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Rostocker Goalballer Tiede wirbt weltweit für seinen Sport

Rostock Rostocker Goalballer Tiede wirbt weltweit für seinen Sport

Für sehbehinderten Nationalmannschafts-Kapitän ging in Rio Traum in Erfüllung

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Reaktionsschnell: Reno Tiede wehrt einen Ball ab. Links: Thomas Steiger. FOTOS: STEFAN EHLERS, MORTEN VORWERK, RENÉ WARNING

Rostock. . Es herrscht völlige Dunkelheit. Wenn Reno Tiede auf dem Spielfeld steht, kann er nichts sehen. Nur das Klingeln signalisiert, in welcher Richtung der Ball angerauscht kommt. Tiede, der auf dem Boden liegt, reagiert blitzschnell. Er streckt seine Arme aus und wehrt den gegnerischen Wurf ab. Dann steht er auf, schnappt sich die Kugel, dreht sich einmal um die eigene Achse und schleudert den Ball in Richtung gegnerisches Tor. Nur der Pfiff des Referees signalisisert ihm, dass er getroffen hat. Tiede jubelt kurz. Seine Konzentration gilt nun wieder der Defensive.

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Für sehbehinderten Nationalmannschafts-Kapitän ging in Rio Traum in Erfüllung

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Goalballer mit Leib und Seele: Reno Tiede (26)

Reno Tiede ist Kapitän der deutschen Goalball-Nationalmannschaft. Seit er 14 ist, lebt der gebürtige Rostocker mit einer Sehkraft von nur einem Prozent. Als fußballverrückter Junge bekommt er die Nachricht, dass sein Augenlicht schwinden würde. „Ich habe mich schnell daran gewöhnt“, sagt Tiede. „Man sieht, was man eben sieht. Aber ich war immer ein ballverliebtes Kind, und Fußballspielen ging dann natürlich nicht mehr.“

Durch seine Eltern kommt Tiede zum Goalball. Er studiert in der Goalball-Hochburg Marburg Unternehmensführung. Doch den waschechten Mecklenburger zieht es zurück an die Ostsee. Der Jugend-Weltmeister von 1997 ist Mitbegründer der Goalball-Bundesliga und des Rostocker Goalball- Clubs (RGC), für den er sich als Vereinschef, Trainer und Spieler engagiert.

Beim Goalball stehen sich zwei Teams mit jeweils drei Feldspielern gegenüber. Nicht alle sind blind, aber alle tragen schwarze Brillen, um die Chancengleichheit zu wahren. Das Spielfeld misst 9 mal 18 Meter. Die Tore sind neun Meter breit und 1,30 Meter hoch. Die Spielzeit beträgt zweimal zwölf Minuten.

Goalball, ursprünglich als Rehabilitationshilfe für Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland erfunden, ist seit 1976 auch Teil der Paralympischen Spiele. Der Sport entwickelt sich immer mehr zum Zuschauermagneten. Bei den Wettkämpfen in Rio de Janeiro in diesem Sommer trat die deutsche Nationalmannschaft um Kapitän Tiede in der Future Arena auf, in der auch die olympischen Handball-Spiele ausgetragen wurden. Die Goalballer spielten vor gefüllten Rängen mit rund 12000 Zuschauern. In Rio war für das deutsche Team, dem mit Thomas Steiger und Christian Friebel zwei weitere Rostocker angehören, im Viertelfinale Endstation. Gold ging an Litauen.

Tiede lebt diesen Sport. Er liebt den Wettkampf, die Atmosphäre riesiger Sport-Events. „Mit den Paralympics in Rio ist ein großer Traum in Erfüllung gegangen. Die Begeisterung der Brasilianer:

einzigartig!“, erzählt der 26-Jährige, der als selbstständiger Vermögensberater tätig ist. Andererseits sieht er im Goalball aber auch noch andere Möglichkeiten als Medaillen.

Während die Regeln auf internationaler Ebene nur Spieler mit höchstens zehn Prozent Sehkraft zulassen, dürfen auf nationaler Ebene auch Menschen ohne Sehbehinderung Goalball spielen. „Auf dem Feld sind alle gleich. Da spielt man eben zusammen und merkt kaum einen Unterschied. Blind zu spielen, ist einfach Trainingssache“, sagt Tiede. Deshalb sieht er im Sport auch Chancen für ein selbstverständlicheres Zusammenleben zwischen Menschen mit und ohne Behinderung.

Nora Frerichmann und Stefan Ehlers

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