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Im Gleichtritt zum gemeinsamen Ziel

Rostock Im Gleichtritt zum gemeinsamen Ziel

Stefan Nimke und Kai Kruse greifen auf dem Tandem bei den Paralympics nach einer Medaille / Für den Olympiasieger aus Schwerin wird es eine neue Erfahrung

Rostock. Mit 38 Jahren betritt Stefan Nimke noch einmal sportliches Neuland: Nach vier Olympia- Einsätzen mit vier Medaillen wird das Schweriner Bahnrad-Ass im September erstmals bei den Paralympics starten. Statt als Einzelkämpfer tritt der einstige Zeitfahrspezialist gemeinsam mit dem sehbehinderten Kai Kruse (24) auf dem Tandem in die Pedale.

 

OZ-Bild

Stefan Nimke (vorn) und der sehbehinderte Kai Kruse sitzen seit drei Jahren auf dem Tandem.

Quelle: Peter Hartig

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nach Rio

Ihr neues Sportgerät ist erst vor einer Woche aus der Werkstatt gekommen. „Wir haben es etwas kompakter machen lassen, damit Kai noch dichter an mich ranrückt“, erklärt der vorn sitzende Nimke:

„Jetzt ist es optimal.“ Das rund 15000 Euro teure Hightech- Gerät wurde in der Technikschmiede des Berliner Forschungs- und Entwicklungszentrums für Sportgeräte (FES) ausgetüftelt. Gebaut hat es eine Firma bei Hannover. „Ohne Stefans Kontakte wäre das nichts geworden“, betont Kai Kruse.

Der ehemalige Ruderer sitzt seit drei Jahren gemeinsam mit dem Weltklasse-Rennfahrer im Sattel. Jeder der beiden hatte 2012 bei seinen Spielen in London einen schwarzen Tag erwischt. Nimke musste kurz vor dem olympischen Teamsprint-Finale verletzt passen, seine Kollegen holten Bronze. Kruse verpasste bei den Paralympics mit dem gemischten Viererboot das erhoffte Gold, weil jemand im Team patzte.

„Ich hatte keinen Bock mehr auf Gruppen-Sport. Ich wollte lieber was Individuelles machen“, berichtete Kruse. Der gebürtige Hamburger, der seit seiner frühen Kindheit nur auf seinem linken Auge noch über zehn Prozent Sehstärke verfügt („Ich sehe die Konturen, aber keine Details“), wurde vom Behindertensport-Verband für den Radsport gecastet. Auch Nimke hatte sich dem Projekt „Tandem 2016“

angeschlossen – und so fand das Duo zusammen.

Das Training läuft kurioserweise aber getrennt. Kruse wird in Berlin individuell von Radsprint-Altmeister Emanuel Raasch betreut, Nimke in Schwerin von seinem langjährigen Coach Ronald Grimm. „Vom Trainingsaufwand her macht das für mich keinen Unterschied zu vorher: sechs Tage Sport, ein Tag frei“, sagt Nimke, der bei der Landespolizei angestellt ist.

Auf dem Tandem müssen dann die beiden Individualisten ihre Kraft und Technik optimal und harmonisch vereinen. „Die anfänglichen Schwierigkeiten, wo wir ganz schön ,gehoppelt’ sind, sind vorbei“, sagt Nimke. Der sechsmalige Weltmeister musste seine „Pilotenrolle“ auf dem Zweierrad erst lernen. „Es lenkt sich ganz anders. Wie auf einem Motorrad, wenn man einen 90-Kilo-Sozius hintendrauf hat.“

Generell gilt auf ihrem Tandem die Devise: Jeder tritt das, was er kann. „Es hat sich gut eingespielt“, sagt Kai Kruse, der bis zu seinem sportlichen Umstieg nur Freizeit-Radler war. Nimke ist zufrieden, wie sich sein Mitstreiter in den vergangenen drei Jahren gemacht hat: „Kai hat sich körperlich enorm entwickelt und ist stetig schneller geworden.“

2014, bei seiner WM-Premiere im Paracycling, wurde das Duo im 1000-Meter-Zeitfahren Fünfter. Im Vorjahr holten die beiden Bronze, in diesem Jahr verpassten sie als Vierte knapp eine Medaille – fuhren aber Bestzeit. „Die Leistungen im Paracycling sind richtig nach oben geknallt. Was da gezeigt wird, ist enorm“, stellt Nimke fest. Dennoch sind sich beide einig: In Rio soll es eine Medaille werden.

Zumal sie dort auch noch ein Straßenrennen fahren. „Große Events haben wir beide schon erlebt. Deshalb hat man mittlerweile mehr als den Gedanken, nur dabei zu sein“, sagt Kai Kruse. Und auch Stefan Nimke fliegt nicht nach Rio, um sich den Zuckerhut anzuschauen: „Wenn man wie wir schon internationale Medaillen gewonnen hat, hat man einen anderen Anspruch.“

Um ein Duo wie aus einem Guss zu formen, geht es im Juli und August zu Trainingslagern nach Italien, in die Schweiz und nach Frankfurt/Oder. Stefan Nimke bereitet sich auf Rio genauso konzentriert vor wie auf seine bisherigen Sommerspiele. „Für mich“, sagt der erfahrene Mecklenburger, „sind die Paralympics genau so viel wert wie Olympia“.

Bis zu 14 MV-Starter

Für die Paralympics qualifiziert: Carmen Brussig, Ramona Brussig (beide Schwerin/Judo), Kai Kruse, Stefan Nimke (beide Schwerin/Radsport), Denise Grahl (Rostock/Schwimmen), Reno Tiede, Thomas Steiger, Christian Friebel (alle Rostock/Goalball), Simone Briese- Baetke (Rostock/Rollstuhlfechten).

Norm mehrfach erfüllt: Jana Schmidt (Rostock/Leichtathletik).

Noch mit Teilnahme-Chance: Balwinder Cheema (Rostock/Rollstuhlfechten) als Nachrücker; Marcus Klemp (Ribnitz-Damgarten/Rudern) als Ersatzmann; Lindy Ave (Greifswald/Leichtathletik);

Marcel Lehmann (Neukloster/Goalball) als Ersatzmann.

Kai Rehberg

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