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Goalball — das rasante Spiel mit dem blinden Vertrauen

Rostock Goalball — das rasante Spiel mit dem blinden Vertrauen

Reno Tiede und Thomas Steiger liegen am Boden. Sie warten auf den Wurf. Der blaue Hartgummiball setzt kurz vor ihnen auf. Tiede reagiert sofort. Er reißt die Beine hoch und pariert.

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Für mich geht ein Lebenstraum in Erfüllung. Die Vorfreude auf Rio wächst von Tag zu Tag. Das ist eine einmalige Sache.“ Christian Friebel (26), RGC Hansa

Rostock. Reno Tiede und Thomas Steiger liegen am Boden. Sie warten auf den Wurf. Der blaue Hartgummiball setzt kurz vor ihnen auf. Tiede reagiert sofort. Er reißt die Beine hoch und pariert. Dabei hat der Linkshänder den Ball gar nicht gesehen. Er vertraut seinem Gehör. Reno Tiede, Thomas Steiger und Christian Friebel sind Goalball-Nationalspieler. Ein rasantes Spiel für Blinde und Sehbehinderte. Je drei Spieler treten gegeneinander an. Eine Partie dauert zweimal zwölf Minuten. Beide Teams haben rund 100 Angriffe. Das Tor ist neun Meter breit. Per Drehwurf wird der mit Glöckchen präparierte Ball auf 70 km/h beschleunigt.

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„Das Faszinierende an dem Sport ist, dass man auf seine beiden Mitspieler angewiesen ist. Ohne sie ist man auf verlorenem Posten. Kommunikation und Absprachen sind wichtig, natürlich auch das Vertrauen ins Gehör“, sagt Friebel.

„Früher wurde nur flach geballert“, erzählt Tiede. „Jetzt gibt‘s auch dreckige, also springende Bälle. Da muss man 3D hören“, fügt der 25-Jährige hinzu.

Tiede ist ein achtjähriger Steppke, Fußballer der SG Recknitz-Ost Thelkow, als seine Augen nicht mehr mitspielen. Auslöser ist ein Gendefekt. Lediglich ein Prozent Sehvermögen ist ihm geblieben. „Ich brauche keinen Blindenstock“, sagt Tiede, der als Finanzberater bei der Deutschen Vermögensberatung arbeitet und den Alltag auch dank moderner Hilfsmittel sehr gut meistert. „Es dauert etwas länger, aber man kommt ans Ziel.“

Kaum zu glauben, aber wahr: Ab und an schwingt sich Tiede auf sein Moped (Marke Simson) und dreht auf einem Acker — fernab jeglichen Straßenverkehrs — ein paar Runden. Für ihn ist das Training. „Wenn das Gehirn sagt, halt, stopp, muss man ‘ne Schippe drauflegen“, meint der gebürtige Rostocker.

Tiede ist Hansa-Fan, Mitglied auf Lebenszeit. Auf der Südtribüne fühlt er sich wohl. Dabei kann er das Spielgeschehen nur erahnen. „Ich kriege schon mit, ob Hansa gut gespielt hat“, versichert der Mann, der in der Goalball-Hochburg Marburg Unternehmensführung studiert hat. Doch Tiede zog es zurück an die Ostsee. Der Jugend-Weltmeister von 1997 ist Mitbegründer der Goalball-Bundesliga und des Rostocker Goalball-Clubs (RGC), für den er sich als Vereinschef, Trainer und Spieler engagiert. Unter anderem lockte er den Dresdner Christian Friebel (26), EM-Dritter von 2007, und U-19-Weltmeister Thomas Steiger (19) aus Bayern an die Küste.

„Reno ist ein positiv Verrückter. Er brennt für seinen Sport. Ich habe ihn im Laufe der Jahre kennen- und schätzen gelernt. Er ist für mich nicht nur ein toller Sportler und das Aushängeschild des Rostocker Goalballs, sondern ein guter Freund“, lobt RGC-Vize Arvid Langschwager den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, die das Ticket für die Paralympics in Rio de Janeiro (7. bis 18.

September) bereits in der Tasche hat.

„Je näher wir Rio kommen, umso mehr Puls kriege ich“, fiebert Steiger den Spielen entgegen. „Für mich geht ein Lebenstraum in Erfüllung“, sagt Tiede. Doch zunächst legt er den Fokus auf den Meisterschaftskampf mit dem RGC Hansa. „Eigentlich wollten wir erst nächstes Jahr um den Titel spielen, aber vielleicht klappt‘s ja schon früher“, meint Tiede mit Blick auf den morgigen Heimspieltag (siehe Infokasten).

Ende des Jahres beginnt für Tiede und Co. das Abenteuer Super European Goalball League. „Das ist wie die Champions League im Fußball. Wir reihen uns ein in Goalball-Hochburgen wie Malmö, Helsinki und Vilnius“, erzählt Tiede stolz. Dann konzentriert er sich auf den nächsten Wurf.

Goalball-Bundesliga macht in Rostock Station

Goalball ist die weltweit beliebteste Ballsportart für Menschen mit Sehbehinderung und bereits seit 1976 paralympisch. Das Ziel des Spiels besteht darin, einen 1250 Gramm schweren Klingelball in das gegnerische Tor zu werfen. Dabei stehen sich die beiden Mannschaften, die aus jeweils drei Spielern bestehen, auf einem 9 x 18 m großen Spielfeld gegenüber. Die Tore sind 9 Meter breit und 1,30 Meter hoch.

20 Mitglieder zählt der Rostocker Goalballclub (RGC), der am 8. Januar 2014 gegründet wurde. Klubchef ist Reno Tiede (25).

Sonnabend ist Bundesliga-Spieltag in Rostock. Der RGC trifft in der Sporthalle Lichtenhagen Dorf auf Blau-Weiß Neukloster (9.30 Uhr), Titelverteidiger Marburg (11.50 Uhr) und Viktoria Dortmund (15.20 Uhr). Der Eintritt ist frei.

2017 soll Rostock paralympischer Stützpunkt werden.

Von Stefan Ehlers

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