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Mit WM-Gürtel sofort ins Krankenhaus

Potsdam Mit WM-Gürtel sofort ins Krankenhaus

Profiboxer Tyron Zeuge verteidigt seinen Titel trotz Abbruchs in der fünften Runde wegen eines Cuts am rechten Auge.

Potsdam. Die Lust auf die Siegerparty war ihm gründlich vermiest worden. Zwar hatte Tyron Zeuge den WM-Gürtel weiter im Gepäck, als er am frühen Sonntagmorgen die Potsdamer MBS-Arena verließ, aber sein Weg führte ihn direkt ins Krankenhaus. Ein tiefer Cut an der rechten Augenbraue musste sofort genäht werden und hatte in der fünften Runde zum Abbruch des Kampfes um die WBA-Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht gegen Isaac Ekpo (Nigeria) geführt.

Tiefer als die während des Duells immer mehr blutende Wunde saß aber bei dem Berliner der Frust. Der einzige verbliebene deutsche Weltmeister der vier bedeutendsten Profibox-Weltverbände hatte sich seine erste Titelverteidigung in seiner mit 3500 Zuschauern ausverkauften Lieblingsarena ganz anders vorgestellt. Immer wieder schüttelte er mit dem Kopf und haderte mit seinem Schicksal. „Das ist ätzend. Da bereitet man sich zwölf Wochen lang vor, isst und arbeitet diszipliniert und dann kommt so ein Scheißkampf dabei raus. Ich fühle mich, als hätte ich umsonst trainiert.“

Ein laut Ringrichter Raul Caiz aus den USA unabsichtlicher Kopfstoß des Herausforderers hatte in der dritten Runde den bis dato überlegen boxenden Zeuge nicht nur den sofort blutenden Cut am rechten Auge verpasst, sondern den mit 24 Jahren zweitjüngsten Champion der deutschen Boxgeschichte aus dem Konzept gebracht. Mit wütenden Attacken agierte der junge Mann aus Neukölln nun selbst unsauber.

Der zehn Jahre ältere Ekpo, der ohnehin mit einem sehr unorthodoxen Stil auffiel, nahm die Einladung zum Catchen an und machte sich im Infight weiter an der Wunde zu schaffen. Bis der Ringrichter nach mehrfacher Konsultation mit dem Ringarzt Walter Wagner abbrach.

Nach den Regularien der WBA wurden die Punktzettel zu Rate gezogen, die Zeuge mit 49:46, 48:47 und 49:47 vorn sahen. Doch dem technischen Punktsieger blieb der Jubel im Halse stecken, selbst die geliebte Currywurst danach aus einer Neuköllner Filiale mundete nicht. „Wenn ein Kampf so endet, ist das einfach nur scheiße“, ärgerte sich Zeuge maßlos. Während er seinem Gegner keine Vorwürfe machte („Ich hasse ihn nicht, ich wollte fair boxen“), teilte Manager Kalle Sauerland umso kräftiger aus. „Ekpo war gekommen, um einen Dreckskampf zu machen. Es ist nicht nur das Auge. Wenn man sich Tyrons Körper anschaut, speziell den Rücken, sieht man die Spuren von Ellenbogen, Kopfstößen und Catchergriffen. Vielleicht war es Taktik, damit Zeuge irgendwas Dummes macht.“

Ekpos Trainer Stacey McKinley hatte schon am Ring mit dem in den USA gebliebenen einflussreichen Promoter Don King telefoniert und drohte sogar eine Klage an. McKinley, der einst Mike Tyson coachte, forderte vehement ein Rematch und argumentierte: „Es gab keinen Grund, den Kampf abzubrechen. Das Auge war nicht zu. Zeuge hat gepustet, er schien mir nicht fit genug. Wenn Tyron sich auch in Amerika durchsetzen will, dann muss er solche Kämpfe durchstehen. Ich stelle mich im nächsten Duell gern als Cutman zur Verfügung.“

Zeuges Trainer sahen das natürlich komplett anders: „Wir hätten den Leuten gern gezeigt, was Tyron in den letzten Wochen dazugelernt hat. Das schnelle Ende war nicht schön, aber der bessere Boxer hat gewonnen“, sagte Ex-Weltmeister Jürgen Brähmer. Und Michael Timm, der Zeuge erstmals in Schwerin gemeinsam mit Brähmer vorbereitet hatte, ergänzte: „Ekpo hat in den ersten beiden Runden gemerkt, dass Tyron was auf der Kirsche hat. Dann sind beim Herausforderer komplett die Sicherungen durchgebrannt. So kann man keinen Kampf bestreiten.“ Sauerland, der nach dieser Pflichtverteidigung ein Rematch barsch ablehnte, wollte Zeuge ursprünglich im Mai wieder boxen lassen. Dieser muss nun erst mal seine Wunden heilen lassen – auch die inneren. Currywurst und ein Kurzurlaub („Wo ich meine Ruhe habe“) werden da nicht reichen.

Peter Stein

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