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„Ich bin Fußballer mit Leib und Seele“

„Ich bin Fußballer mit Leib und Seele“

Ex-Nationalspieler Thomas Doll, der seine Profikarriere bei Hansa startete und heute Ferencvaros Budapest trainiert, feiert seinen 50. Geburtstag am Sonnabend als frischgebackener ungarischer Meister

Herzlich Glückwunsch zum Meistertitel mit Ferencvaros! Am 7. Mai winkt sogar das Double. Haben Sie in Ungarn Ihr Fußball-Glück gefunden, Herr Doll?

 

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Thomas Doll mit seiner Lebensgefährtin, dem ehemaligen Model Kristin Kossi aus Hamburg, die heute als Künstlerin erfolgreich ist.

Quelle: Imago
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Zwei der besten Hansa-Spieler überhaupt: Thomas Doll (l.) und „Paule“ Beinlich.

Quelle: objectivo
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Thomas Doll mit seiner Lebensgefährtin, dem ehemaligen Model Kristin Kossi aus Hamburg, die heute als Künstlerin erfolgreich ist.

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Hansa-Stars -

das machen sie heute

Thomas Doll: Ja, das kann man wirklich genau so sagen. Zumal wir hier seit 2013 etwas aufbauen und entwickeln dürfen. 2015 nahm das Ganze Fahrt auf, wir wurden Pokalsieger, haben ungeheuer dominant Fußball gespielt und sind förmlich von Erfolg zu Erfolg geflogen.

Begonnen hat alles bei Hansa — vor mehr als drei Jahrzehnten.

Doll: Ja, Wahnsinn! Das ist sehr lange her, aber vieles ist mir noch sehr bewusst.

Erzählen Sie mal.

Doll: Wir haben damals noch auf Schotter trainiert, auf dem Platz genau vorm Stadion. In der Ecke stand eine Torschusswand, wo man technische Sachen trainieren konnte. Davor gab es die Torwartgrube, in der die Torhüter ihre Übungen gemacht haben. Und dann das Training mit den schweren, harten Bällen — die waren riesengroß! Wenn es geregnet hat, haben die sich so vollgesaugt — da hast du beim Kopfballtraining gedacht, dir fällt jedes Mal ein Sandsack auf den Kopf.

Sie wurden in Malchin geboren, gibt es nach all den Jahren noch Verbindungen nach MV?

Doll: Wenig. Meine Eltern und meine Schwestern leben in Heide beziehungsweise in Hamburg, dadurch hat sich das alles verlagert. Aber ich bin regelmäßig mit Thomas Finck und Paule Beinlich in Kontakt. Und ich guck‘ auch, was mit Hansa in der 3. Liga passiert.

Ihre ersten Schritte in der Bundesliga machten Sie beim Hamburger SV. Wie kam es dazu?

Doll: Ich war mit Dortmund schon ziemlich weit. Aber als ich die Chance hatte, mit Frank „Wuschi“ Rohde zusammen nach Hamburg zu gehen, habe ich mich für den HSV entschieden. Als Norddeutscher passte ich auch von der Mentalität her ganz gut nach Hamburg.

Waren Sie als Fußballer aus der DDR Exoten beim HSV?

Doll: Überhaupt nicht. Die Jungs haben uns nie merken lassen, dass wir Ossis sind. Außerdem wussten sie nach dem ersten oder zweiten Training: Die können ja kicken! Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt, und die Mannschaft hat sich gefreut, zwei gute Spieler dazu bekommen zu haben.

Schon nach einem Jahr wechselten Sie für 17 Millionen D-Mark Ablöse zu Lazio Rom. War Ihnen bewusst, dass dieses Geld den HSV vor dem Lizenzentzug bewahrte?

Doll: Nein, in welcher Not sich der Verein damals befand, habe ich erst später realisiert. Für mich stand im Vordergrund, dass ich in der Liga spiele, in der die besten Fußballer der Welt versammelt sind.

Welche Stars haben Ihren Weg in Italien gekreuzt?

Doll: Großartige Fußballer! Marco van Basten, Ruud Gullit, Frank Rijkaard, Franco Baresi, Paolo Maldini, Lothar Matthäus, Rudi Völler, Paul Gascoigne — Francesco Totti und Alessandro Nesta waren noch ganz jung. Ich habe Careca und Falcao noch erlebt. Diego Maradona ist in dem Jahr weggegangen, als ich kam — schade!

Nach Ihrer Spielerkarriere sind Sie Trainer im HSV-Nachwuchsbereich geworden. Gab es auch andere Optionen für Sie?

Doll: Ich habe erst mal mein Sportmanagement-Studium angefangen, wollte mich ein bisschen ausloten. Weil ich verletzt war, hatte ich viel Zeit, zu lernen und mir Gedanken über meine Zukunft zu machen. Dann kam das Angebot, als Co-Trainer der U 19 beim HSV einzusteigen. Ich habe in den Urlaub schon die ersten Bücher mitgenommen, weil ich gar nichts über Trainingslehre wusste.

