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Kein Ende im Ringen um Russland-Starter

Rio de Janeiro Kein Ende im Ringen um Russland-Starter

Die sportjuristischen Winkelzüge um Russlands Olympia-Teilnehmer gehen weiter. Nach einem CAS-Urteil dürfen russische Athleten mit Doping-Vergangenheit nicht von den Rio-Spielen ausgeschlossen werden. Endgültig über die Startgenehmigung darf aber das IOC entscheiden.

Rio de Janeiro. Das Ringen um das Startrecht russischer Athleten nahm auch am Eröffnungstag der Olympischen Spiele in Rio noch kein Ende.

Nachdem der Internationale Sportgerichtshof CAS den Olympia-Ausschluss von drei schon einmal gedopten Sportlern aus Russland ablehnte, ging das große Prüfen weiter. „Wir sind natürlich enttäuscht, dass der CAS unsere Maßnahmen gegen gedopte Athleten als zu hart betrachtet. Aber wir akzeptieren deren Beurteilung“, hieß es in einer IOC-Stellungnahme. Das letzte Wort will der olympische Ausrichter dennoch behalten.

Schwimm-Weltmeisterin Julija Jefimowa erhielt vom IOC anscheinend grünes Licht. Das zumindest teilte Igor Kasikow als Delegationsleiter der russischen Olympia-Mannschaft am Freitag der Nachrichtenagentur Tass mit. „Wir haben einen Brief vom IOC erhalten, dass sie teilnehmen darf“, sagte Kasikow.

Zuvor hatte der CAS in mehreren Fällen russischer Sportler festgestellt, dass sie wegen ihrer früheren Dopingsperren nicht noch einmal mit einer Verbannung von Olympia bestraft werden dürfen. Da das CAS aber zugleich die Anträge dieser Sportler auf Startrecht in Rio zurückgewiesen hat, mussten im Eilverfahren erst die Weltverbände eine Teilnahme-Genehmigung prüfen.

Auch der Segler Pawel Sosikin und drei russische Radsportler kamen durch diese Hintertür noch zum sportjuristischen Erfolg. Olga Sabelinskaja wird nun am Straßenrennen teilnehmen können, wie der Geschäftsführer des russischen Verbands der Nachrichtenagentur AP bestätigte. Auch Ilnur Sakarin und Bahnsprinter Sergej Schilow dürften nun in Rio dabei sein, werden aber wohl trotzdem nicht starten. Der offenbar nicht fitte Sakarin fehle aus „einm Zusammentreffen von Umständen“, hieß es. Schilows drei Teamkollegen im Bahn-Vierer droht wegen Dopings der Olympia-Ausschluss.

Im Fall der russischen Ruderer blieb die FISA hart. Anastassija Karabelschtschikowa und Iwan Podschiwalow dürfen trotz des Teilerfolges vor dem CAS bei Olympia nicht ins Boot steigen. Die Skullerin kann laut einer FISA-Mitteilung die Vorgaben zur nötigen Zahl international unabhängiger Doping-Tests nicht erfüllen. Podschiwalow wäre zwar startberechtigt, doch der russische Verband möchte die Besetzung seines Doppelvierer vor dem Vorlauf am Samstag nicht mehr ändern. Im Fall Jefimowa gab es zunächst noch kein Prüfergebnis der FINA.

Nach den Fachverbänden checkt noch ein CAS-Experte, ob die Entscheidung regelkonform sind, und am Ende musste noch das Dreier-Gremium des IOC um die deutsche Athletensprecherin Claudia Bokel final befinden, ob die Ex-Gedopten mitmachen dürfen. Das IOC hatte im Staatsdoping-Skandal um Russland auch entschieden, dass Athleten aus dem Land mit Doping-Vergangenheit nicht antreten dürfen.

Russlands Sportminister Witali Mutko frohlockte, dass dank der Schützenhilfe durch den CAS zu den 271 vom IOC zugelassenen Athleten noch weitere hinzukommen. „Auch unsere Verbände müssen aktiv werden, dann kann die Zusammensetzung der Mannschaft noch ausgeweitet werden“, sagte er der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Ursprünglich standen 389 Athleten auf der Liste des Nationalen Olympischen Komitees Russlands für Rio.

Der Deutsche Olympische Sportbund übte heftige Kritik an den Weltverbänden und deren Prüfungen des Startrechts von russischen Athleten für die Rio-Spiele. „Legt man die harten Kriterien des IOC-Beschlusses vom 24. Juli zugrunde, dann ist diese hohe Zahl angesichts der Schwere der vom McLaren-Report belegten Missstände und der bewiesenen staatlichen Lenkung des Dopings in Russland kaum nachvollziehbar“, hieß es in einer DOSB-Erklärung. „Sie lässt vermuten, dass die Weltverbände der einzelnen Sportarten nicht mit gleichem Maß und nach gleichen Kriterien gemessen haben.“

Es dränge sich deshalb „der Eindruck auf, dass der IOC-Beschluss trotz Prüfung durch CAS-Experten und der vom IOC eingesetzten Kommission nicht in allen Sportarten konsequent umgesetzt wurde“, hieß es weiter. „Damit ist aktuell die Chance auf ein deutliches Zeichen im Anti-Doping-Kampf verpasst worden.“

Nicht verstehen kann der deutsche Schwimm-Chefbundestrainer Henning Lambertz das Gerangel um das Olympia-Startrecht von Jefimowa. „Die schieben sich das Ding hin und her, keiner will eine harte Entscheidung treffen. Eine mögliche wäre gewesen, sie nicht unter russischer Flagge starten zu lassen, dass sie hier keine Hymne hören kann“, sagte Lambertz der dpa.

Als unwahrscheinlich gilt, dass sich Whistleblowerin Julia Stepanowa mit einer Klage beim CAS noch das olympische Startrecht sichern will. Auch die 800-Meter-Läuferin war wegen einer verbüßten Doping-Sperre für die Rio-Spiele abgewiesen worden. Als Kronzeugin enthüllte sie das systematische Doping in der Leichtathletik Russlands.

Es gibt aber viele Sympathisanten, die sie gern am Zuckerhut laufen sehen würden. Fast 250 000 Menschen hatten bis zur offiziellen Olympia-Eröffnung die Online-Petition für ihren Start unterzeichnet.

dpa

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Rio de Janeiro

Auch wenn Russland gerade in beispielloser Manier am Doping-Pranger steht: Kaum jemand verschließt die Augen davor, dass auch andere Länder erhebliche Probleme haben, ihr Sportler zu überwachen.

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