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Neue Regeln sorgen für Unmut

Handball Neue Regeln sorgen für Unmut

Torwart als siebter Feldspieler, Blaue Karte – ab heute ist vieles neu / Olympia als Testlauf

Hamburg. . Neue Auslegung des Zeitspiels, Torwart als siebter Feldspieler, Blaue Karte bei groben Verstößen: Heute kommt es zur Regel-Revolution im Handball. Es treten fünf Änderungen in Kraft, nach denen schon bei den Olympischen Spielen in Rio gespielt wird. Die Reform sorgt für Unmut. „Es ist ein etwas komischer Zeitpunkt für diese Änderungen mit den Olympischen Spielen vor der Brust“, sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Er habe sich bereits „Tausende Gedanken“ dazu gemacht und werde die Mannschaft in den bevorstehenden Lehrgängen intensiv darauf vorbereiten. Die modifizierte Satzung des Weltverbandes IHF gilt ab heute.

Das wird interessant und spannend.“Robert Teichert (37), Trainer des Zweitligisten HC Empor Rostock,

über die neuen Regeln

Alfred Gislason, Trainer des deutschen Rekordmeisters THW Kiel, bezeichnete die neuen Statuten als „komisch“, sie könnten den „Handball ruinieren“. Mannschaften, so Gislason in den „Kieler Nachrichten“, die mit viel Härte spielen, „werden massiv bevorzugt. Insgesamt sehe ich eine Sabotage an unserer Sportart.“

Gravierendste Änderung ist die neue Regelung des Zeitspiels. Um zeitlich ausufernde Angriffe zu vermeiden, hat die Mannschaft in Ballbesitz nach der Anzeige des Vorwarnzeichens (

gehobener Arm des Schiedsrichters) künftig nur noch maximal sechs Pässe Zeit, um den Torwurf vorzubereiten. Das Zählen der Pässe liegt bei den Schiedsrichtern.

Auch die übrigen Regeländerungen sorgen in der Szene für heftige Diskussionen. So kann ein Torwart in Zukunft als siebter Feldspieler eingesetzt werden, ohne wie bislang ein Leibchen tragen zu müssen. In diesem Fall darf er den eigenen Torraum allerdings nicht betreten. „Das wird interessant und spannend“, meint Robert Teichert, Trainer des Zweitligisten HC Empor Rostock. Er werde sich in der einen oder anderen Trainingseinheit der neuen Regel widmen, um im Spiel für „kleine Überraschungsmomente“ zu sorgen.

Zudem muss ein verletzter Spieler, der medizinisch behandelt wird, künftig zwingend das Feld verlassen und darf erst nach drei abgeschlossenen Angriffen seiner Mannschaft zurückkehren. Als einzige der neuen Regeln gilt diese nicht im Amateur- und Jugendbereich.

„Die IHF hat uns ein schönes Ei ins Nest gelegt“, sagte Peter Rauchfuß, Schiedsrichterwart des Deutschen Handballbundes (DHB). Die Umsetzung hält er für verfrüht und „unausgegoren“.

Handball-Fans müssen sich zukünftig auch an die Blaue Karte gewöhnen. Sie wird vom Schiedsrichter nach dem Zeigen einer Roten Karte bei groben Verstößen nur dann gezückt, wenn ein schriftlicher Verweis in den Spielbericht aufgenommen wird und die Disziplinarkommission im Nachgang des Spiels über weitere Maßnahmen entscheidet. Die fünfte und letzte Änderung betrifft die letzten 30 Sekunden eines Spiels. Begeht ein Spieler in diesem Zeitraum eine grobe Regelwidrigkeit oder unterbindet regelwidrig eine Wurfausführung, wird er direkt mit einer Roten Karte bestraft – und der Gegner bekommt einen Siebenmeter.

Christoph Stukenbrock und Stefan Ehlers

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