Und die Leidenschaft für den Trainerjob war entfacht?

Doll: Ich habe gemerkt, dass es mir Spaß macht, das Training zu planen und vorzubereiten, den Jungs etwas zu vermitteln. Ich stehe gerne auf dem Trainingsplatz und gebe Dinge weiter, die ich gelernt habe. Außerdem mag ich es, selbst Neues zu lernen. In dieser Zeit war ich unheimlich fleißig: Wenn andere auf dem Golfplatz waren, habe ich mir alle Videos angesehen, die ich über neue Trainingsformen finden konnte.

Dann wurden Sie Nachfolger von Klaus Toppmöller als HSV-Trainer.

Doll: Dabei war die Bundesliga überhaupt nicht mein Ziel, ich fand mich im Nachwuchsbereich eigentlich ganz gut aufgehoben.

Sie haben den HSV als Abstiegskandidat übernommen und in die Champions League geführt. War der Tag der Entlassung der schwärzeste Ihrer Karriere?

Doll: Natürlich hat es wehgetan, aber ich wusste ja, was passieren würde. Ich war darauf vorbereitet.

Ärgert es Sie, dass ausgerechnet Ihre Wutrede als Trainer von Borussia Dortmund im kollektiven Gedächtnis haften blieb?

Doll: Nein, das ist — gerade in Deutschland — ganz normal, dass man in eine Schublade gesteckt wird. Mich wundert das nicht mehr.

Zumal Sie in Dortmund zunächst erfolgreich waren.

Doll: Als ich nach Dortmund gekommen bin und wir noch neun Spiele vor uns hatten, war der Klub total am Boden. Wir waren Vorletzter. Daran erinnern sich viele gar nicht mehr. Es war eine ganz enge Kiste. Wir haben es hinbekommen, der Mannschaft und dem Verein wieder Leben einzuhauchen.

Ihr Nachfolger beim BVB wurde dann Jürgen Klopp.

Doll: Bevor er all diese wunderbaren Erfolge mit Dortmund feierte, hatte ,Kloppo' ja auch ein schwieriges erstes Jahr, da ist nicht gleich alles so toll losgegangen.

Die Bundesliga scheint Sie seit dem Aus beim BVB vergessen zu haben. Oder gab es mal Anfragen?

Doll: Mein Name war hier und da mal im Gespräch, aber es ist nie richtig etwas zustande gekommen. Irgendwann ist das dann auch in Ordnung.

Bei Ferencvaros läuft es ja auch sehr gut. Ihr Vertrag ist bis 2017 datiert. Anfragen aus der Bundesliga können Sie nicht locken?

Doll: Zum jetzigen Zeitpunkt ist das gar kein Thema. Ich denke, dass Ferencvaros irgendwann auf mich zukommen und fragen wird, ob wir den Vertrag nicht verlängern wollen. Da bin ich dann auch nicht abgeneigt.

Sprechen Sie Ungarisch?

Doll: Ich kann ein paar Brocken, einzelne Wörter, aber ich verständige mich eher auf Englisch. Ich habe mir sagen lassen, dass Ungarisch nach Chinesisch die zweitschwerste Sprache der Welt ist.

Wie feiern Sie Ihren Geburtstag?

Doll: Erst mal spielen wir das Derby gegen Honved, das ich natürlich gewinnen will. Abends gibt es dann eine große Feier in einem Budapester Hotel.

Haben Sie ein Problem mit der 50?

Doll: Ein bisschen merkwürdig ist das schon. Ein Problem habe ich nicht, weil ich ja weiß, dass das mein Alter ist. So richtig vertraut machen kann ich mich damit aber noch nicht. Dass Andy Thom, Ulf Kirsten und meine Jungs aus Rostock wie Volker Röhrich und Heiko März alle schon 50 sind, beruhigt mich ein bisschen.

• Das ungekürzte Interview: oz-sportbuzzer.de

Erfolge als Trainer mit dem HSV und Borussia Dortmund

Geboren: 9. April 1966 in Malchin.

Familie: 2 Töchter, Lebensgefährtin: Kristin Kossi.

Stationen als Spieler: Hansa Rostock (1983-86), BFC Dynamo (1986-90), Hamburger SV (1990-91), Lazio Rom (1991-93), Eintracht Frankfurt (1993-96), AS Bari (1996-98), Hamburger SV (1998-2001).

Nationalmannschaft: 47 Spiele

(29 DDR/18 Deutschland).

Stationen als Trainer: HSV U 19 (2001-02), HSV II (2002-04), HSV (2004-2007), Borussia Dortmund (2007-08), Gençlerbirligi Ankara (2009-10), Al Hilal/Saudi Arabien (2010-11), Ferencvaros Budapest

(seit 2013).

Erfolge als Trainer: Bundesliga-

Dritter mit dem HSV 2006, DFB-Pokalfinale 2008 mit Borussia Dortmund (1:2 n.V. gegen Bayern München);

Pokalsieger 2015 und Meister 2016 mit Ferencvaros Budapest.

Von Interview von Sönke Fröbe

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