestens jetzt um die Ohren gehauen.

Tut es nicht weh, wenn man von kleinen Vereinen wie Lotte, oder Großaspach links überholt wird?

Brand: Überhaupt nicht. Dieses Anspruchsdenken muss man sich abgewöhnen. Sicher, Hansa hat lange in der Bundesliga gespielt, aber das ist längst vorbei. Mir tut das nicht weh, denn ich bin Realist. Ich sehe, was der Verein in den letzten zehn, zwölf Jahren erlebt hat und sehe, wie jetzt der Zustand der Mannschaft ist.

In welchem Zustand ist sie denn?

Brand: Die Mannschaft ist super, wenn sie bei 100 Prozent ist, wenn sie alles rausknallt. Wenn sie das nicht tut, steht sie da, wo sie jetzt ist. Das Gute ist, dass wir erkannt haben: Es ist wieder Existenzkampf, es ist Abstiegskampf. Es hört niemand gerne, dass wir gegen den Abstieg spielen, ich auch nicht. Aber es ist Realität.

Der Druck wird von Spiel zu Spiel größer?

Brand: Klar ist der Druck da, aber diese Mannschaft braucht anscheinend immer Druck.

Interview von Sönke Fröbe

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