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Fußball ganz oben

Celerina/Rostock Fußball ganz oben

Während die Platzwarte in MV mit Regen und sandigen Böden kämpfen, hat Marco Jola auf Europas höchstgelegenem Rasenplatz ganz andere Probleme

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Marco Jola (45) ist Platzmeister und gleichzeitig Trainer des Schweizer Dorfklubs FC Celerina. FOTOs (2): TOMMY BASTIAN

Celerina/Rostock. Marco Jola kniet nieder, streicht mit der rechten Hand über den Rasen. Vorsichtig zieht er einzelne grün-gelbe Halme aus dem Boden. Dann reibt er sie zwischen seinen Fingern. Jola spürt: Die Minusgrade in der Nacht haben dem Rasen zugesetzt.

OZ-Bild

Während die Platzwarte in MV mit Regen und sandigen Böden kämpfen, hat Marco Jola auf Europas höchstgelegenem Rasenplatz ganz andere Probleme

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Gefrorene Halme brechen, wenn Fußballer beim Training darüber laufen. Und wenn Halme brechen, wird der Rasen krank. Der 45-Jährige zweifelt. Kann hier ein letztes Mal gespielt werden? Als Platzwart würde Jola dem Rasen den Winterschlaf gönnen. Als Trainer des FC Celerina freut er sich, dass seine Mannschaft Anfang November noch ihr letztes Heimspiel in der zweitniedrigsten Schweizer Liga austragen kann.

Jola arbeitet an ganz besonderer Stelle. Er pflegt den höchstgelegenen Naturrasenplatz in Europa. 1730 Meter über dem Meeresspiegel in Celerina, einem Nachbardorf des Nobelorts St. Moritz. Die Region ist bekannt als Mekka des Wintersports. Im Februar findet hier zum fünften Mal die alpine Ski-WM statt. Doch das interessiert Jola wenig, ihn begeistert der Fußball.

Vor ein paar Wochen hat Jola den Rasen mit seinem 20 Jahre alten, rot lackierten Traktor „Toro Reelmaster 4500D“ letztmals gemäht. Er stellte die Schnitthöhe auf 2,8 Zentimeter ein, ließ die insgesamt vier Meter breiten Mähwerke herab, hängte die Kehrmaschine an und tuckerte behutsam über das Spielfeld. Eine Stunde lang hoch und runter.

Auf mehr als 1700 Metern ist Rasen hoch sensibel und braucht sehr viel Pflege. „Das Gras wächst wegen der kalten Nachttemperaturen langsamer als im Flachland. Selbst im Sommer haben wir selten mehr als zehn Grad“, erzählt Jola. Seine beste Zeit hat der Rasen im Juni und Juli. Dann glänzt er dicht und grün im hellen Sonnenlicht. Und dann kommen die Gäste: Profiklubs aus aller Welt wie der VfB Stuttgart, Tottenham Hotspur oder Al Ahly aus Saudi-Arabien schätzen Celerina wegen Jolas gut gepflegtem Rasen, vor allem aber wegen der Höhenluft, die die Fitness fördert.

An der Zufahrt zum Sportplatz hat Jola ein großes Schild an zwei Pfählen befestigt. In Kopfhöhe, so dass kein Passant es übersehen kann. In Weiß auf Rot steht dort unmissverständlich: Platz gesperrt.

Gleich nach dem letzten Spiel beginnt Jola damit, den Rasen winterfertig zu machen. Mit den Stacheln des „Aerifiziergeräts“ sticht er fünf bis neun Zentimeter tiefe Löcher, um den Gasaustausch und das Bodenleben der Bakterien zu fördern. Danach streut er 40 Kubikmeter Sand aus, um die Löcher wieder zu füllen. Vor dem ersten Schnee drängt die Zeit.

Seit 18 Jahren pflegt Jola den 1950 angelegten Rasenplatz – anfangs ehrenamtlich, mittlerweile als Werkmeister der Gemeinde Celerina. Das ist nicht selbstverständlich, denn viele Politiker des 1500- Einwohner-Dorfes und besonders des Kantons Graubünden stören sich an dem Sportplatz. Immer wieder lehnen sie Bauanträge ab, deshalb gibt es bis heute kein Flutlicht, keine Tribüne und keine Lautsprecheranlage. Immerhin: 2014 durfte nach langem Ringen ein unauffälliges Funktionsgebäude mit Kabinen, Kiosk und Geräteräumen errichtet werden.

Klubchef Romano Bontognali sagt, das Funktionsgebäude sei ein wichtiger Schritt. Doch der 33-Jährige, der bis zu seiner Wahl vor einem Jahr noch als Verteidiger gegnerische Angriffe abwehrte, muss nun gegen andere Widerstände ankämpfen.

In gewisser Weise sind Jola, Bontognali und ihre Mitstreiter die Fußball-Gallier der Schweiz. Sie spielen dort, wo andere nur Platz für Eis- und Skisport sehen. „Unsere Möglichkeiten sind eingeschränkt ohne Flutlicht und ohne Kunstrasen“, sagt Bontognali, der Wettbewerbsnachteil sei groß. Zumal sich nicht nur Politiker schwer tun, den FC Celerina zu unterstützen. Auch Umweltschützern ist der Platz ein Ärgernis, seit er vor 30 Jahren einer neuen Landschaftsschutzzone zugeordnet wurde.

Immerhin: Die extreme, ungezähmte Bergwelt birgt auch kleine Vorteile für Platzwart Jola und seine Kicker. Die Turmfalken und Fledermäuse, die in der nahen Kirchenruine San Gian nisten, haben es auf Nagetiere und Insekten abgesehen. Regelmäßig kontrolliert Jola, ob Mäuse den kostbaren Rasen durchwühlt haben oder ob sich Ungeziefer breit gemacht hat. Und stellt erfreut fest, dass weder Erdhügel noch angeknabberte Grashalme zu sehen sind. Und noch ein Gutes hat die umstrittene Landschaftsschutzzone: Sie bietet die vielleicht schönste Tribüne der Welt. Weil der Verein keine Sitz- oder Stehplatzreihen bauen darf, sitzen die wenigen Zuschauer im Gras am Hügel oder auf den Stümpfen gefallener Zirbelkiefern.

So auch beim letzten Heimspiel des FC Celerina im Jahr 2016, das 1:1 endet. Als die Mannschaft in der Kabine verschwindet, kniet Jola schon mal nieder und streicht mit der rechten Hand über den Rasen.

Die höchsten Stadien

Das höchste Stadion Europas ist das Ottmar-Hitzfeld-Stadion des FC Spon (Schweiz) auf rund 2000 Metern. Gespielt wird auf Kunstrasen. 2008 und 2012 fand dort die Bergdorf-EM statt.

Das Estadio Hernando Siles in der bolivianischen Hauptstadt La Paz liegt auf einer Höhe von 3637 Metern und ist damit das höchstgelegene Stadion der Welt.

Tommy Bastian

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