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LSB-Chef Remer nimmt nach 26 Jahren seinen Hut

Schwerin LSB-Chef Remer nimmt nach 26 Jahren seinen Hut

Der 71-Jährige stellt sich beim Landessporttag morgen in Güstrow nicht mehr zur Wahl.

Schwerin. . Wolfgang Remer hofft auf einen möglichst geräuschlosen Abschied – „ohne viel Theater“. Ein Wunsch, der unerfüllt bleiben wird. Wenn der dienstälteste Landessportbund-Präsident Deutschlands seinen Hut nimmt, geht es nicht ohne Trubel. 26 Jahre lang hat er den Sport in Mecklenburg-Vorpommern geprägt. In seiner Amtszeit nahmen rund 100 Athleten aus MV an Olympischen Spielen teil und erkämpften 27 Medaillen (10 Gold, 8 Silber, 9 Bronze).

OZ-Bild

Der 71-Jährige stellt sich beim Landessporttag morgen in Güstrow nicht mehr zur Wahl.

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Remer war bei den Olympischen Spielen in Athen, Peking und London dabei. Er ist Initiator der Jugend- und Senioren-Sportspiele in MV, hat die Baltic Sea Youth Games ins Leben gerufen und engagiert sich für Projekte wie „Sport statt Gewalt“.

Morgen endet seine Amtszeit. Der mit seiner Ehefrau Heike in Sukow bei Plate lebende 71-Jährige stellt sich beim 19. Landessporttag in Güstrow nicht mehr zur Wahl. „Ich gehe zum zweiten Mal in Rente“, sagt Remer und lacht. Klar sei ein bisschen Wehmut dabei, räumt er ein. „Aber ich weiß ja seit fünf Jahren, dass ich nicht weitermachen will. Nach 26 Jahren reicht es auch. Da muss ein Wechsel her. Es sollen Jüngere ran – mit neuen Ideen.“ Er habe Präsidenten erlebt, die den Absprung nicht geschafft haben. „Das sieht dann immer traurig aus. Das muss nicht sein.“

Offiziell verabschiedet wird Wolfgang Remer am 7. Dezember in Güstrow – dort, wo seine Ära einst begann. Am 29. September 1990 wurde der gebürtige Schweriner zum ersten LSB-Präsidenten gewählt.

Mehr als ein Vierteljahrhundert später sitzt Wolfgang Remer in Schwerin im Café Prag, nippt am Cappuccino und erinnert er sich an die turbulente Wendezeit. „Damals sind übergangsweise noch Gelder der alten DDR-Regierung geflossen. Das haben wir gleich weitergereicht an die Vereine. Die hatten ja auch nichts“, sagt Remer. Das ging so lange gut, bis die Landesregierung von den Zuschüssen Wind bekam. „Wir mussten alles zurückzahlen, obwohl wir es schon ausgegeben hatten.“ Eine Episode, über die er heute lachen kann.

Auch die Erinnerung an das erste Gespräch mit dem damaligen Landtagspräsidenten Rainer Prachtl lässt Remer schmunzeln. „Ich hatte zu dem Treffen extra meinen sogenannten Vorzeige-Wessi, den aus den alten Bundesländern stammenden Schatzmeister Hans- Jürgen Oerle, mitgenommen. Prachtl hat gesagt: ,Euch akzeptiere ich nicht. Ihr seid ja noch die Alten und gar nicht demokratisch gewählt’. Ich habe ihn gefragt, wer ihn denn gewählt hat. Das waren doch auch die ehemaligen DDR- Bürger“, erzählt Remer und fügt hinzu: „Inzwischen verstehen wir uns hervorragend.“

Wie Millionen andere musste sich auch Remer im vereinten Deutschland neu orientieren. Der studierte Lehrer (Mathe, Physik) verlor seinen Job als Schulleiter der Kinder- und Jugend-Sportschule. Remer verkaufte Versicherungen, war Geschäftsführer einer GmbH und arbeitete als Technischer Leiter im Schweriner Rundfunk.

„Das war eine verrückte Zeit“, meint Remer, der als LSB-Präsident vieles auf den Weg gebracht hat. Heute bieten die Olympiastützpunkte in Rostock, Schwerin und Neubrandenburg Top-Bedingungen. Die Zahl der Mitglieder in Sportvereinen hat sich von 120000 (1990) bis heute verdoppelt. Doch ausgerechnet die Entwicklung beim Fußball-Drittligisten FC Hansa Rostock – mit 10900 Mitgliedern größter Verein im Land – stimmt den LSB-Chef nachdenklich. „Es ist traurig, was da passiert – sowohl sportlich als auch mit den sogenannten Fans. Das Schlimme ist, dass die Fans immer mehr Einfluss gewinnen.“

Auch im Leistungssport ging es stetig bergab. „Das ist ein gesamtdeutsches Phänomen“, meint Remer. Die Ursachen seien vielschichtig. Beispielsweise sei das Sichtungssystem nahezu zusammengebrochen.

Gut ausgebildete Trainer sind im Ruhestand oder kurz davor. Finanziell lukrativ sei der Trainerjob ohnehin nicht. „Ich unterschreibe Arbeitsverträge, da stehen einem die Haare zu Berge – so wenig ist das. Bei uns kommen Trainer nicht an das Gehalt eines Lehrers heran.“ Zudem sei es immer schwieriger, junge Menschen für den Leistungssport zu begeistern. „Es gibt so viele Möglichkeiten, seine Freizeit anders zu gestalten, als nur im Stadion im Kreis zu laufen.“

Remer ist ein Befürworter der zentralen Sportförderung. Aber welcher Verein, welches Land sei bereit, Zeit und Geld in die Ausbildung junger Sportler zu investieren, um diese dann an die Stützpunkte nach Dortmund, Saarbrücken oder Berlin zu schicken?, fragt Remer, der dem Sport auch nach Ende seiner Amtszeit treu bleiben wird: aktiv auf dem Golfplatz und passiv als Zuschauer der Schweriner Volleyballerinnen und als Ehrenmitglied des Schützenbundes. „Die Kontakte reißen ja nicht ab“, sagt der Vater eines erwachsenen Sohnes.

Seinem Nachfolger – einziger Kandidat ist Andreas Bluhm – wünscht Remer alles Gute. Sollte der Neue Rat brauchen, könne er jederzeit anrufen, versichert Remer und macht eines deutlich: Einmischen werde er sich nicht.

Andreas Bluhm einziger Nachfolge-Kandidat

Andreas Bluhm wurde am 10. Dezember 1959 in Schwerin geboren. Der gelernte Maschinen- und Anlagenmonteur erwarb in Wismar die Hochschulreife und studierte Gesellschaftswissenschaften. 1990 zog Bluhm als jüngster Abgeordneter für die damalige PDS (heute Die Linke) in den Schweriner Landtag ein, dem er 21 Jahre angehörte und in dem er zehn Jahre lang als 2. Vizepräsident tätig war.

Der 56-Jährige ist seit der Wende Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Vor vier Jahren wurde er zum Präsidenten des Leichtathletik-Verbandes von MV gewählt. Auf dem Landessporttag ist der langjährige LSB-Vize morgen der einzige Kandidat auf die Nachfolge von Präsident Wolfgang Remer. Andreas Bluhm ist Vater von zwei erwachsenen Kindern und in zweiter Ehe verheiratet.

Stefan Ehlers

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