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„Es war gut, dass ich öfter dazwischengehauen habe“

„Es war gut, dass ich öfter dazwischengehauen habe“

Trainer Christian Brand über die Rückrunde, Hansas Gratwanderung und seine Pläne

Rostock Ein Sieg trennt Hansa noch vom Klassenerhalt in der 3. Liga. Ein Verdienst auch von Trainer Christian Brand (43), unter dem die Mannschaft in 16 Spielen 25 Punkte holte. Die OZ sprach mit ihm.

 

OZ-Bild

Führte das Team aus dem Tabellen- keller und holte in 16 Spielen 25 Punkte: Hansa-Trainer Christian Brand (43).

Quelle: Lutz Bongarts

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Was waren die prägenden Dinge, durch welche die Mannschaft noch die Kurve gekriegt hat?

Christian Brand: Wichtig war, dass wir alles komplett hinterfragt haben, auch die Hinrunde. Nicht alles war schlecht. Die defensive Stabilität war da, aber es fehlte zum Beispiel ein offensiver Plan. Gut war das Teamgefüge, allerdings gab es auch hier bei jedem Einzelnen noch Steigerungspotenzial. Ich habe den Spielern gesagt: Sucht bei euch selbst! Denn wenn ich mich individuell verbessere, helfe ich auch der Mannschaft. Das hat das Team verstanden, für mich die größte Leistung. Es sind junge Leute, die suchen Leitplanken und Hilfestellung. Die muss ich ihnen als Trainer geben.

Wer fällt Ihnen da spontan ein?

Brand: Marco Kofler, der eine extrem wichtige Rolle eingenommen hat. Nach der Winterpause war die Mannschaft nicht fokussiert, es gab viel Unruhe. Marco Kofler hat beim 1:5 in Köln eine Gelb- Rote Karte in der Halbzeit gesehen. Das habe ich in meiner ganzen Karriere noch nicht erlebt. Aber er hat sich wieder ins Team gekämpft, bis er durch eine Verletzung erneut rausfiel.

Trotzdem füllt er seine Rolle super mannschaftsdienlich aus. Das ist herausragend. Er verkörpert totale Professionalität, aber zwischendurch auch einen Übereifer, der in viele Gelbe Karten gemündet hat. In ihm spiegelt sich das Verhalten der Mannschaft wider.

In der Hinrunde 18. mit 18 Punkten, in der Rückrunde bisher 5. mit 25. Entspricht dieser fünfte Platz dem Potenzial der Mannschaft?

Brand: Ich bin da nicht sicher. Es kostet die Mannschaft sehr viel Kraft und Aufwand, um Spiele zu gewinnen. Wir haben keine Leichtigkeit, sondern müssen hart arbeiten. Wir wollen etwas entwickeln und haben diesen Weg gerade erst betreten.

Was ändert sich durch die Ausgliederung der Profi-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft in Ihrer Arbeit?

Brand: Nichts.

Befürchten Sie Druck oder Einflussnahme vom Investor Rolf Elgeti?

Brand: Ich bin für den sportlichen Bereich verantwortlich. Was im Hintergrund läuft, kann ich nicht beeinflussen. Aber ich habe bislang nicht den Eindruck gehabt, dass durch den Investor auf den Verein oder auf mich in irgendeiner Weise Druck ausgeübt wird.

Wann peilen Sie den Aufstieg an?

Brand: Fußball lässt sich nicht nach einem Fünfjahrplan entwickeln, gerade wenn ich die 3. Liga sehe. Cottbus und Wiesbaden, die gern aufgestiegen wären, spielen jetzt voll gegen den Abstieg. Natürlich kann ich was am Reißbrett entwerfen, wenn ich ein Budget von acht Millionen habe und Super-Super-Spieler hole. Aber auch dann muss es im Team funktionieren.

