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Mit Tempo 70 auf Torejagd – die Vollgas-Fußballer aus Jarmen

Jarmen Mit Tempo 70 auf Torejagd – die Vollgas-Fußballer aus Jarmen

Die Motoballer feiern 45. Jubiläum. Zum Auftakt der Bundesliga kommt Malchin zum Derby.

Jarmen. Ein sonniger Frühlingstag in Jarmen. Das schöne Wetter lockt Spaziergänger an den Kiessee. Urplötzlich dröhnen Motoren. Während sich die Motoballer warmfahren, ertönt auf dem benachbarten Platz der Schlusspfiff. Die Fußballer des Kreisoberligisten SV Blau- Weiß haben ihr Heimspiel gegen Behrenhoff vergeigt. „Sie haben extra früher angefangen, damit die Zuschauer anschließend zu uns kommen können“, erzählt Joachim Block, Klubchef des MSC Jarmen. Seine Frau Doris ist die Finanzchefin des 90 Mitglieder zählenden Vereins. An Spieltagen sitzt sie im Kassenhäuschen. 4 Euro kostet der Eintritt, Kinder zahlen 1,50.

Dafür wird seit Jahrzehnten erstklassiger Sport in der Kleinstadt im Landkreis Vorpommern-Greifswald geboten. Der MSC Jarmen, der im Sommer sein 45-jähriges Jubiläum feiert, war zu DDR-Zeiten zwei Mal Meister und mischt seit der Wende in der Bundesliga mit. „Wir sind die einzige Mannschaft, die bisher jedes Jahr die Play-off- Runde erreicht hat“, sagt Torhüter Toni Siegler (34) nicht ohne Stolz.

14 Mannschaften spielen in zwei Gruppen. Die jeweils besten vier ermitteln den Meister. „Wir waren ein paar Mal im Halbfinale, aber die Vereine aus dem Süden haben ganz andere finanzielle Möglichkeiten“, weiß Teamchef Roger Nast.

Im Pokal-Achtelfinale gegen den Serienmeister aus Ubstadt- Weiher (Baden-Württemberg) wird das Nord-Süd-Gefälle schnell deutlich. Jarmen ist gegen den mit Nationalspielern gespickten Kontrahenten chancenlos – 0:16 und 4:10. Geld regiert auch die Motorsport-Welt.

Über 40 000 Euro muss der MSC pro Saison aufbringen. Hauptsponsor ist das ortsansässige Bauunternehmen Gorkow. Auch der ADAC hilft. Die 7000 Euro teuren Zwei- Takt-Maschinen stellt der Verein, der zudem eine Jugend-Mannschaft ins Rennen schickt.

Sonntag ist Saisonauftakt. Dann kommt der MSC Kobra Malchin in das am Waldrand gelegene Stadion. Mehr als 600 Zuschauer werden zum MV-Derby erwartet, das um 15.00 Uhr beginnt.

Motoball ist eine temposcharfe Kombination aus Fußball und Motorsport. Es dröhnt, es staubt, es kracht. Mit bis zu 70 Sachen jagen die tollkühnen Männer auf ihren heißen Maschinen dem großen Ball hinterher. Nur der Torhüter ist als Fußgänger in Aktion.

Toni Siegler kam vor drei Jahren zum MSC. „Ich habe über zwanzig Jahre lang Fußball gespielt, aber das war nicht so schön wie Motoball. Ich will hier nicht mehr weg“, versichert er.

Freistoß für den MSC. Max Tews steht an der Mittellinie. Er ist auf den Ball fokussiert, der 16 Meter vor dem gegnerischen Tor liegt. Tews gibt Gas und kickt die Kugel aus voller Fahrt mit dem rechten Fuß. Der Ball wird von einem Gäste-Spieler abgefälscht – Tor. Roger Nast lächelt zufrieden. „Die Jungs stammen alle aus der Region“, erzählt der Teamchef. Training sei nur sporadisch möglich, sagt der 44-Jährige und nennt den Grund: „Viele Spieler arbeiten auf Montage.“

Auch Miguel Gomez jobt oft Hunderte Kilometer von Jarmen entfernt. Der gebürtige Kubaner ist als Kind nach Deutschland gekommen. „Damals konnte er nur Fahrrad fahren, jetzt ist er einer unserer Besten“, meint Trainer Detlef Sojka und sieht sich bestätigt: „Man kann alles lernen.“

Sojka, 59, ist ein Meister seines Fachs. Zu DDR-Zeiten feierte er mit Jarmen zwei Titelgewinne (1986 und 1990). Seit 1997 ist er Coach. Sojka: „Alles ist rasanter geworden.“

Und gefährlicher. MSC-Kapitän André Ickert und Dominik Hassis stoßen zusammen. Der Gäste-Spieler fliegt in hohem Bogen über den Lenker und bleibt verletzt auf dem Asphalt liegen. Ickert kassiert die Grüne Karte – Zwei-Minuten-Strafe. Hassis wird mit dem Krankenwagen ins Fahrerlager gebracht. Der Pechvogel steigt aus und signalisiert: Alles halb so schlimm.

Nur wenig später erwischt es Tino Müller. Der MSC-Spieler bekommt den Ball aus Nahdistanz ins Gesicht und geht benommen vom Feld. Eine Schrecksekunde für dessen Frau, die samt Kinderwagen ins Fahrerlager eilt. „Ich muss doch gucken, ob noch alles dran ist“, sagt sie und lächelt.

Miguel Gomez kommt an diesem Tag mit einem blauen Sprunggelenk davon. „Meistens bleibt es bei Prellungen. Tote gab es noch nicht“, versichert er grinsend und humpelt ins Fahrerlager. Die Blessur kann ihm die Freude an diesem rasanten Sport nicht nehmen. „Das ist Leben! Adrenalin pur. Wahnsinn!“

Stefan Ehlers

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