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Hansa-Legende Kische 65: Gefeiert wird in Namibia

Rostock Hansa-Legende Kische 65: Gefeiert wird in Namibia

Er ist der einzige Olympiasieger des Koggenklubs, war Spieler, Manager und Präsident – und polarisierte wie kaum ein anderer.

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Hansa-Ehrenmitglied Gerd Kische

Quelle: L. Bongarts

Rostock. Er ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten in der langen Geschichte des FC Hansa Rostock. Gerd Kische war Nationalspieler und Olympiasieger, Präsident und Manager, er war zupackend und erfolgreich – aber auch höchst umstritten. Am Sonntag wird der gebürtige Teterower 65 Jahre alt. „Eine große Feier ist nicht geplant“, sagt Kische. Stattdessen ist er mit seiner neuen Lebensgefährtin Manuela und engen Freunden nach Namibia gereist: „Ich bin jemand, der sowas lieber in aller Ruhe und zurückgezogen absolviert.“

OZ-Bild

Er ist der einzige Olympiasieger des Koggenklubs, war Spieler, Manager und Präsident – und polarisierte wie kaum ein anderer.

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Der einstige Lautsprecher, der sich oft impulsiv zu Wort meldete, wenn es bei „seinem“ FC Hansa mal wieder nicht lief, ist merklich ruhiger geworden. Kische geht zwar noch immer regelmäßig ins Ostseestadion und freut sich, wenn die Rostocker gewinnen. Doch er hat einen gewissen Abstand zu dem Klub gewonnen, bei dem er Ehrenmitglied ist. Vor wenigen Wochen lehnte er eine Anfrage des Vorstandes, ob er für den Aufsichtsrat kandidieren wolle, dankend ab (die OZ berichtete). Ein Amt bei Hansa strebe er nicht mehr an, sagt Kische gut zwei Jahrzehnte nach seinem krachenden Aus als Hansa- Manager: „Das Kapitel ist abgeschlossen. Außerdem muss man mit 65 mit seinen Kräften auch ein bisschen haushalten.“

Im Frühjahr 1995 – Hansa war auf dem Weg zurück in die Bundesliga – verkündete Präsident Peter- Michael Diestel den Rauswurf Kisches. Tatsächlich sei er am Abend zuvor nach heftigem Streit mit dem Präsidium von sich aus zurückgetreten, erklärt Kische, der Spieler wie Stefan Beinlich, Matthias Breitkreutz, Frantisek Straka oder Michael Spies und auch den jungen Trainer Frank Pagelsdorf nach Rostock holte. „Bei aller Bescheidenheit, da hatte ich ein ganz glückliches Händchen“, urteilt er im Rückblick: „Ich hätte das damals gerne noch ein bisschen weiter begleitet. Schade.“

Bis heute unvergessen ist auch Kisches öffentlich ausgetragene Fehde mit Uwe Reinders, über die der Aufstiegstrainer später einmal sagte: „Irgendwann war mir klar: Wir haben sportlichen Erfolg und einen Vollidioten als Präsidenten!“ Freunde sind die beiden Alphatiere danach nicht mehr geworden. „Ich habe immer im Sinne des Vereins gehandelt, es aber manchmal nach außen schlecht verkauft“, sagt Kische heute diplomatisch.

Als Spieler lebte er von seiner Athletik, seiner Dynamik und seiner Schnelligkeit (handgestoppte 10,7 Sekunden auf 100 Meter). Mit gerade mal 19 Jahren debütierte der stämmige Verteidiger (Spitzname „Bulle“) 1971 in Guadalajara gegen Mexiko in der DDR-Auswahl. „Beim Nachmittagskaffee kam Georg Buschner (DDR-Auswahltrainer/ d. Red.) zu mir und sagte: Du spielst heute Abend!“, erinnert sich Kische: „Das kam völlig überraschend, ich hab’ gezittert wie Espenlaub.“ 62 weitere Einsätze folgten. 1974 gehörte er zum legendären DDRTeam, das bei der WM 1974 Gastgeber BRD in Hamburg durch Jürgen Sparwassers Tor 1:0 besiegte. Sein größter sportlicher Erfolg war aber der Olympiasieg 1976 in Montreal durch einen 3:1-Finalerfolg gegen Polen. „Wenn du da auf dem Treppchen stehst und bekommst die Medaille umgehängt – dann ist das schon ein sehr besonderer Moment“, erzählt Kische.

In Erinnerung geblieben sind ihm auch seine Duelle mit dem polnischen Weltklasse-Linksaußen Grzegorz Lato („ein angenehmer Junge“) oder dem sowjetischen Superstar Oleg Blochin, Europas Fußballer des Jahres 1975. „Der war total wütend, weil er gegen mich nie Land gesehen hat und wollte sich nicht mit mir fotografieren lassen“, sagt Kische, der 1981 bei Hansa gehen musste, weil er seine Frau geschlagen hatte.

Kisches größte Leidenschaft ist mittlerweile nicht mehr der Fußball, sondern die Jagd: „Wenn es irgendwie möglich ist, gehe ich auf meinen Hochsitz.“ Als Ausgleich zu seiner Arbeit als Projektentwickler und zum Abschalten. Geweckt wurde die Lust auf das Weidmännische in den siebziger Jahren. „Als Hansa-Mannschaft wurden wir von der damaligen SED-Bezirksleitung oft auf Drückjagden eingeladen.“ Seit 1976 besitzt Kische, der heute in der Nähe von Laage wohnt, die Jagderlaubnis.

Bei seinem Geburtstagstrip nach Namibia bleibt die Flinte aber im Schrank. An Ruhestand denkt der Ex-Fußballer auch mit 65 noch nicht: „So lange ich so fit bin wie jetzt, auf gar keinen Fall!“

Olympiasieger 1976 und WM-Teilnehmer 1974

Geboren: 23. Oktober 1951 in Teterow. Familie: Sohn Stefan, Töchter

Kristin und Jana.

Vereine: Einheit Teterow, Post Neubrandenburg, Hansa Rostock (1970-81), TSG Bau Rostock (1981-83), Post Neubrandenburg (1983-84).

Oberliga-Spiele: 181 (11 Tore).

Länderspiele: 63.

Erfolge als Spieler: Junioren-Europameister 1970, WM-Teilnehmer 1974, Olympiasieger 1976. Oberliga-Aufstiege mit Hansa 1976, 1978, 1980.

Ämter im Fußball: 1991-93 Hansa- Präsident, 1993-95 Hansa-Manager, 1995 Manager Union Berlin, 2000 Manager Anker Wismar.

Sönke Fröbe

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