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Perry Bräutigam: „Da kriege ich jetzt noch Gänsehaut“

Rostock/Leipzig Perry Bräutigam: „Da kriege ich jetzt noch Gänsehaut“

Der ehemalige Hansa-Keeper stieg als Torwartcoach mit RB Leipzig binnen sieben Jahren von der Oberliga in die Bundesliga auf.

Rostock/Leipzig. Den rasanten Aufstieg von RB Leipzig aus den Niederungen des Amateurfußballs bis in die 1. Bundesliga haben nur sehr wenige von Anfang an hautnah miterlebt. Perry Bräutigam ist einer davon. Der ehemalige Hansa-Schlussmann und -Torwarttrainer ist ein Mann der ersten Stunde bei den „Roten Bullen“. Über die Erfolgsstory des deutschlandweit wohl am meisten angefeindeten, in Leipzig und Umgebung inzwischen aber akzeptierten Fußballklubs weiß der 53-Jährige viel zu erzählen.

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Der ehemalige Hansa-Keeper stieg als Torwartcoach mit RB Leipzig binnen sieben Jahren von der Oberliga in die Bundesliga auf.

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Alles begann 2009, als der neu gegründete RasenBallsport Leipzig mit der Lizenz des SSC Markranstädt in die Oberliga (5. Liga) einstieg. Ohne festen Trainingsplatz, dafür aber mit Ex-Profis wie dem zweimaligen Nationalspieler Ingo Hertzsch und dem zweitligaerfahrenen Ex-Cottbuser Timo Rost. „Mit den Fans haben wir damals zusammen im Garten gesessen“, erinnert sich Bräutigam, dessen Vertrag bei Hansa nicht verlängert worden war – aus Gründen, die er bis heute nicht kennt. „Damals haben wir geträumt: Es wäre toll, wenn wir es in sieben Jahren bis in die Bundesliga schaffen könnten. Dass wir das wirklich erreicht haben – da kriege ich jetzt noch Gänsehaut.“

Sportlich ging es dank der millionenschweren Starthilfe des österreichischen Red-Bull-Milliardärs Dietrich Mateschitz steil bergauf. Einzig in der Regionalliga (2010-13) hing der RB-„Aufzug“ etwas länger fest. Fürs Image musste der ungeliebte Neuling allerdings gegen Windmühlen kämpfen – auch heute noch. „Anfangs sind wir auf völlige Antipathie gestoßen. Wir sind von gegnerischen Fans bespuckt und angegriffen worden. Das hat sich mittlerweile gegeben. Aber wir mussten viel Aufbauarbeit leisten“, sagt Perry Bräutigam.

Der bundesligaerfahrene Torwarttrainer, nur knapp 50 Kilometer südlich von Leipzig in Altenburg geboren, galt dabei von Anfang an als Sympathieträger. „Ich habe einen guten Zugang zu den Fans und habe mich immer gestellt – das hätte nicht jeder gemacht“, erklärt Bräutigam. Vor sieben Jahren habe er Anfragen anderer Vereine ausgeschlagen und sich bewusst für einen anderen, langen Weg entschieden. Natürlich sei bei RB „mit dem finanziellen Hintergrund“ vieles leichtergefallen, erzählt der Thüringer. „Aber das Geld ist sinnvoll und gezielt eingesetzt worden. Nichts wird verkleckert. Immer wird die Frage gestellt: Macht es Sinn? Wer und was passt zu uns?“

Erst im Vorjahr hat RB für 33 Millionen Euro ein hochmodernes Trainings- und Nachwuchsleistungszentrum auf seinem Vereinsareal in Sichtweite der Leipziger WM- Arena fertiggestellt. „Hinter dem Geld stecken auch immer eine nachhaltige Qualität und eine Strategie“, betont Bräutigam, der Dietrich Mateschitz vor einigen Jahren bei einem Teambesuch in Salzburg mal persönlich kennengelernt hat. „Er freut sich über die Begeisterung im Stadion und darüber, was er bei uns geschaffen hat. Ansonsten hält er sich sehr zurück.“

Dafür greifen andere an. In der Euphorie des Bundesliga-Aufstiegs träumte der eine oder andere bereits von Europa. Der neue Coach Ralph Hasenhüttl (kam vom FC Ingolstadt) soll erst einmal dafür sorgen, dass die „Bullen“ im Oberhaus von Anfang an nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Nur wenige zweifeln daran – doch Bräutigam ist skeptisch. „Die 1. Liga wird sehr viel schwieriger, weil wir vom ersten Spieltag an total ernst genommen werden. Wir sind ein anderer Aufsteiger als die anderen“, sagt Perry Bräutigam, der seit dem Vorjahr in spezieller Mission bei RB tätig ist. Als Repräsentant verantwortet er soziale Projekte, die dem Verein am Herzen liegen. Das kann auch mal ein Training mit sozial benachteiligten Kindern sein.

Nach Rostock kommt er noch oft, obwohl er inzwischen fest nach Leipzig gezogen ist. Für ihn ist es „phänomenal, dass immer noch so viele Leute ins Stadion kommen“. Nur die 3. Liga und das jahrelange Zittern um den Klassenerhalt gefallen dem einstigen Hansa-Keeper ganz und gar nicht. „Jetzt ist wichtig, dass sich der Verein neu aufstellt. Es muss einfach passen – dann geht es auch mal wieder hoch.“

Löw und Quaschner: Leipziger mit FCH-Vergangenheit

Neben Perry Bräutigam (53) gibt es bei RB Leipzig noch zwei weitere Protagonisten mit Hansa-Vergangenheit. Co-Trainer ist seit einem Jahr Zsolt Löw (37). Der Ungar absolvierte in der Saison 2005/06 elf Spiele für den

damaligen Rostocker Zweitligisten.

Anschließend spielte er bei 1899 Hoffenheim unter Coach Ralf Rangnick, der ihn 2015 in sein Trainerteam nach Leipzig holte.

Stürmer Nils Quaschner (22) wurde 2013 mit den Junioren des FC Hansa deutscher Vizemeister und stieg anschließend zu den Drittliga-Profis auf. Dort konnte er sich jedoch nicht durchsetzen.

Über den SC Liefering (2. Liga Österreich) und RB Salzburg kam er zu RB Leipzig, wo er allerdings nur sporadisch zum Zuge kam. Der gebürtige Stralsunder (Vertrag bis 2018) wurde nun für ein Jahr an den Zweitligisten VfL Bochum ausgeliehen.

Kai Rehberg

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