Vorstandschef Markus Kompp, der auch Sportchef ist, verlässt Hansa zum 30. Juni und ist aus privaten Gründen kaum noch in Rostock. Mit wem beraten Sie sich bei der Kaderplanung für die neue Saison?

Brand: Markus Kompp begleitet derzeit alles weiter. Wir haben eine „Transferkommission", der neben uns beiden auch meine Co-Trainer Uwe Ehlers und Stefan Karow angehören. Wir sitzen jede Woche zusammen, scouten in ganz Deutschland. Die Kontakte zu Peter Wibran und Marcus Lantz (beide Ex-Hansa-Profis/d. Red.) nach Schweden haben wir aufgefrischt.

Bei 13 Spielern läuft der Vertrag aus. Wie viele haben die Chance, dass mit ihnen verlängert wird?

Brand: Es gibt Spieler, die aufgrund ihrer Einsatzzeiten oder ihrer Historie im Verein wissen, wie es weitergeht. Spieler können die Zeichen schon deuten. Tommy Grupe, der lange verletzt war, ist ein Sonderfall. Bei ihm gibt es nicht nur die knallharte Seite. Er ist ein Junge aus Rostock. Ich möchte ihm die Chance geben zu zeigen, dass er hierhergehört. Ich denke, er bleibt.

17 Spieler sind über die Saison hinaus gebunden. Es wird also keinen Rundumschlag geben?

Brand: Das ist meine Absicht. Ich würde gern drei, vier Neue holen. Es kann auch sein, dass wir Spieler abgeben, die noch einen Vertrag haben.

Welchen Fußball soll die Mannschaft künftig spielen?

Brand: Mit hoher Geschwindigkeit, ballsicherer als jetzt, mit einem verbesserten Spielaufbau von hinten. Und grundsätzlich müssen alle Offensivspieler deutlich torgefährlicher werden.

Sie hatten schon einige Wutausbrüche auf dem Trainingsplatz. Ärgert Sie das im Nachhinein, wenn es so spontan passiert, obwohl man das auch in der Kabine hätte vorbringen können?

Brand: Die Ausbrüche im Training waren mehr als erforderlich. Spieler müssen immer wieder geweckt werden. Wenn wir bequem werden, verlieren wir Spiele. Und wenn ich nicht das Gefühl habe, dass sich ein Spieler weiterentwickeln will, muss ich was ändern.

Wie würde der Spieler Christian Brand den Trainer Christian Brand finden?

Brand: Ich glaube, gut. Weil ich das Gefühl hätte, dass er mir helfen möchte, dass er mir nützliche Tipps beim Coaching gibt. Klar, manchmal würde er mir auch brutal auf den Zeiger gehen, weil er mich nicht in Ruhe lässt. Das ist nichts Persönliches, sondern es geht mir um die Sache Hansa Rostock. Ich glaube, die Rückrunde ist auch deshalb so gut gelaufen, weil ich öfter dazwischengehauen habe.

Hansa Rostock ist heute ein ganz anderer Verein mit anderen Personen als zu Ihrer aktiven Zeit. Wie sehen Sie diese Veränderung?

Brand: Das Gefühl zu Hansa ist noch sehr in mir. Im Gegensatz zu meiner Zeit als Spieler habe ich nun als Trainer eine viel größere Verantwortung. Aber ich bin ständig vorsichtig. Weil sich der Verein an einer sehr steilen Klippe bewegt und aufpassen muss, dass er nicht runterfällt. Es muss Ruhe einkehren, es muss um Fußball und um eine Entwicklung gehen.

Mit Blick nach oben?

Brand: Wir schaffen jetzt den Klassenerhalt, davon bin ich fest überzeugt. Dann muss man den nächsten Schritt gehen, dass die Fahrt der Kogge ruhiger wird. Wir versuchen etwas zu entwickeln, sind aber gut beraten, den Ball flach zu halten. Aus der Negativentwicklung muss eine positive werden.

• Das komplette Interview auf

www.ostsee-zeitung.de

Von Interview von Kai Rehberg

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